Anna Netrebko und Bühnen- und Lebenspartner Yusif Eyazov am 31.08.2017 in der Berliner Waldbühne (Quelle: dpa/ Jörg Carstensen)
Audio: Inforadio, Barbara Wiegand | Bild: dpa/ Jörg Carstensen

Konzertkritik | Anna Netrebko in der Waldbühne - Schmelzend bis schmalzig

Man hört gerne zu, wenn Anna Netrebko in der Waldbühne singt. Sie überstrahlt alle ihre Begleiter auf der Bühne, ob Ungarisches Staatsopernorchester oder Ehemann Yusif Eyazov. Ein zauberhafter Abend - bis auf die Songs ihrer neuen Platte. Von Barbara Wiegand  

Die Prinzessin Turandot, die allen möglichen künftigen Prinzen Rätsel aufgibt. Die Sklavin Aida, die sich so sehr nach dem Radames sehnt. Die Lauretta, die ihrem Vater Gianni Schicchi von ihrem Rinuccio vorsingt: Die Liebe und immer wieder die Liebe wird in den großen Opernarien dieser Welt besungen. Und um die Liebe, immer wieder die Liebe, geht es auch in der Waldbühne mit Anna Netrebko - innig, kraftvoll, schmelzend - bis schmalzig.

Alle erblassen neben Netrebko

Von Aida, über Macbeth, bis hin zu Tosca und Turandot stehen die Hits vergangener Jahrhunderte auf dem Programm. Mal als Solistin mal im Duett mit ihrem Mann Yusif Eyvazov steht die Russin Netrebko auf der Bühne. Sie singt, aus tiefsten Tiefen kehlig, rund heraus wie bei Mac Beth, glockenklar bis in höchste Höhen als Turandot. Von sacht flirrend bis wuchtig. Von einer strahlenden Präsenz, die irgendwie alle anderen da unten auf der Bühne überstrahlt.

Den etwas blassen Bariton Noel Bouley, das in seiner gedehnten Gefälligkeit ziemlich seicht klingende Ungarische Staatsopernorchester und auch Ehemann Yusif Eyazov. Denn einmal mehr hat die Diva ihren Gatten mit in die Waldbühne gebracht, so wie letztens Erwin Schrott. Der aus Aserbeidschan stammende Tenor ist dem Ex aus Uruguay zwar stimmlich überlegen. Bei aller Kraft und Treffsicherheit in der Höhe klingt das aber auch schon mal gepreßt.

Man hört gerne zu - bis fast am Schluss

Trotzdem: Man hört gern zu, unterm bedeckten Himmel, durch den rot blinkend die Flugzeuge kreuzen, inmitten eines bunt gemischten Publikums, in der wie immer zauberhaften Waldbühne.

Man hört gern zu. Bis fast am Ende Netrebko und ihr Eyvazov drei Songs ihrer neuen Platte vorstellen. Igor Krutoy hat romantische Lieder für die beiden geschrieben – in einer undankbaren Mittellage, die, gegenüber den großen Opernarien vorher, lau klingt. Zur seichten Orchesteruntermalung ist das ein recht fader Ausklang dieses Konzertabends.

Sendung: Inforadio, 01.09.2017, 09:00 Uhr

Beitrag von Barbara Wiegand

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