Festivalbesucherinnen mit Fritz-Rucksack beim Fritz DeutschPoeten Festival im IFA Sommergarten in Berlin, 2. September 2017 (Quelle: imago / Martin Müller).
Audio: Studio Frankfurt | 05.09.2017 | Dirk Boeck | Bild: imago stock&people

Strengere Sicherheitsregeln bei Veranstaltungen - Nicht größer als ein Blatt Papier

Um Besucher vor Anschlägen zu schützen, haben Veranstalter von Großereignissen die Sicherheitsbestimmungen stark verschärft. Fast überall in Berlin darf das mitgebrachte Gepäck nur noch so groß sein wie ein DIN-A4-Blatt. Das haben viele noch nicht verinnerlicht.

Samstagabend in der Berliner Wuhlheide, Moderat spielen die letzte Show ihrer Welttournee - und etwa 17.000 Menschen wollen sich das Heimspiel des Elektro-Trios nicht entgehen lassen. Das Problem: Viele bekommen davon zunächst mal nichts mit. Als die ersten Klänge aus den Boxen wabern, warten Fans noch in endlosen Schlangen vor den Sicherheitskontrollen. "Unglaubliche Frechheit bei der Planung", schreibt ein verärgerter Besucher später auf Facebook, "tolle Show, aber die Organisation war miserabel" klagt eine andere. Hashtag: #Einlasschaos. Warten mussten vor allem diejenigen mit Gepäck - wer keinen Rucksack, keine große Tasche mitbrachte, war über die "Fast Lane" relativ schnell drin.

Dieses Taschenproblem gibt es inzwischen bei den meisten Großveranstaltungen: Überall in Deutschland sind die Sicherheitsvorkehrungen in den vergangenen Monaten verschärft worden, als Schutz vor Terroranschlägen - lesen kann man die Regeln bisher meist nur im Kleingedruckten, auf der eigenen Eintrittskarte oder im Netz. So war es auch bei Moderat. Der neue Standard, auf den sich die Veranstalter geeinigt haben: Es darf keine Tasche mehr mit rein, die größer als ein DIN-A4-Blatt ist. 21 mal 29,7 Zentimeter, um genau zu sein.

Fans beim ISTAF Leichtathletik-Meeting am 27.08.17 in Berlin(Quelle: imago / Simon Becker / Le Pictorium).
Auch im Berliner Olympiastadion können Besucher Taschen abgeben, die zu groß sind - allerdings gibt es nicht unbegrenzt Platz und länger dauert der Einlass damit in jedem Fall. | Bild: imago sportfotodienst

Ähnliche Probleme in der Waldbühne

Das ist inzwischen bei den meisten Großereignissen in Deutschland so, auch in Berlin und Brandenburg müssen sich Besucher fast ausnahmslos danach richten: ob bei Hertha-Heimspielen im Olympiastadion, in der Max-Schmeling-Halle oder kommendes Wochenende beim Lollapalooza-Festival in Hoppegarten.

Depeche Mode-Veranstalter Marek Lieberberg ließ bei der Show im vergangenen Juni im Olympiastadion extrem streng kontrollieren: Hier durften Handtaschen höchstens so groß, wie ein DIN-A5-Blatt sein - entsprechend lang waren die Wartezeiten vor den Metalldetektoren.

Ob es Probleme beim Einlass gibt, ist nicht selten noch Glückssache. Bei Moderat seien am Anfang kaum Leute und kurz vor Konzertbeginn dann extrem viele gekommen, schreiben die Veranstalter in ihrer Entschuldigung für die Wartezeiten. Es habe dann leider "unverhältnismäßig viele 'Gepäck-Abnahmen'" gegeben, weil die Taschen und Rucksäcke zu groß gewesen seien. Einfach durchwinken habe man die Gäste nun mal nicht können. In der übergeordneten Hausordnung auf der Homepage der Wuhlheide steht vom "DIN-A4"-Gebot allerdings nichts - sie ist vom März 2010.

Beim Konzert von Daniel Barenboims "West-Eastern Divan Orchestra" Mitte August in der Waldbühne gab es ähnlichen Ärger wie in Köpenick: Weil sie mit ihren größeren Taschen nicht reindurften, mussten viele Besucher lange an den Gepäckabgabestellen anstehen – einige gingen deshalb empört nach Hause. 

"Bei einem Helene-Fischer-Konzert knirscht es sicherlich noch"

Warum aber ist ausgerechnet DIN-A4 die Grenze? "Jeder hat so ein Blatt zuhause, jeder weiß, wie groß das in etwa ist. Außerdem ist die Größe beim Einlass leicht und schnell nachzumessen", sagt Moritz Hillebrand, Sprecher der Mercedes-Benz-Arena am Berliner Ostbahnhof, rbb|24. Dort gilt das Taschenverbot seit dem 1. September. In den vergangenen zwölf Monaten hatten es die Betreiber auf freiwilliger Basis versucht, Besucher wurden gebeten, ihre Taschen und Rucksäcke zuhause zu lassen - hat nicht so gut geklappt, sagt Hillebrand.

Deshalb nun also die einheitliche Regel, sie gilt für die Heimspiele von Alba Berlin und den Eisbären genauso wie für Konzerte - falls deren Veranstalter sie jeweils nicht nochmal verschärfen. "Am liebsten ist uns natürlich, wenn Besucher gar nichts mitbringen. Wir hoffen darauf, dass ihnen bewusst wird, dass es am Eingang für sie dann schneller und leichter voran geht." Bis alle das Taschenverbot verinnerlicht hätten, könne es zwischen einem und eineinhalb Jahren dauern, schätzt Hillebrand. 

