Zwei Polizisten begleiten einen Aktivisten vom Gelände der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. (Quelle: dpa/Maurizio Gambarini)
Video: Abendschau | 28.09.2017 | C. Titze / K. Breinig | Bild: dpa/Maurizio Gambarini

Räumung verläuft insgesamt friedlich - Polizei trägt die letzten Besetzer aus der Volksbühne

Alle "Staub zu Glitzer"-Aktivisten haben die Volksbühne verlassen. Nachdem Intendant Chris Dercon die verbliebenen Besetzer wegen Hausfriedensbruch angezeigt hatte, trug die Polizei die letzten aus dem Haus. Vor dem Haus gehen die Aktionen allerdings weiter.

Nach sechs Tagen hat die Polizei die Besetzung der Berliner Volksbühne beendet. Beamte nahmen am Freitagnachmittag die Personalien von den noch verbliebenen rund 20 Besetzern auf und begleiteten sie vor das Theater. Fünf Menschen wurden nach Angaben der Polizei hinausgetragen.

Bis zum Schluss sei alles versucht worden, um diese Situation nicht eintreten zu lassen, so Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Donnerstagabend im rbb. "Aus jeder Perspektive ist eine Räumung immer die letzte und denkbar schlechteste Option."

Intendant Chris Dercon hatte zuvor die restlichen Besetzer wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Bei allen, die freiwillig gegangen seien, werde auf eine Strafverfolgung verzichtet, wiederholte  Lederer am Abend in der rbb-Abendschau. Das Haus werde nun gesichert, so der Kultursenator weiter, um den Probenbetrieb zu gewährleisten. Details nannte er nicht.

Besetzer der Volksbühne verlassen das Gebäude (Quelle: rbb/Fabian Wallmeier)
Besetzer der Volksbühne verlassen das Theater. | Bild: rbb/Fabian Wallmeier

Intendant Dercon in Begleitung der Polizei

Am Donnerstagmorgen hatten Polizisten Dercon in die Volksbühne begleitet. Dieser sprach mit den Aktivisten und forderte sie auf, das Haus freiwillig zu verlassen. Zunächst hieß es seitens der Polizei, die rund 60 Besetzer seien zum Auszug bereit. Später weigerte sich ein Teil der Besetzer aber offenbar doch, das Gebäude zu verlassen.

Vor dem Theater versammelten sich rund 100 Aktivisten und Unterstützer, um gegen eine Räumung zu protestieren.

Insgesamt sei die Stimmung "aggressionsfrei und von künstlerischer Geisteshaltung geprägt gewesen", so Polizeisprecher Winfrid Wenzel nach der Räumung im rbb.

Von Tanzperformance bis Gentrifizierungsdebatte

Die Volksbühne war seit Freitag von einem Kollektiv unter dem Titel "Staub zu Glitzer" besetzt. Die Aktivisten organisierten ein Programm von Kinderschminken über Tanzperformances bis zu Marxismus- und Gentrifizierungsdebatten.  

Nach eigenen Angaben wollten sie mit ihrer "transmedialen Theaterinszenierung ein Zeichen setzen gegen die aktuelle Kultur- und  Stadtentwicklungspolitik" setzen. Sowohl Kultursenator Lederer als auch Intendant Dercon führten Gespräche mit den Besetzern.

Debatte über Dercons Angebot

Am Mittwoch hatten diese bei einer Versammlung über den Kompromissvorschlag gesprochen, dauerhaft den Grünen Salon des Theaters und einen weiteren Raum nutzen zu können. Damit wollte der Intendant den Hauptsaal wieder für den Probenbetrieb freibekommen, der seit Montag nicht möglich war.

"Die Gruppe hat dies nicht angenommen", erklärte Kultursenator Lederer am Donnerstag in einer Pressemitteilung.  "Ich bedaure sehr, dass es nicht gelungen ist, in der Volksbühne künstlerische Arbeit und stadtpolitische Debatten in einem geregelten Rahmen gleichermaßen zu ermöglichen." Bei der Volksbühne handele es sich aber um eine öffentliche Einrichtung, die der gesamten Stadt gehört. Der Probenbetrieb müsse wieder aufgenommen werden können, um die Spielzeiteröffnung nicht zu gefährden.

Ab Freitag werde der Probenbetrieb wieder aufgenommen, erklärte Intendant Dercon. Er betonte, dass seit Beginn der Besetzung am Freitag mit immer wieder wechselnden Vertretern der Besetzergruppe verhandelt worden sei. "Wir konnten keinen gemeinsamen Weg finden."

