Dieter Meier und Musiker beim ersten Live-Konzert von Yello im Kraftwerk Berlin (Quelle: imago/Martin Müller)
Audio: Inforadio | 01.09.2017 | Susanne Bruha | Bild: imago/Martin Müller

Konzertkritik | Yello im IFA-Sommergarten - Cool und schrullig zugleich

Yello haben Gefallen gefunden an Live-Konzerten. 2016 erst haben die Schweizer - sonst als reine Studioband bekannt - vier ausverkaufte Konzerte im Berliner Kraftwerk gespielt. Nun kamen sie zurück nach Berlin. Von Susanne Bruha

 

Es ist der Abend, der in die Jahre gekommenen elektronischen Musik. Dafür ist ein ebenfalls in die Jahre gekommenes, aber urban-waches Publikum in den IFA-Sommergarten gekommen. Als Vorband spielt 2Raumwohnung.

Inga Humpe (61) und Tommi Eckart (56) spielen Stücke aus siebzehn Jahren Bandgeschichte. Im Vergleich zu ihren neueren Sachen klingen "Sexy Girl" oder "Ich und Elaine" aus den frühen 2000ern durchgenudelt und irgendwie wie immer schon zu einfach gestrickt. "Ich bin die Bass Drum" von 2017 hat zwar einen albernen Text, ist hingegen kompositionell ganz interessant.

Bei Yello ist es Dada

Schnell wird klar, warum 2Raumwohnung als Vorband gut zu Yello passen. Auch bei den Schweizern sind die Hauptbausteine interessante Samples und oftmals schlichte Texte. Bei Yello geht das dann als Dada durch.

Pünktlich 20 Uhr geht’s los. Dieter Meyer begrüßt die Berliner auf Englisch: "After so many years of not doing it, we finally decided to do it, to play live here in Berlin , it's great to be here. And this is why the first song ist called: 'Do it!'"

Ein 72-Jähriger, der auf cool macht

Hinter dem erhöhten Mischpult steht Boris Blank, der Mann der Yello-Kompositionen. Der Mann zur Yello-Stimme; Dieter Meier ist der Typ ergrauter Salvador Dali, vom Anzug bis zum Schnauzer. Mit den Händen in den Hosentaschen, seinem Oberkörper zurückgelehnt, fängt er an leger aus der Hüfte heraus zu wippen. Er ist ein 72-Jähriger, der auf cool macht und: Es gelingt ihm! Und es ist auch etwas schrullig.

Die Band ist riesig: fünf Blasinstrumente, Schlagzeug, Percussion, Gitarre, zwei Backround-Sängerinnen. Dazu zwei Solistinnen, die die gleiche Aufgabe wie Dieter Meier haben: Sie packen Texte auf Blanks Samples und offenbar folgen auch sie der Ansage, dabei möglichst exaltiert zu performen. Das gelingt ihnen sehr gut. Es wirkt befremdlich.

"Mit dem Wetter hatten wir ja Glück"

Am besten funktionieren eigentlich die Yello-Hits: "The Race" oder "Bostich". Das Publikum ist an diesem kühlen Open-Air-Abend zum Tanzen aufgelegt, die Original-Yello-Videos aus den 80er Jahren machen das historische Erlebnis perfekt.

Es fühlt sich besonders an, die alten, so lange bühnenscheuen Männer zu erleben. Einmal stehen sie nur zu zweit ganz vorn am Bühnenrand. Meier moderiert wie Blank auf seinem Tablet ein Stück live komponiert. Dann tanzen sie nebeneinander dazu. Am Ende sagt Meier sowas wie "mit dem Wetter hatten wir ja Glück" und Blank sagt auf denglisch: "There is no Zugabe, the Band ist o young, I am sorry."

Dann verbeugen sie sich, zwei nette ältere Herren, die nicht weniger als Musikgeschichte geschrieben haben und dabei irgendwie doch keine Rockstars geworden sind.

Beitrag von Susanne Bruha

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Proberaum von Stadtruhe ist miniklein - nur etwas mehr als 15 Quadratmeter groß. (Quelle: rbb/Elias Franke)
rbb/Elias Franke

Proberaummangel in Potsdam - "Wie Ratten im Labor"

Potsdams Musikszene hat ein Problem: Sie findet keine Probenräume. Sobald ein neues Quartier bezogen wird, müssen die Bands wieder raus. So geht es auch der Fête de la Musique-Band Stadtruhe. Sie werden ganz aus Potsdam gedrängt. Von Jule Kaden und Elias Franke