Festivalbesucher feiern am 09.09.2017 in Hoppegarten (Brandenburg) beim Lollapalooza Festival auf dem Gelände der Rennbahn Hoppegarten (Quelle: Britta Pedersen / dpa)
Audio: rbb-Inforadio | 09.09.2017 | Interview mit Karsten Knobbe | Bild: dpa

Urteil des Oberverwaltungsgerichts - Lollapalooza muss Sonntag schon um 22 Uhr leiser drehen

Im Streit um die Nachtruhe beim Lollapalooza-Festival hat ein Gericht entschieden: am Sonntag müssen ab 22 Uhr die Lärmgrenzwerte eingehalten werden. Die Veranstalter wollen die Musik einfach leiser drehen - doch dem Bürgermeister reicht das nicht.

Während schon die ersten Besucher des Lollopalooza-Festivals unterwegs nach Hoppegarten waren, wurde hinter den Kulissen noch über den Lärmschutz gestritten. Erst am Freitagabend entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (AZ OVG 11 S 66.17), dass Auflagen der Kommune vom Veranstalter eingehalten werden müssen. Konkret geht es um die Zeiten für die Nachtruhe sowie Ausweichquartiere für Anwohner.

Der Veranstalter habe vom Lärm besonders stark betroffenen Anwohnern ein Ersatzquartier zu bezahlen, entschied das OVG. Außerdem dürften die Lärm­grenz­werte am Sonn­abend nur bis 23.00 Uhr und für den Sonn­tag bis 22.00 Uhr überschritten werden.

"Ein An­spruch des Veran­stal­ters darauf, die Lärm­grenz­werte am Sonn­abend um weitere 30 Minu­ten und am Sonn­tag um weite­re 90 Minu­ten über­schrei­ten zu dür­fen, ist nicht erkenn­bar," heißt es in der Pressemeldung des Gerichts.

Veranstalter wollen einfach leiser drehen

Die Veranstalter sind offenbar davon überrascht worden, dass ihre Klage gegen die Auflagen scheiterte. Auf der Homepage des Festivals steht weiterhin, dass der Haupt-Act "The XX" am Sonntag von 22 bis 23:15 Uhr auf der Main Stage 2 spielt. Auch auf der Perry's Stage legt der DJ Hardwell nach wie vor bis 23 Uhr auf.

"Aktuell ist der Stand, dass alle Künstler wie geplant spielen", sagte Veranstalter Tommy Nick rbb|24 dazu auf Anfrage. Man werde die Musik leiser drehen und dadurch "die Dezibel-Grenzwerte einhalten". Allerdings lassen sich die Veranstalter eine Hintertür offen: "Sollte es Spielzeit-Änderungen geben, werden wir das ankündigen."

Hoppegartens Bürgermeister will, dass um 22 Uhr Schluss ist

Der Bürgermeister der Gemeinde Hoppegarten, Karsten Knobbe, interpretiert das Urteil nämlich anders. "Für die Nachtruhe zum nächsten Werktag am Montag ist es zwingend notwendig, nach Brandenburger Recht um 22 Uhr auch den Schluss zu machen", sagte Knobbe dem rbb-Inforadio am Samstag.

Knobbe sagte weiterhin, die Gemeinde sei sich mit dem Veranstalter einig, dass es nur eine derartige Großveranstaltung pro Jahr in Hoppegarten geben solle, so Knobbe. Alles andere sei "weder für die Rennbahn, noch für den Ort, noch für den Galopprennsport machbar". Und der Galopprennsport solle weiter das Hauptgeschäft der Rennbahn bleiben.

Wie viele der rund 3.000 vom Lärm betroffenen Anwohner bisher Ersatzunterkünfte in Anspruch genommen hätten, konnte Knobbe am Samstag im rbb-Inforadio nicht sagen. Allerdings hätten 400 Anwohner das Angebot des Veranstalters genutzt und sich Freikarten haben geben lassen, sagte er.

Aktionsbündnis spricht von "Teilerfolg"

Auch das "Aktionsbündnis für den Erhalt der Rennbahn im Grünen" begrüßte am Samstag den OVG-Entscheid, sprach aber von einem "Teilerfolg". Es sei positiv für die Gemeinde und die Anwohner, dass das Gericht 23 bzw. 22 Uhr für den Bühnenschluss bestätigt habe. Trotz der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts seien aber die Fragen über die Bezahlung der Ersatzquartiere nicht abschließend geklärt, teilte Sven Francke, Sprecher des Bündnisses, am Samstag mit.

Pro Tag rund 80.000 Besucher erwartet

Samstag und Sonntag werden jeweils mehr als 80.000 Besucher beim Lollapalooza erwartet. Das komplett ausverkaufte Musikfestival findet in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Gelände der Rennbahn Hoppegarten statt. Die bisherigen Veranstaltungsorte des Lollapalooza in Berlin - Tempelhofer Feld und Treptower Park - standen für das Festival in diesem Jahr nicht mehr zur Verfügung.

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Von wegen ab 22 Uhr wird es am Sonntag ruhiger...Wir wohnen in Neuenhagen und dürfen uns seit 22:15 Uhr nun so richtig das Gedröhne der Musikbässe anhören vom Festivall anhören.Es gibt Menschen, die morgen für ihren Job ausgeschlafen sein müssen.