Für diejenigen, die beispielsweise direkt von der Arbeit in die Arena kommen, gibt es Fächer, in denen sie ihr Gepäck aufbewahren lassen können - was die Wartezeit aber, wie auch beim Moderat-Konzert in der Wuhlheide, entscheidend verlängert. "Menschen, die mit einer Dauerkarte zu Sportereignissen gehen, werden das schneller drin haben als Besucher, die einmal im Jahr kommen. Bei einem Helene-Fischer-Konzert zum Beispiel knirscht es sicherlich noch."

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    Die Taschenregel ist legitim, will auch der Standbesitzer in den Hallen und Stadien seinen Schnitt mit überteuerten Produkten machen will.
    50, 60, 70, ja, über 100 Euro teure Eintrittskarten - da muss man auch bereit sein, für ein Wasser 4,50 und eunBier 6 Euro zu bezahlen.
    Die vorgegaukelte Sicherheit, die latente Verbreitung von Angst, dient dem Konsum und hat mit "wir lassen uns unser Leben nicht nehmen" nichts zu tun.

  2. 8.

    Das Sie ein Spaß u.Spielverderber obendrein sind zeigt welch Geistes Kind Sie doch sind.Blamieren Sie ruhig weiter mit Ihren flambierten Kommentaren.

  3. 7.

    Tut mir echt leid Mona was da passiert ist.Da ich zur älteren Generation gehöre muß ich bei solch Kommentaren an frühere Konzerte denken wie d.Deutschlandhalle u.a.Da ging man hin( ohne Rucksack u.dergleichen)zeigte sein Ticket vor und war drin. Innerhalb des Gebäudes gab es alles zu kaufen.Von Würstchen bis Bier.Wer zu Veranstaltungen geht sollte derartige Kosten miteinbeziehen.Klar wollen die Standbuden auch ihren Umsatz machen. Aber muß i.was Essen um 2-3 Std einem Konzert beizuwohnen? Sicherheitskontrollen sind heutzutage auch leider unerläßlich geworden.

  4. 6.

    Nächste, unbedingt erforderliche Sicherheitsmaßnahme, die das Mindestmaß an notwendigen Vorkehrungen zu unser aller Schutz darstellt: Alle Besucher müssen zuhause bleiben. Aber natürlich rund um die Uhr videoüberwacht. Und bitte trotzdem zahlen.

    Wichtig aber: Wir lassen uns von den Terroristen unsere Lebensweise nicht zerstören! Der Terror darf nicht gewinnen!

  5. 5.

    Eine fast line war beim Moderatkonzert nicht zu entdecken.
    Und dann haben die massenweise nur Männer durchgelassen - ich musste dann nach dem Securitycheck 40 (!) Minuten warten, bis meine Freundin auch durchgelassen wurde (die im Übrigen keine Tasche dabei hatte).

  6. 4.

    Und ne Fast Lane gab es nicht.
    Wir hatten sogar beim VIP Einlass gefragt, ob die wissen weshalb es beim Haupteinlass nicht vorwärts geht und ob es ne schnellere Möglichkeit gibt reinzukommen. Wurde verneint.

  7. 3.

    Die Taschenregelung ist nachvollziehbar. Besser wäre es würde deutlich darauf hingewiesen.

    In der Wuhlheide zum Moderatkonzert ist das jedoch nur vorgeschoben als Begründung für die Einlassprobleme. Denn Ursache für die lange Wartezeit war etwas anderes: wir warteten 60Min. in der Masse vorm Einlass bevor wir endlich auf dem Konzertgelände waren. Von dem 60 Min. standen wir 30 Min. direkt vor den Ordnern am Einlass. Dort kam es in den 30 Min. kein einziges Mal zu Verzögerungen aufgrund zu großer Taschen. Stattdessen wurden gezielt Männer angesprochen und durchgewunken. Immer so ca. 40 Männer, bevor dann mal zwei Frauen durch durften. Die Einlassorganisation war unterirdisch. Vermutlich gab es zu wenige weibliche Security zum Durchchecken bevor man zum Konzert gelassen wurde. Darauf muss man doch vorbereitet sein! Es gehen schließlich nicht nur Kerle zu nem Moderatkonzert! 30 Minuten durften wir uns das ansehen, direkt vorm Einlassordner stehend.

  8. 2.

    Aus Angst vor Anschlägen? Ich lach mich tot. Wenn jemand einen Anschlag begehen will, wird ihn das auch nicht aufhalten.
    Für mich ist das einzig und allein Taktik der Veranstalter, die Besucher zu zwingen, möglichst ganz ohne "Gepäck" zu Veranstaltungen zu kommen. Denn wer kein Gepäck dabei hat, kann auch nichts zu Essen und zu Trinken mitbringen. Und so kann man den Umsatz der völlig und unverschämt überteuerten Vor-Ort-Anbieter sichern und steigern.
    Kultur bei Veranstaltungen in Berlin/Deutschland genießen? Nur hungrig und durstig oder halt zu den unverschämten Gängelkonditionen der "Versorgungskartelle".

  9. 1.

    Da redet sich der Veranstalter aber fein raus. Was heißt hier "kurz vor Beginn"? 90 Minuten etwa? Wer Großveranstaltungen organisiert sollte wissen, dass nicht alle Zuschauer zu einem errechneten Zeitpunkt kommen. Auch wenn 17.000 Zuschauern pünktlich um 17 Uhr da gewesen wären, hätte es den selben Stau gegeben. Wir haben am Ende über 2,5 Stunden auf den Einlass gewartet, von einer "Fastlane" hat von den Ordnungskräften keiner was gesagt. Und wer hätte im Fall einer Eskalation für die Sicherheit der Wartenden garantiert? Übrigens: die Kontrollen sind dann letztendlich so lasch, dass jeder, der Waffen oder Pyros mit rein schmuggeln möchte, das auch schafft.

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