Der Kinosaal des Stummfilmkinos Delphi in Weissensee. (Quelle: rbb/Sebastian Schneider)

Ehemaliges Stummfilmkino in Weißensee - "Delphi"-Macher setzen nach Einbruch auf Crowdfunding

Seit Februar wird das alte Stummfilmkino Delphi in Berlin-Weißensee saniert, ab Dezember sollen dort wieder Kulturveranstaltungen stattfinden. Doch kürzlich räumten Einbrecher das Gebäude aus. Die Betreiber wollen sich nicht entmutigen lassen. Von Matthias Pohl

In das ehemalige Stummfilmkino Delphi in Berlin-Weißensee ist Anfang Oktober eingebrochen worden. Wie der Geschäftsführer Nikolaus Schneider rbb|24 am Freitag bestätigte, wurde "so ziemlich das komplette Theater ausgeräumt" - vor allem die Veranstaltungstechnik, aber auch Baumaterialien. Zunächst hatte die "Berliner Zeitung" darüber berichtet. Das historische Gebäude aus den 1920er Jahren wird gerade saniert, ab Dezember sind dort nach fast 60 Jahren Unterbrechung wieder regelmäßige Kulturveranstaltungen geplant.

Mischpult bei eBay wieder aufgetaucht

Die Einbrecher stemmten Türen mit roher Gewalt auf, sogar Rahmen wurden herausgerissen. Immerhin führte schnell eine Spur zu den Tätern - Nikolaus Schneider entdeckte nur einen Tag nach dem Einbruch ein Mischpult aus dem Theater bei eBay Kleinanzeigen. Er verständigte die Polizei, die zwei Verdächtigte festsetzte. Weitere Beutestücke sind bislang jedoch nicht aufgetaucht, Schneider beziffert den Gesamtschaden auf 100.000 Euro. Versichert waren die Theaterbetreiber gegen den Einbruch nicht.

Dennoch wollen sie an der Eröffnungsgala am 2. Dezember festhalten. "Uns bleibt gar nichts anderes übrig", sagt Schneider. "Wir haben eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, über die wir Geld sammeln wollen und haben einige kurzfristige Kredite aufgenommen." Er habe auch viel moralische Unterstützung erfahren oder von Leuten, die Bühnenequipment wie Lampen geliehen hätten. Über die Crowdfunding-Kampagne waren bis Freitagnachmittag knapp 9.000 Euro zusammengekommen. Das Ziel sind 50.000 Euro bis Dezember, um den vollständigen Betrieb im Delphi wiederherzustellen.

Drehort für "Babylon Berlin"

Seit Februar war das Haus in der Gustav-Adolf-Straße 2 umgebaut worden. 2013 hatte Schneider zusammen mit seiner Partnerin, der künstlerischen Leiterin Brina Stinehelfer, den Mietvertrag mit dem damaligen Besitzer abgeschlossen, mittlerweile wurde das Haus von der Edith-Maryon-Stiftung zur Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten gekauft. "Wir sind dabei, ein Haus für die darstellenden Künste zu werden", sagt Schneider. Auf dem Dezember-Programm stehen unter anderem eine Tanz-Performance und das "Wintermärchen" mit der Shakespeare Company Berlin. Für 2018 habe man bereits eine Spielstättenförderung vom Berliner Senat bekommen.  

Das 1929 eröffnete Stummfilmkino mit Orchestergraben bot 900 Zuschauern Platz. Im Jahr 1959 wurde es geschlossen und diente zu DDR-Zeiten unter anderem als Lagerraum. Im vergangenen Jahr, noch vor der Sanierung, wurde im Delphi für die neue TV-Serie "Babylon Berlin" gedreht - jene Szenen, die im legendären Tanzlokal Moka Efti spielen, das in der Friedrichstraße ansässig war. Quentin Tarantino wollte ursprünglich die Schlussszene von "Inglorious Basterds" im Delphi drehen, entschied sich aus logistischen Gründen aber dafür, das Kino in einem der Babelsberger Studios nachzubauen.   

Sendung: radioBerlin, 17.10.2017, 13.30 Uhr

Beitrag von Matthias Pohl

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen.

1 Kommentar

  1. 1.

    Wie kann man sein Geld an moderne Bettler über Croutfunding zum Fenster rausschmeissen?

Das könnte Sie auch interessieren

Berliner Rapper Capital Bra (Quelle: rbb/ Abendshow)
rbb/ Abendshow

Berliner Rapper in Spotify-Charts - Wer dieser Capital Bra ist

In den Spotify-Charts Deutschland hat es Capital Bra aus Hohenschönhausen bis an die Spitze geschafft. Über 28 Millionen Klicks hat einer seiner Songs auf Youtube. Dabei war sein Start alles andere als unkompliziert - und er selbst ist es bis heute nicht. Von Tom Garus

Künstlerkolonie Berlin (Quelle: rbb)
rbb

Video | Künstlerkolonie Berlin - Das war mal "roter Block"

Nirgendwo in Berlin haben so viele Künstler und Intellektuelle an einem Ort gewohnt: Vor 90 Jahren sind die ersten Mieter in die sogenannte Künstlerkolonie Berlin gezogen. Künstler, wie Ernst Bloch, Alfred Kantorivicz, Erich Weinert, Steffi Spira oder Ernst Busch.