  2. 15.

    Es gibt Gesetze, wem die nicht passen. soll abhauen.
    Es nervt, ich will nicht in den Lärm irgendwelcher Pseudo-Event-Kopien involviert werden die neuerding alle nach Berlin gezerrt werden.
    Genauso Pyronale - wieso gehen die Veranstalter anderen die das Geknalle nicht hören wollen ständig auf den S*ck ?
    Ständig ist immer was neues... wer das will, soll sich dafür einsetzen, dass sie den Quark auf irgendeinem Acker machen, da können ja dann die Interessenten hinfahren und Eintritt zahlen.
    Es soll niemand unnötig belästigt werden sagt die Gesetzgebung. Das hat auch nichts mit dem Großstadtargument zu tun, es sind ja alles Privatveranstaltungen.

  3. 14.

    Deswegen wird so etwas weltweit ja auch nicht in Wohnnähe veranstaltet, wieso nicht wie bei Roskilde aufm Acker an der Autobahn. Nein - der BERLIN-Stempel würde ja nicht drauf sein. Also somit gibt es Lärmgrenzen und Nachtruhe *hehe*

  4. 13.

    Warum geht man mit solchen Veranstaltungen nicht ins Umland, Irgendwo auf einem Acker, wo weit und breit kein Mensch lebt.
    Dort können die,die es wollen, sich rund um die Uhr beschallen lassen.

  5. 11.

    Wann und wo gab es denn die Freikarten für Anwohner???
    Wir wohnen ggg. vom Bahnhof Hoppegarten und haben nur die Zettel fürs Auto für die kontrollpunkte bekommen.
    Schade Herr Knobbe.

  6. 10.

    Neid,oh nein.Seit wann ist eine Pferderennbahn Naturschutzgebiet.Als i.Berlin 100000 Tausend u.mehr Leute die Loveparade zelebrierten bin ich mal 50 Meter in d.Tiergarten hineingegangen und trotz der Beats und der wummernden Bässe haben sich Vögel nicht davon abhalten lassen zu zwitschern und ihrer Beschäftigung nachzugehen.Eine Veranstaltung wie die in Hoppegarten findet nur einmal im Jahr statt.Recht überzogen Ihr Argument.

  7. 9.

    Irrsinn. Die Genehmigungspraxis in Brandenburg ist mittlerweile nicht mehr nachvollziehbar.
    Ein 160.000 Mann Festival in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten wird unter Auflagen erlaubt, aber kleine DIY Festivals für max. 3000 Teilnehmer in direkter Nachbarschaft zum Flughafen BER, also im Grunde dem idealen Standort für solche Aktivitäten, weil bereits jetzt fast sämtliche Häuser in der Umgebung mit Lärmschutzfenstern ausgestattet sind, werden wegen angeblicher "Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit" kaputtgemacht, obwohl über 7 Jahre zweifelsfrei belegt ist, daß keine unangemessenen Emissionen vom Ort ausgehen. Das ist Schilda!

  8. 8.

    Manchmal verstehe ich diese deutsche Welt nicht mehr. Der Wunsch nach Events zieht sich durch alle Bevölkerungsgruppe, jeder will bespaßt werden aber es soll möglichst niemanden belästigen.... Aber vielleicht sollten wir nichts mehr organisieren und uns in einer grauen, tristen Welt leben....

  9. 7.

    Als Anwohner Neuenhagens in der Niederheide muss ich sagen, dass der Schlagermarathon im Sommer mit dem gleich mäßigen Wummern wesentlich anstrengender war. Und der ging auch ganz schön lange.

  10. 6.

    @lotte und die Meinung aus Biesdorf....schimmert da eine kleine Neiddebatte durch....? Es steht Ihnen frei,nach Hoppegarten zu ziehen und sich dann vor Ort für derartige events im Naturschutzgebiet stark zu machen. Bis dahin schlage ich vor,Initiativen in Berlin oder Biesdorf in dieser Art zu unterstützen......

  11. 5.

    Hallo Chris,

    wir erreichen den Veranstalter dazu gerade nicht, informieren aber, sobald wir das wissen.

    Viele Grüße aus der Redaktion!

  12. 4.

    Sonntag nur bis 22 Uhr? Und wann spielen dann The XX, wenn diese laut Plan am Sonntag von 22 Uhr bis 23:15 Uhr spielen sollen? Gar nicht? Oder wird das Programm um eine Stunde vorverlegt?

  13. 2.

    Ich würde vorschlagen, die Rennbahn Hoppegarten in Gänze zu schließen und dort Wohnquartiere für Besserverdienende zu errichten.
    Vernichtet zwar Arbeitsplätze, aber dann kann sich der ungehindert der Mehltau der Schläfrigkeit über das ganze Dorf Hoppegarten ausbreiten.
    Natürlich geht das mit einer Verdrängung der Alteingesessenen einher.

  14. 1.

    Das engstirnigere Kleinbügertum hat gewonnen. Im Dorf Hoppegarten herrscht Totenstille. Der geistige Verfall kann ungehindert voran schreiten und die sich eingekauften Hoppegärtner können ihre teuren Immobilien in Totenstille genießen.
    Ich könnte nur noch kotzen. Links wählen, aber spießig wie ein AfDler.

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