Volksbühnen-Intendant Chris Dercon und Architekt Francis Kéré bei der Vorstellung des geplanten Satelliten-Theaters im Tempelhof-Hangar 5 (Quelle: rbb/Anika Hüttmann)
Video: rbb Aktuell | 04.09.2017 | Bild: rbb/Anika Hüttmann

Volksbühne im Tempelhof-Hangar - "Es ist kein Baumarkt-Projekt, es ist radikal einfach"

Noch stapeln sich unzählige Holzplatten im Hangar 5 des Flughafens Tempelhof. In wenigen Tagen soll hier das Satelliten-Theater der Berliner Volksbühne Premiere feiern. Intendant Chris Dercon und Architekt Francis Kéré gehen es "radikal einfach" an.

Schleifmaschinen, Stichsägen und eine Menge Holz liegen am Montag im Hangar 5 des stillgelegten Flughafens Tempelhof. Eine Tribüne ist bereits fertig, die aber ist nur "ein Teil der Torte", erklärt Volksbühnen-Intendant Chris Dercon bei der Vorstellung des geplanten Satelliten-Theaters. Am 14. September eröffnet das temopäre Satelliten-Theater mit einer Uraufführung des Tanzstücks "A Dancer's Day" des Choreographen Boris Charmatz.

Das Projekt der mobilen Bühne, die sowohl drinnen als auch draußen vor den Hangars positioniert werden kann, ist langfristig angelegt. Jedes Jahr im Herbst und vielleicht auch im Sommer soll die Bühne bespielt werden, wenn es nach Dercon geht. Aktuell fehlt dafür aber noch das Geld. "Wir hoffen auf eine Mitübernahme der Kosten durch die Stadt." Mit der gegenwärtigen Basisförderung der Volksbühne sei die Fertigstellung des kompletten Satelliten-Theaters im Moment finanziell nicht zu leisten, so der Intendant.

"Wir stehen auf einer Baustelle"

Erst am 19. Mai seien die derzeitigen Lottomittel für das Theater zugesichert worden. Seither liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Als "flexibel und radikal einfach" bezeichnet Dercon die Arbeit von Architekt Kérés. Es sei aber kein Baumarkt-Projekt. "Wir stehen auf einer Baustelle, aber es ist doch ein guter Beginn", ergänzte Francis Kéré. Seit mehr als 20 Jahren lebt der aus Burkina Faso stammende Architekt in Berlin. Zu Kérés bekanntesten Projekten gehört das Operndorf des 2010 gestorbenen Regisseurs Christoph Schlingensief in Burkina Faso.

Zur "A Dancer’s Day"-Premiere sollen 400 Zuschauer im Satelliten-Theater Platz finden. Choregraph Boris Charmatz eröffnet am 10. September, also vier Tage zuvor, mit dem zehnstündigen Tanzspektakel "Fous de Danse" auf dem Tempelhofer Feld auch offiziell die erste Spielzeit unter der Intendanz von Dercon.

40.000 Unterschriften für die Volksbühne

Dercon, der aus Belgien stammt, ist Nachfolger des langjährigen Volksbühnen-Intendanten Frank Castorf. "Wir können endlich anfangen", sagte Dercon mit Blick auf die immense Skepsis, die ihm seit seiner Berufung aus großen Teilen der Kulturszene entgegenschlägt.

Tribüne des Satelliten-Theaters im Tempelhof-Hangar 5 (Quelle: rbb/Anika Hüttmann)

Unterdessen bekommt Dercon weiter viel Gegenwind. Rund 40.000 Menschen haben sich bisher mit ihrer Unterschrift für einen Erhalt der Berliner Volksbühne als Repertoire- und Ensembletheater ausgesprochen. Die Initiatoren übergaben einen Zwischenstand der Petition am Montag an Kultursenator Klaus Lederer und den verantwortlichen Ausschuss im Abgeordnetenhaus. Der Stellenplan des neuen Theater-Intendanten Chris Dercon sehe vor, alle Regie- und Dramaturgiestellen abzubauen und das Ensemble zu halbieren, hieß es in einer Mitteilung. Auch der Spielplan zeige, dass Dercon das traditionsreiche, sozial engagierte Theater zu einem Gastspielhaus machen wolle. In der Petition wird von Lederer eine Stellungnahme gefordert.

Dercon weist Vorwürfe zurück

Dercon wies die in der Petition formulierten Vorwürfe zurück. "Bei allem Respekt gegenüber den Spiel- und Stellenplan-Recherchen der Petitionsgruppe - das entspricht nicht der Art und Weise, wie wir über Theater nachdenken. Und zeigt, dass hier nicht verstanden werden will", erklärte Dercon der Deutschen Presse-Agentur. "Wir wollen jetzt spielen. Und darüber ein Repertoire und ein Ensemble aufbauen. Wir lassen uns nicht irritieren."

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