Zahlreiche Besucher des Musikfestivals Lollapalooza machen sich am 10.09.2017 in Hoppegarten (Brandenburg) bei Berlin am Abend auf den Nachhauseweg. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Audio: Radioeins | 10.09.2017 | Silke Super | Bild: dpa-Zentralbild

Interview | Lollapalooza Pressesprecher Tommy Nick - "Wir hätten nicht noch besser vorbereitet sein können"

Am Samstagabend kam es zu chaotischen Zuständen am S-Bahnhof Hoppegarten. Etwa 3.000 Festivalbesucher des Lollapalooza drängten nach Konzertende auf den Bahnsteig, viele kollabierten. Der Pressesprecher ist überrascht, dass sich so viele "auf die S-Bahn stürzten".  

Nach dem Lollapalooza-Festival am Wochenende in Hoppegarten sind noch Fragen offen. Unter anderem, wie es am Samstagabend zu dem Massenandrang am S-Bahnhof kommen konnte. Etwa 3.000 Menschen drängten am Samstagabend nach Konzertende auf den Bahnsteig und mussten lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Etwa 40 Personen kollabierten dabei laut Polizeiangaben. Lollapalooza-Pressesprecher Tommy Nick sprach am Sonntagnachmittag mit dem rbb über die Situation.

rbb: Was hat das Chaos am Samstagabend bei der Abreise vom Lollapalooza-Festival in Hoppegarten Ihrer Meinung nach ausgelöst?

Tommy Nick: Zu viele Leute sind gleichzeitig gegangen. Ich glaube, so kann man es erst einmal herunterbrechen. Und dann hatten wir ein bisschen Kommunikationsschwierigkeiten. Denn den Leuten war anscheinend nicht so klar, aus welchem Ausgang sie im Idealfall rausgehen sollen, um ihr Verkehrsmittel auch zu kriegen. Und dann hatten wir leider am S-Bahnhof einen massiven Rückstau, weil sich natürlich sehr viele Leute auf die S-Bahn gestürzt haben. Nach einigem Ach und Krach - und zum Glück sind alle Leute ruhig geblieben - hatten wir dann um 2 Uhr, 2:30 Uhr die letzten Leute auch weg. Leider haben manche trotzdem zwei oder drei Stunden nachhause gebraucht.

Ja, ich zum Beispiel. Aber wenn man weiß, dass 85.000 Karten verkauft worden sind pro Tag - dann weiß man doch auch, dass die Leute wieder weg müssen. Eigentlich hätte man doch wissen können, dass die Leute die letzten Bands sehen wollen und dass es danach eng werden würde?

Wir haben im Vorfeld viel probiert, um mit den Besuchern zu kommunizieren. Aufgrund der Problematik, dass es vor Ort nur einen Bahnhof gibt, haben wir gesagt, dass es auch noch ausreichend Platz für Autos gibt. Auch hatten wir Shuttle-Busse. Und trotzdem war es am Ende des Tages doch so, dass die meisten Leute sich auf die S-Bahn gestürzt haben. Das kann man natürlich im Vorfeld der Veranstaltung ein Stück weit kalkulieren – aber auch nicht. Dann hat sich so eins zum anderen ergeben und es wurde an zwei, drei Ausgängen so ein bisschen voller.

(Lacht) Das ist dezent umschrieben. Ich hätte Ausgang A nehmen sollen und wurde dann zu D geschickt. Informiert sein half also auch nicht immer.

Das war genau der Punkt: Ausgang A ist in der Nähe des S-Bahnhofs. Da sind die meisten raus. Und den mussten wir irgendwann zu machen, damit nicht einfach noch mehr Leute auf den S-Bahnhof drängen. Schlussendlich mussten wir dann einige Leute bitten, an einem ganz anderen Ausgang rauszugehen.

Was war denn die Verabredung mit der Bahn?

Wir haben natürlich im Vorfeld – im Januar bereits - mit der Bahn gesprochen. Die S-Bahn hat dann höher getaktet. Im Regelverkehr wird die Strecke alle 20 Minuten gefahren, jetzt haben wir alle zehn Minuten gehabt über's Wochenende und noch längere Züge. Eine höhere Taktung, die wir uns gewünscht hätten, war nicht möglich aus Sicht der Bahn, weil es dafür kein Personal gibt.

Das Statement der Bahn dazu war, dass es nicht am Personal lag, sondern dass es nur ein Gleis gebe. Es ist also eher eine logistisch nicht lösbare Problematik. Hätten Sie es im Vorfeld ahnen können, dass es schwierig wird und ein paar Sachen anders angehen müssen?

Uns war klar, dass es auf jeden Fall sehr sportlich wird und dass es eine Herausforderung ist mit der ganzen An- und Abreise. Wir hatten mit den Behörden – also der Polizei, der Bahn und mit verschiedenen Verkehrsexperten – ein Verkehrskonzept ausgearbeitet. Dann haben wir am Samstagabend gesehen, dass Theorie und Praxis dann manchmal leider doch ein wenig auseinander gehen. Ich glaube aber tatsächlich, wir hätten nicht noch besser vorbereitet sein können. Und ich glaube, hätten sich die Leute so verteilt, wie wir uns das vorgestellt haben, wäre es auch ein bisschen einfacher gewesen. So können wir jetzt nur sagen, dass wir daraus gelernt haben.

Das Interview führte Silke Super, Radioeins

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1 Kommentar

  1. 1.

    es wird wohl an den veranstalter gelegen haben, das da so ein caos geherscht hat.
    ich war dieses jahr das zweite mal bei dem slagerhammer von radio b2 und bin jedesmal mit der s- bah hin und wieder nach hause nach marzahn gefahren. es gab nichts zu meckern der veranstalter und die bahn haben gut mit einander gearbeitet und es lief alles reibungslos.

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