Auch die Angestellten des Theaters hatten sich am Mittwoch mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die Besetzung beendet wird.

Polizei an der Volksbühne am 28.9.17 (Bild: Maurizio Gambarini/dpa)
Polizisten am Donnerstag vor der Volksbühne | Bild: Maurizio Gambarini/dpa

Besetzer wollen weiter über Angebot des Grünen Salons diskutieren

Nach der Räumung am Donnerstagabend erklärten die Aktivisten in einer über Twitter verbreiteten Mitteilung, dass die "kollektive Indendanz der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz aus ihrem Haus vertrieben" worden sei. Darin fordert das Kollektiv außerdem, seine Aktionen inklusive Performances und Proben auf dem Rosa-Luxemburg-Platz vor dem Theater fortsetzen zu können. Hierfür hätten sie eine reguläre Veranstaltung angemeldet.

Nach einer Vollversammlung am Abend kündigten sie außerdem an, die Debatte über das Angebot, den Grünen Salon und den Pavillon zu nutzen, weiterführen zu wollen. Ihnen sei keine Frist für eine Abstimmung darüber gesetzt worden. Für Freitag forderten sie öffentliche Gespräche mit dem Kultursenat, Chris Dercon und der Mitarbeiterschaft und kündigten weitere Veranstaltungen auf dem Platz vor dem Theater an.

CDU: Lederer trägt Mitschuld an der Besetzung

Die Räumung war am Donnerstag auch Thema im Abgeordnetenhaus. Die Kulturexpertin der Grünen, Sabine Bangert, wertet es als Erfolg, dass ein Großteil der Besetzer das Gebäude friedlich verlassen habe. Frank Jahnke, SPD, bekundete Respekt vor der Entscheidung des Kultursenators Klaus Lederer, besonnen zu bleiben und zunächst eine deeskalierende Linie einzuschlagen.

Aus Sicht des CDU-Abgeordneten Robbin Juhnke trägt Lederer allerdings eine Mitschuld an der Besetzung, denn er habe den neuen Intendanten der Volksbühne zunächst öffentlich kritisiert und seinen Vertrag in Frage gestellt. Man müsse Dercon aber erst mal seine Arbeit machen lassen.

Die AfD fordert, die Volksbühne jetzt wieder handlungsfähig zu machen. Die FDP will ebenfalls, dass Dercon endlich arbeiten könne.

Lederer weist Vorwürfe zurück

Lederer wies im rbb die Vorwürfe einer Mitverantwortung für die Besetzung zurück. Er habe sofort erklärt, was er von der Besetzung halte. Zudem habe er nur Kritik geäußert. Die Besetzer hätten sich dagegen angemaßt, kulturelle Räume zu besetzen, um ihre Positionen durchzusetzen. Dies lehne er explizit ab, so Lederer in der rbb-Abendschau.


Mit Informationen von Kirsten Buchmann

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21 Kommentare

  1. 21.

    Das würd ich nicht sagen.. auch wenn es die wenigsten Besucher so direkt nennen würden, kommen sie natürlich nur(!)weil es Feuerwehr, polizei und Sanitäter gibt.. eine der häufigsten Fragen vor Anreise war nach Mauerfall „is it safe to ...“
    Wer hat denn bitte Lust auf Theater, wenn er nicht sicher ist, danach gesund nach Hause zu kommen?

    Künstler aus Krisengebieten leben selten noch da.. warum wohl?

  2. 20.

    "...eine seltsam anmutende Besetzung". In der Tat, wäre gern mal Mäuschen bei den "Diskussionen" gewesen.
    Draußen In die Jahre gekommene Berufs-Besetzer, eitle Hipster von himmelschreiender Einfalt und zermürbte Alt-Linke.
    Keiner brachte einen vollständigen Gedanken zuende. Man konnte schon Mitleid haben mit diesem verirrten Häuflein, das seine KUSCHEL-KITA räumen musste.
    Einziger Lichtblick: LEDERER. Respekt!

  3. 18.

    An lolo

    Die Touristen kommen nicht wegen der Feuerwehr und der Polizei, aber wir sorgen dafür das es Sicherheit gibt und Gefahren abgewehrt werden. Und das dürfen wir mit Einsatzmitteln die uralt sind oder in miserablen Zustand und als Highlight ist unsere Besoldung das letzte.
    Aber Kultur wird gefordert und ist immer das schöne.
    Aber wer war auf dem Dach des Europa Centers als es brannte, auf dem breitscheidplatz, beim Starkregen tagelang unterwegs ?
    Keine subventionierte Kultur, welche durch die Politik hofiert wird.

