Von Wegen Lisbeth bei einem Konzert auf der Bühne (Quelle: imago/FuturexImage)
Audio: Inforadio | 27.09.2017 | Hendrik Schröder | Bild: xM.xPatzigx/xFuturexImage

Konzertkritik | Von wegen Lisbeth im SO36 Berlin - Musik, die den Arm um einen legt

Die Popband "Von wegen Lisbeth" aus Berlin bricht derzeit Rekorde, die ehemaligen Steglitzer Schüler sind jetzt Popstars. Am Dienstagabend spielten sie im SO36 den Auftakt ihrer aktuellen Tour - und ihr Konzert war natürlich ausverkauft. Von Hendrik Schröder

"Lisbeth, Lisbeth, Lisbeth" donnert es aus 1.000 Kehlen durch das tropfend heiße SO36, als das Licht ausgeht und die Band auf die Bühne kommt. Besser gesagt: Versucht, auf die Bühne zu kommen. Denn die ist derart vollgestellt mit Grünpflanzen-Deko und drei riesigen leuchtenden Buchstaben, VWL für Von Wegen Lisbeth, dass die Musiker sich lachend verrenken und quetschen müssen, um zu ihren Instrumenten zu kommen. Klappt dann aber.

Auffallend freundliche und höfliche Atmosphäre

Erst denkt man, der Gesang des Frontmanns Matthias Rohde ist zu leise, aber dann fällt auf: Nee, das Publikum singt einfach derart laut jede Silbe mit, dass es zusammen lauter ist als die Anlage. Fast alle im Laden sind unter 30, deutlich mehr Frauen als Männer. Ein höfliches, freundliches Publikum, niemand rempelt, niemand drängelt, obwohl es brechend voll ist. Würde jemand im Gedränge höflich fragen: Ist hier noch frei? Es würde nicht verwundern.

Fragt dann aber keiner. Alle sind nett angezogen, halten sich an das Rauchverbot und keiner ist ausfallend betrunken. Genau so gesittet ist die Band. In schlichten T-Shirts und Hemden, mit Egal-Frisuren. Der Sänger Rohde kratzt sich verlegen am Kopf bei den vielen und langen Ansagen und grinst dabei verschmitzt, selbstironisch, warmherzig. Ein Mal sagt er wirklich "Scheiß-AfD", der Rest der Ansagen kommt ohne Kraftausdrücke aus. "Wir spielen so gerne in Berlin, dann können wir mit der U-Bahn zum Konzert fahren", sagt er. Gelächter. Er meinte das aber - glaube ich - ernst.

Musik, die sich nach Zuhause anfühlt

Begnadete Live-Musiker sind Von Wegen Lisbeth nicht, aber es swingt und groovt und reißt die Leute ansatzlos mit. Musik wie ein Freund ist das. Musik, die den Arm um einen legt und einen überredet, doch noch mit zur Party zu kommen. Musik, die sich nach Zuhause anfühlt, ohne anbiedernd zu sein, bei der man alles sein darf. Traurig, überschwänglich,  jung, frech, am Boden, auf der Tanzfläche. Aber ohne Allüren, aber auch ohne Plattitüden.

Am Ende stehen Von wegen Lisbeth da, Arm in Arm, alle fünf, nass geschwitzt, so viele Konzerte haben sie in den vergangenen zwei Jahren gespielt. Und immer noch grinsen sie derart glücklich, als könnten sie nicht fassen, was aus ihrer kleinen Band geworden ist. Ihr Name bedeutet nichts, und, so sagen sie in Interviews, er sollte auch mit Absicht nichts bedeuten. Vergebens. Denn spätestens wenn die Leute wieder "Lisbeth, Lisbeth" rufen hat er Bedeutung bekommen. Für die jungen Fans, für die Von wegen Lisbeth gerade den Soundtrack ihres Lebens schreiben.

Beitrag von Hendrik Schröder

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