Anne Teresa De Keersmaeker tanzt im Rahmen des "Fous de Danse" der Berliner Volksbühne auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. (Quelle: rbb/Fabian Wallmeier)
Video: Abendschau | 10.09.2017 | Petra Gute | Bild: rbb/Fabian Wallmeier

Neustart für Berliner Volksbühne - in Tempelhof - Dercon lässt zehn Stunden lang tanzen

Ballett-Profis, Breakdancer oder Ottonormal-Berliner - sie alle kamen zum Zuge bei der zehnstündigen Tanzperformance, mit der Chris Dercon am Sonntag seine Intendanz an der Volksbühne begonnen hat. Allerdings nicht im Theaterhaus, sondern auf dem Ex-Flughafen Tempelhof.

Mit dem zehnstündigen Openair-Spektakel "Fous de danse - Verrückt nach Tanz" hat der Belgier Chris Dercon am Sonntag seine Intendanz an der Berliner Volksbühne begonnen. Schauplatz war allerdings nicht das Stammhaus des Theaters am Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte, sondern der stillgelegte Flughafen Berlin-Tempelhof.

Dort traten bis zum Abend mehr als 200 Tänzer auf, die auch das Publikum zum Mitmachen animierten. Die Nonstop-Performance wurde von dem französischen Choreographen Boris Charmatz geleitet. Mehr als 15.000 Menschen kamen nach Angaben der Volksbühne zur Eröffnungsperformance.

"Gemeinschaft zelebrieren"

Beim "Verrückt nach Tanz"-Programm ging es zum Auftakt der Spielzeit erst einmal mit einem "Public Warm-Up" los - Aufwärmübungen, die Charmatz gemeinsam mit dem Publikum absolvierte. So viele Tänzer würden mitmachen, aber auch Leute, die nie zuvor getanzt hätten, freute sich Charmatz.

Neben dem Choreographen gestalteten Tänzer wie Frank Willens, Anne Teresa De Keersmaeker und Brit Rodemund die Performance. Bei einer über das ehemalige Flugfeld führenden Soul Train Line war auch das Improvisationstalent des Publikums gefragt. Auf dem Programm standen etwa türkische Tänze, Break Dance, Hip-Hop und Ballett in Turnschuhen. Daneben waren auch viele hochkarätige Modern-Dance-Performances zu sehen. Zum Abschluss tanzten Charmatz und De Keersmaeker gemeinsam zu Klängen von Johann Sebastian Bach. 

"Wir wollen Gemeinschaft zelebrieren, auch wenn wir nicht immer miteinander einverstanden sind", sagte Dercon zu seiner Premieren-Veranstaltung. 

"Und hier sind wir"

Dercon und seine Programmdirektorin Marietta Piekenbrock waren in den vergangenen Monaten massiven Anfeindungen und teils unsachlicher Kritik ausgesetzt. Jetzt sind die neuen Volksbühnen-Macher froh, dass es endlich losgeht. "Wir hatten unseren Plan. Wir haben unsere Vision. Und hier sind wir", sagte Piekenbrock am Donnerstag.

Dercon ist Nachfolger von Frank Castorf, der die Volksbühne 25 Jahre lang leitete. Dessen Anhänger wollen nicht aufgeben. Mehr als 40.000 Menschen haben inzwischen eine Petition für den Erhalt der Volksbühne als Repertoire- und Ensembletheater unterschrieben. Dercon kontert: "Wir lassen uns nicht irritieren."

Nächste Premieren auch in Tempelhof

Auch die nächsten Volksbühnen-Premieren sollen auf dem Ex-Flughafen Tempelhof stattfinden. Zwei stehen unter der Leitung von Boris Charmatz: Bei "A Dancer's Day" am 14. September sollen 400 Zuschauer im temporären Satelitentheater im Hangar 5 Platz finden. Anfang der Woche wurde noch intensiv daran gebaut. Am 21. September tanzen Charmatz und sein Ensemble vom Musée de la danse dann erstmals die Openair-Performance "Danse de nuit". 

Die erste Sprechtheater-Premiere ist für den 30. September ebenfalls im Hangar 5 geplant. Die Syrer Mohammad al Attar und Omar Abusaada inszenieren "Iphigenie" nach Euripides mit Flüchtlingsfrauen.

Das temporäre Satellitentheater auf dem früheren Flughafen Tempelhof ist langfristig angelegt. Jedes Jahr im Herbst und vielleicht auch im Sommer soll die Bühne bespielt werden, wenn es nach Dercon geht. Aktuell fehlt dafür aber noch das Geld. "Wir hoffen auf eine Mitübernahme der Kosten durch die Stadt." Mit der gegenwärtigen Basisförderung der Volksbühne sei die Fertigstellung im Moment finanziell nicht zu leisten, so der Intendant.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

2 Kommentare

  1. 2.

    Wofür hat Chrissi mit dem,grossen C, der Leumund, zwei Millionen Euro in der Vorbereitung auf die komplette Zerstörung der Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz ausgegeben? Zwei Millionen??
    Bezahlt von unseren Steuergeldern!
    Für dieses provinzielle Tourneetheaterkonzept, das in seiner Banalität, wie heute während dieser Eröffnung der neuen " Volksbühne" auf dem Tempelhofer Flugfeld zu besichtigen war, durch nichts mehr zu übertreffen ist.
    Aber auch das hohe Mass an Frechheit, uns 12000 Zuschauer herbeizulügen ist nicht mehr zu überbieten, waren doch fast alle Zuschauer ausschliesslich zum Tag des offenen Denkmals nach Tempelhof gereist, davon viele Touristen, die nur zu diesem Tag einmalig nach Berlin kamen...
    Um EINE Schülerinnen Theater Aufführung und ein Concert zu organisieren?
    Und um zu Charmatzen? EINE Inszenierung probiert gerade...
    Und die Gagen dieser Menschen mussten davon nicht bezahlt werden, denn die werden ja jetzt aus dem Budget der ersten Spielzeit bezahlt!!!!

  2. 1.

    "Wir hoffen auf eine Mitübernahme der Kosten durch die Stadt."
    ... Und diese Kostenübernahme wird dann zu Lasten der kleineren Theater, vor allem der Kinder- und Jugendtheater gehen, die schon jetzt nicht ausreichend gefördert um ihre Existenz bangen. Hauptsache, Dercon kann sich austoben

Das könnte Sie auch interessieren