Eine Frau im Regenponcho tanzt am 09.09.2017 in Hoppegarten (Brandenburg) auf dem Lollapalooza Festival. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Video: Abendschau | 09.09.2017 | Stefan Sperfeld | Bild: dpa/Britta Pedersen

Festival Lollapalooza in Hoppegarten - Regenponchos statt Blumenkränze

Erst grau und gedämpft, dann bunt und glitzerig - so war der erste Tag auf dem Lollapalooza. Auf dem Festival in Hoppegarten drängten sich die Musikfans vor den Bühnen - und auch vor den Essenständen. Denn Selbstverpflegung ist nicht gestattet. Von Henrike Möller

Um 17 Uhr am Samstag kommt sie doch noch raus: die Sonne. Wie auf Kommando fallen beim Festival Lollapalooza in Hoppegarten die Regenponchos. Unter den gelben, blauen und roten Plastikverhüllungen kommen Glitzer, Federschmuck, mit Goldketten umschlungene Blumenkränze und Pailletten-Gesichts-Deko zum Vorschein. Langsam, ganz langsam wird aus der zuvor gedämpften Stimmung ein freudiges, neonfarbenes Strahlen.

Die elektronische Perry Stage mausert sich als erstes zur Partyzone. Vorsichtig tänzeln die Besucher über den matschigen Boden. Hände recken sich euphorisch in die Höhe. Der Rest der 85.000 Festivalbesucher tummelt sich vor den anderen drei Bühnen oder hängt in den zahlreichen Freizeitmöglichkeiten ab, die das Lollapalooza anbietet: Riesenrad, Aussichtspunkt, Fashion-Area, Styling-Zone. Sogar einen grünen Kiez gibt es mit Hängematten, Blumen und Möglichkeiten, sich über wohltätige Organisationen zu  informieren sowie einen extra Bereich für Familien. Den meisten Andrang können aber die zahlreichen Selfie-Gadgets aufweisen, die den Besuchern das perfekte Festival-Foto ermöglichen sollen. Am beliebtesten: das Spiegel-Kabinett und ein Meer aus silberfarbenem Lametta, das von der Decke runterhängt. 

Zahlreiche Besucher verfolgen am 09.09.2017 in Hoppegarten (Brandenburg) auf dem Musikfestival Lollapalooza den Auftritt des Rappers Marteria. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa/Jens Kalaene

Teures Essen und lange Schlangen

"Die Location ist sehr übersichtlich", findet Marie. Ihre Freundin Franzi war letztes Jahr beim Lollapalooza im Treptower Park dabei. Dort sei es verwinkelter gewesen und schwerer zu überblicken. Die beiden sind außerdem überrascht, wie problemlos der Einlass funktioniert hat: "Wir standen gerade mal zehn Minuten an." Farina und Marie haben da andere Erfahrungen gemacht: "Bei uns hat es anderthalb Stunden gedauert. Die Securitys sind mit unseren elektronischen Tickets nicht zurechtgekommen." Auch dass Tetrapacks und Wasserflaschen verboten sind, bemängeln sie. Eine andere Besucherin berichtet, dass ihr sogar ihre Schokoriegel abgenommen wurden. Nun muss sie für ein Bier 4,50 Euro und für ein Essen etwa 7 Euro zahlen.

Trotzdem sind es weniger die Preise, die leichte Verärgerung hervorrufen, als vielmehr die langen Schlangen vor den Essensständen. Lediglich vor dem Eis-Truck herrscht gähnende Leere. Um 19 Uhr stehen vor dem Falafelstand etwa 80 Leute. In einem Teilbereich des Foodcourts sorgt ein kurzer Stromausfall dafür, dass die Schlangen noch länger werden. Vor den Dixie-Klos ist das Warteaufgebot nicht geringer. 

Love, Peace & Moshpit in Hoppegarten

Und die Fahrt nach Hause?

Im Verlaufe des Tages entspannt sich die Situation allerdings etwas. Die Besucher haben sich mit dem riesigen Gelände vertraut gemacht, haben alle Facilities entdeckt und abgespeichert. Überforderte Blicke in den Geländeplan sieht man kaum noch. Dafür kristallisiert sich ein neues Problem heraus: der Nachhauseweg. Die Gerüchte werden immer lauter, dass die S-Bahn schon jetzt an ihre Grenzen kommt. Am späten Nachmittag stecken in Mahlsdorf bereits hunderte Leute am Bahnsteig fest. Rafael ist mit dem Auto gekommen. Ob die Situation für ihn einfacher wird, bezweifelt er. Doch daran will er jetzt noch nicht denken: "Jetzt feiern wir erstmal. So freiheitlich wie heute auf dem Lollapalooza zeigt sich Berlin nicht mehr oft. Das müssen wir genießen."

Konzertbesucher tanzen im Sonnenuntergang am 09.09.2017 in Hoppegarten (Brandenburg) auf dem Musikfestival Lollapalooza. (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Am Abend kam sogar die Sonne raus. | Bild: dpa/Jens Kalaene

Sonntag mit starkem Line-Up und besserem Wetter

Um 19.45 Uhr hat der Lollapalooza-Samstag seinen vorzeitigen Höhepunkt erreicht. Der Rostocker Rapper Marteria steht auf der Mainstage. "Schaut mal hinter euch", fordert er sein Publikum auf. Der Himmel über Hoppegarten erstrahlt in einem kräftigen orangerot. Ein Sonnenuntergang, der ein kurzes Gänsehaut-Domino hervorruft. Aber nur für einen Moment. Dann geht der Abriss weiter.

Das Beste kommt aber erst noch, da sind sich die meisten Besucher sicher. Mit Annenmaykantereit, Foo Fighters und The XX hat der Sonntag für viele das stärkere Line-Up am Start. Und das bessere Wetter wohl auch. Vom Regen lassen sich die Lollapalooza-Besucher ihre Outfits auf jeden Fall kein zweites Mal versauen.

Beitrag von Henrike Möller

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