  4. 17.

    Lieber rbb, das ist nicht euer Ernst, dass man sich das Video nur mit Flash ansehen kann, oder?

  5. 16.

    Ich finde, dass Klaus Lederer dieser Situation besonnen und angemessen begegnet ist. Dass sie dadurch ohne echte Gewalt und daraus entstehende Gegengewalt gelöst wurde, ist unter anderem sein Verdienst.

    Wenn sofort und mit Gewalt geräumt worden wäre, hätten wir jetzt wieder wochenlange Unruhen in der Stadt. Mir gefällt die nun erfolgte Vorgehensweise wesentlich besser - auch da vorher erst mal versucht wurde, miteinander zu reden.

    Auch Chris Dercon hätte sich durchaus arschiger verhalten können, das sollte man ebenfalls mal wahrnehmen.

    Gilt das Angebot für den Grünen Salon und den Pavillon überhaupt noch? Ich dachte, das wäre nach einem nicht freiwilligen Verlassen der Volxbühne hinfällig.
    Da hätte ich definitv lieber den Spatz in der Hand genommen als die Taube auf dem Dach. Das war meiner Meinung nach ein großes und nicht selbstverständliches Angebot, mit dem man erst mal hätte arbeiten können.

  6. 15.

    Ich musste mehrfach so bitter lachen, bei Ihrem Kommentar oder schon bei ähnlichen zuvor: Was gibt es nicht ständig für Nazis und AfD'ler, die sich friedlich für Kultur und gentrifizierungskritische Diskurse sozial betätigen? Achja: gar keine!

    Jede Form von kritischem Protest, der kein menschenverachtendes Hetzen oder von Sozialneid erfülltes Selbstbemitleiden ist, wird von Rechten kriminalisiert und gehöre verfolgt und abgestraft. Nach Recht und Ordnung schreien meistens diejenigen am lautesten, die am weitesten vom Rechtsstaatsprinzip entfernt sind...

    Am Beispiel Lederers sehen auch mal die Rechten, wie deeskalierender Dialog funktionieren kann. Und auch Dercon hat nicht sofort die Hausfriedensbruch-Karte gezückt. Wie sollte denn eine Gesellschaft aussehen, in der niemand miteinander redet, auch gerade in Konfliktsituation und Krisen?

    Die Besetzer*innen haben ihren Protest wirkungsvoll äußern können und für eine Zäsur im teils industriell anmutenden Kulturbetrieb gesorgt.

  7. 14.

    Frau Brieselang, wir leben in einem Rechtsstaat. Die Justiz und die Polizei hat nicht die Aufgabe Ihre persönlichen Bestrafungsgelüste und das was Sie für politische Hygiene halten per Dekret durchzusetzen. Soweit ich weiss hat der Intendant das Hausrecht. Weshalb juristisch gesehen erst eine Straftat im Raume steht, nachdem er Strafantrag gestellt hat. Warum er das nicht sofort wollte, besprechen Sie besser mit ihm und nicht mit dem Senat. Der ist zwar letztlich Treuhänder des öffentlichen Eigentums, hat also auch was zu sagen, täte er dies aber gegen den Willen der Intendanz, der Beschäftigten - und wie wir ja wissen - gegen den fachlichen Rat der eingesetzten Polizisten, so wäre festzustellen: Der rote Senat regiert die Volksbühne und bestimmt das Programm. Mag Sie ärgern, aber so war es: Bis zum Strafantrag waren die Besetzer juristisch gesehen die Gäste des Intendanten. Theater, Kunst und Kultur ist kein Kasernenhof. Und Berlin swingt nicht zum Takt einer Militärkapelle.

  8. 12.

    Ich befürchte, dass ein Großteil der Kommentatoren hier die Volksbühne nicht einmal von innen gesehen hat.

    Allerdings kann man hier schön über Politiker und Parteien herziehen, ohne sich mit der Sache an sich befassen zumüssen. Früher einmal war Deutschland das Land der Dichter und Denker - wenn man hier mitliest, bekommt man den Eindruck, dass jetzt nur noch der Pöbler und Polemiker das Wort ergreifen.

    Fremdschämen muss man sich hier...

