Der Tänzer und Choreograf Boris Charmatz (3.v.l) bei einem Workshop zu seiner Choreographie Levée als Teil von "Fous de danse", (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Bild: dpa-Zentralbild

Berliner Volksbühne in Tempelhof - Zehnstündiges Tanz-Spektakel auf Ex-Flughafen

Türkische Tänze, Break Dance, Ballett in Turnschuhen: Mit einem epischen Tanzspektakel beginnt am Sonntag die erste Volksbühnen-Saison unter dem umstrittenen Intendanten Chris Dercon. Der Eintritt ist frei und das Publikum kann mitmachen.  

Mehr als 200 Künstler gestalten am Sonntag die erste Volksbühnen-Premiere unter der Intendanz von Chris Dercon. Mit dem zehnstündigen Tanzspektakel "Fous de danse - Verrückt nach Tanz" auf dem Flugvorfeld des stillgelegten Flughafens Berlin-Tempelhof startet das Volksbühnen-Team in seine erste Saison. Bei dem Tanzprojekt von 12 bis 22 Uhr ist auch das Publikum aufgefordert mitzutanzen, der Eintritt ist frei.   

Es sei nicht abzuschätzen, wie viele Menschen kommen werden, meinte der französische Tänzer und Choreograph Boris Charmatz, der die Nonstop-Performance leitet. "1.000 ist das Minimum. 10.000 ist nicht das Maximum", so Charmatz.

An "Fous de danse" sind rund 200 Künstler beteiligt. Neben Choreograph Charmatz sind das Tänzer wie Frank Willens, Anne Teresa De Keersmaeker und Brit Rodemund. Die Bandbreite bei den Tänzen reicht von türkischen Tänzen über Break Dance und Hip-Hop bis hin zu Ballett in Turnschuhen.

Froh, dass es losgeht

Dercon und seine Programmdirektorin Marietta Piekenbrock waren in den vergangenen Monaten massiven Anfeindungen und teils unsachlicher Kritik ausgesetzt. Jetzt sind die neuen Volksbühnen-Macher froh, dass es endlich losgeht. "Wir hatten unseren Plan. Wir haben unsere Vision. Und hier sind wir", sagte Piekenbrock am Donnerstag.

Dercon ist Nachfolger von Frank Castorf, der die Volksbühne 25 Jahre lang leitete. Dessen Anhänger wollen nicht aufgaben. Mehr als 40.000 Menschen haben inzwischen eine Petition für den Erhalt der Volksbühne als Repertoire- und Ensembletheater unterschrieben. Dercon kontert: "Wir lassen uns nicht irritieren."

Nächste Premieren auch in Tempelhof

Auch die nächsten Volksbühnen-Premieren sollen auf dem Ex-Flughafen Tempelhof stattfinden. Zwei stehen unter der Leitung von Boris Charmatz: Bei "A Dancer's Day" am 14. September sollen 400 Zuschauer im temporären Satelitentheater im Hangar 5 Platz finden. Anfang der Woche wurde noch intensiv daran gebaut.

Am 21. September tanzen Charmatz und sein Ensemble vom Musée de la danse dann erstmals die Openair-Performance "Danse de nuit". 

Die erste Sprechtheater-Premiere ist für den 30. September ebenfalls im Hangar 5 geplant. Die Syrer Mohammad al Attar und Omar Abusaada inszenieren "Iphigenie" nach Euripides mit Flüchtlingsfrauen.

Das temporäre Satellitentheater auf dem früheren Flughafen Tempelhof ist langfristig angelegt. Jedes Jahr im Herbst und vielleicht auch im Sommer soll die Bühne bespielt werden, wenn es nach Dercon geht. Aktuell fehlt dafür aber noch das Geld. "Wir hoffen auf eine Mitübernahme der Kosten durch die Stadt." Mit der gegenwärtigen Basisförderung der Volksbühne sei die Fertigstellung im Moment finanziell nicht zu leisten, so der Intendant.

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