Zahlreiche Besucher des Musikfestivals Lollapalooza nutzen am 10.09.2017 in Hoppegarten (Brandenburg) bei Berlin am S-Bahnhof Hoppegarten die S-Bahn zur Abreise. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Audio: Inforadio | 11.09.2017 | Henrike Möller | Bild: dpa-Zentralbild

Lollapalooza-Fazit - "Alle Ausgänge waren zu. Das war ein gruseliges Gefühl"

Geile Stimmung, miese Orga – so beschreiben die meisten Festivalbesucher das Lollapalooza 2017. Vor allem der chaotische Abtransport Samstagnacht steckt vielen noch in den Knochen. Nicht der einzige Punkt, der Besucher verärgerte. Von Henrike Möller

Eigentlich sah alles nach einer guten Wendung aus, denn am späten Nachmittag kam am Samstag endlich doch noch die Sonne raus. Regenponchos fielen und gaben den Blick frei auf glitzerige, Pailletten besetzte Gesichter, Blumenkränze und Federschmuck. Gegen 22.30 Uhr beendete der Headliner "Mumford & Sons" seinen Auftritt.  Und ab da ging das Chaos los. "Es hat eine Stunde gedauert, bis wir vom Gelände runter waren", berichtet eine Besucherin, und: "bis zur S-Bahn-Station brauchten wir nochmal eine Stunde. Dann waren die S-Bahnen alle voll. Im Ganzen waren wir drei Stunden unterwegs."

Security-Mitarbeiter hielten Besucher auf dem Gelände fest

Andere Besucher berichten, sie seien mehrere Stunden von Security-Mitarbeitern zwischen zwei Absperrungen auf dem Gelände festgehalten worden: "Wir haben uns gefühlt wie Tiere in der Viehzucht." Inga wohnt nur wenige Minuten von der Rennbahn in Hoppegarten entfernt, aber auch sie kam an diesem Abend nicht früher nach Hause als die anderen Besucher: "Alle Ausgänge waren zu. Wenn man weiß, man kommt nicht raus, ist das ein gruseliges Gefühl."

Festivalsprecher Tommy Nick hatte sich am Sonntag bei den Festivalbesuchern entschuldigt. "Ich kann verstehen, dass Leute das nicht so toll finden, wenn sie zurückgehalten werden. Aber das diente in erster Linie der Sicherheit und um einen geregelten Abfluss vom Gelände und zur S-Bahn hin gewährleisten.

Und dann kam der Sonntag

"Uns hat das die Stimmung ganz schön versaut", meint eine der Besucherinnen. Sie habe sogar überlegt, am Sonntag erst gar nicht mehr wieder zu kommen. Ein Großteil der Leute konnte das Verkehrschaos vom Samstag aber anscheinend schnell hinter sich lassen. Die Stimmung am Sonntag war entspannt und familiär. Kinder feierten neben Teenagern feierten neben Senioren. Wer nicht vor den vier Bühnen abtanzte, hing in den zahlreichen Freizeitmöglichkeiten ab, die das Lollapalooza anbot: Riesenrad, Aussichtspunkt, Fashion-Area, Styling-Zone. Sogar einen grünen Kiez mit Hängematten, Blumen und  Möglichkeiten, sich über wohltätige Organisationen zu  informieren sowie einen extra Bereich für Familien gab es. Den meisten Andrang konnten aber die zahlreichen Selfie-Gadgets aufweisen, die den Besuchern das perfekte Festival-Foto ermöglichen sollten. Am beliebtesten: das Spiegel-Kabinett und ein Meer aus silberfarbenem Lametta, das von der Decke runterhing.

"Die Location ist sehr übersichtlich", findet Marie. Ihre Freundin Franzi war letztes Jahr beim Lollapalooza im Treptower Park dabei. Dort sei es verwinkelter gewesen und schwerer zu überblicken. Die beiden waren außerdem überrascht, wie problemlos der Einlass funktioniert hat: "Wir standen gerade mal zehn Minuten an." Farina und Marie haben da andere Erfahrungen gemacht: "Bei uns hat es anderthalb Stunden gedauert. Die Securitys sind mit unseren elektronischen Tickets nicht zurechtgekommen." Auch dass Tetra Paks und Wasserflaschen verboten waren, bemängeltn sie. Eine andere Besucherin berichtete, dass ihr sogar ihre Schokoriegel abgenommen wurden. So musste sie für ein Bier 4,50 Euro und für ein Essen etwa 7 Euro zahlen.

Für Unmut sorgten vor allem Schlangen beim Essen

Trotzdem waren es weniger die Preise, die Verärgerung hervorriefen, als die langen Schlangen vor den Essensständen. Wegen eines kurzzeitigen Stromausfalls standen am Samstag mitunter bis zu 100 Leute vor einem Food-Truck. Am Sonntag hatte sich aber auch diese Situation entspannt.

Gegen 18.30 Uhr – nach der Band "Annenmaykantereit"  –  strömte die erste Masse gen Ausgänge. Der Veranstalter hatte zwar mehr Shuttlebusse und S-Bahnen im 10-Minuten-Takt versprochen - darauf vertrauen wollten aber viele nicht mehr.

Beitrag von Henrike Möller

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Masleniza in Berlin. (Quelle: rbb)
rbb

Video | Masleniza-Fest in Berlin - Den Winter mit Blinis und Tee vertreiben

Dieser Sonntag war kein normaler Sonntag, sondern das Ende der Butterwoche. Und die gehört zu den lustigsten und fröhlichsten Festen in Russland - wie Karneval, nur mit Blinis und Tee. Im Kulturforum Hellersdorf war jeder eingeladen, der sich mit der Tradition auskennt oder sie kennenlernen wollte.