  9. 11.

    Die meisten Kommentare sind der größte AFD - Quatsch dem ich seit den Wahlen gelesen habe.

  10. 10.

    Mir ist unverständlich geblieben, was die sog. "Aktivisten" eigentlich wollten. Allerdings scheint mir der Einsatz von Gewalt (Besetzung) ein nicht legitimes Mittel. Sie hätten jederzeit an einem anderen Ort, Partys feiern und andere Aktivitäten anbieten können. Dann hätten sie mit friedlichen Mitteln auf ihr politisches Engagement hinweisen können. Das bringt aber nicht genug kostenlose Presse?
    Es ist wie so häufig, hier soll die Sichtweise von einigen, die sich selbst sehr hipp vorkommen anderen Menschen aufgezwungen werden. Hat man die Künstler, deren Proben ausfielen, gefragt? Die Gäste, die in die Volksbühne wollten? Die Steuerzahler, die den Einsatz bezahlen sollen? Nein - das sind halt Kollateralschäden, die dummen Schafe, die man nicht berücksichtigen muss. Diese Methoden sind IMMER falsch - egal wer sie anwendet, rechts oder links.
    Weder Künstler noch sonstige Gruppen haben einen Sonderstatus

  11. 9.

    Wiso nennt man solche Gesetzesbrecher eigentlich immer bewusst verharmlosend "Aktivisten"? Häte so etwas eine Gruppe AFD ler gemacht, währe das Geschrei Landesweit zu hören gewesen.

  12. 8.

    Kultur rettet kein Leben und sichert nicht die Stadt. Also die Subventionen für diese „kulturelle“ Einrichtung streichen und der Berliner Feuerwehr und Polizei Berlin zur Verfügung stellen.
    Diese Politik ist beschämend für uns (dir ihre Gesundheit für das Land Berlin einsetzen).

  13. 6.

    ein unglaublicher Vorgang, die Aktivisten und Co. werden hoffentlich zur Verantwortung gezogen undbestraft

  14. 5.

    Ein Teil dieser Kriminellen, beim RBB liebevoll Aktivisten genannt, haben die gesetzeswidrige Besetzung fremden Eigentums beendet. Grund: Vermutlich müssen sie auch mal ihre Hartz 4 Stütze abholen, den berufstätig scheinen solche Personen ja wohl nicht zu sein.
    Was hätte denn Herr Lederer unternommen, wenn diese illegale Handlung von einer rechten Gruppierung ausgegangen wäre, Einsatz der Bundeswehr?
    Dieser Senat ist nur noch zum Erbrechen.

  15. 4.

    Ich danke Kultursenator Lederer für den wirklich professionellen und politisch umsichtigen Umgang mit einem Teil des - wie es Alexander Gauland wohl ausdrücken würde - gärigen Haufens der Berliner Kunstszene. Mit ihr setzt Berlin jedes Jahr Millionen um. Er hat sich von Anfang an deutlich gegen die Aktion der Besetzer positioniert. Er hat sich im Einvernehmen mit Intendanz und Beschäftigten der Volksbühne und im Einvernehmen mit den beauftragten Polizeikräften für einen Weg entschieden, der sich in jeder Hinsicht und bis jetzt als vollkommen angemessen und richtig herausgestellt hat.
    Weshalb Sie hier gleichsam den Einmarsch einer Kompanie Bundeswehrsoldaten fordern scheint klar. Ihnen geht es nicht um sachliche Betrachtung eines konkreten Konflikts. Sie wollen ein Land, eine Gesellschaft, eine Politik in dem Konflikte mit Gewalt "gelöst" werden. Ihnen sind Gespräche, Kompromisse, Ausgleich, bis hin zu den demokratischen und juristischen Institutionen eine Zumutung.

  16. 3.

    Diese rot/rot/grüne Landesregierung ist an Peinlichkeiten kaum zu übertreffen. Berlin ist einfach nur noch die Hauptstadt für Spinner aus ganz Deutschland und unsere Landesregierung schaut zu oder weg. Man hätte hier sofort eingreifen müssen. Zum Fremdschämen

  17. 2.

    Nahles und Schulz sind mir bekannt, aber wer ist Leisting? Und vor welchen Kommunisten fürchten Sie sich?

    Ich freue mich, Ihnen hiermit mitteilen zu können, dass seit März 1990 ein direkter Zugang von Glienicke/Nordbahn nach West-Berlin wieder möglich ist.

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