Fotografin Sabine Alex (Quelle: rbb / Karo Krämer)
Video: Stilbruch | 08.10.2017 | Karolin Krämer | Bild: Karo Krämer

Analogfotografie-Festival in Berlin - Bloß keine Hektik

Schnell noch ein Foto machen ist nicht ihr Ding. Für ein Bild mit der analogen Lochkamera  braucht Sabine Alex vor allem Zeit. Beim Fotofestival analogueNOW! am Wochenende gibt sie wieder Workshops zur "entschleunigten" Fotografie. Von Karolin Krämer

Für viele ist das Fotografieren heute nur noch eine Sache von wenigen Sekunden: Zack, auf den Auslöser gedrückt, hochgeladen und schon ist das Foto bei Instagram, Facebook und Co. gelandet. Anders sieht das bei Analog-Liebhaberin Sabine Alex aus. Seit 2012 ist die Fotografin mit ihrer "Mobilen Dunkelkammer" auf dem Gelände der BLO Ateliers in Berlin-Lichtenberg. Hier gibt sie Workshops rund ums analoge Fotografieren: vom Knipsen mit der großformatigen Plattenkamera bis zur Entwicklung eines Lochkamerafotos.

Analogfotografie-Festival (Quelle: Georg Baur)
Sich Zeit lassen für das Bild beim Fotofestival analogueNOW! | Bild: Georg Baur

2015 veranstaltet sie mit Freunden das deutschlandweit erste Festival für analoge Fotografie "analogueNOW!", das am kommenden Wochenende auf dem BLO Gelände stattfindet. Hier zeigt Sabine Alex, wie man etwa aus einer handelsüblichen Kaffeedose eine simple Kamera mit einem winzigen Loch bauen kann. "Die Leute können sich aus allen möglichen Sachen eine Lochkamera bauen, selbst aus einem Schlafzimmer oder aus einem Mülleimer", erklärt die 31-Jährige. Alles was es dazu braucht, ist ein abgedunkelter Raum mit einer kleinen verschließbaren Öffnung.

Fotobus außen (Quelle: Sabine Alex)
Sabine Alex mit ihrem Bus, der mobilen Dunkelkammer | Bild: Sabine Alex

Drei Minuten Belichtungszeit

So wie Sabine Alex' quietschorangener Mercedes-Bus "Kurt", den sie in eine begehbare Lochkamera verwandelt hat. Er ist das Herz der "Mobilen Dunkelkammer", mit der sie deutschlandweit in Schulen, Museen und auf Festivals unterwegs ist. Durch ein kleines Loch in der Karosserie wird die Außenumgebung auf die gegenüberliegende Seite im Innenraum projiziert. "Wenn ich das Leuten zeige, die das noch nie gesehen haben, fragen die erst mal: Oh, wie machst du das? Wie geht das? Warum steht das auf dem Kopf?", lacht Sabine Alex und freut sich über den kleinen Fotozauber.

Mit dem Fotobus unterwegs (Quelle: Sabine Alex)
Die Workshops finden Resonanz | Bild: Sabine Alex

Nach diesem Prinzip funktioniert auch die Lochkamera. "Das hört nie auf, spannend zu sein", erzählt die Fotoexpertin, während sie die kleine Illy-Dose auf einem Tisch vor ihrem Atelier positioniert. "Beim Fotografieren hat man ja noch ungefähr eine Ahnung, wie das Foto wird, weil man Erfahrung hat. Aber bei der Lochkamera ist das immer anders. Man braucht sie nur ein wenig anders stellen und schon sieht das Bild anders aus."

Für drei Minuten entfernt Sabine Alex das schwarze Gaffa-Tape über dem winzigen Loch in der Kaffeedose. So lange dauert es an diesem bewölkten Tag, bis das Fotopapier im Inneren ausreichend belichtet ist. Für die Porträtierte heißt das: Drei Minuten still stehen - wie zu Daguerres Zeiten.

Beim Entwicklen im Atelier von Sabine Alex (Quelle: Sabine Alex)"Wie eine Hebamme" fühlt sich Sabine manchmal beim Entwicklen in der Dunkelkammer

Gespräche in der Dunkelkammer

Nun muss das Foto in der Dunkelkammer nur noch entwickelt werden. "Ich fühle mich manchmal wie eine Hebamme, eine Bilderhebamme", schmunzelt Sabine Alex. Im schwachen Schein des Rotlichts nimmt sie das belichtete Papier aus der Kaffeedose und legt es vorsichtig mit einer Pinzette in die Entwicklerflüssigkeit. "In der Dunkelkammer zu stehen und mit den Händen wirklich etwas zu produzieren, das man auch greifen kann - das ist genau der Grund, warum ich analog nie wieder eintauschen würde gegen digital", erklärt sie und schwenkt die Schale leicht vor und zurück. Langsam zeichnen sich Umrisse auf dem Papier ab. Ein Bild kommt auf die Welt.

 

Festivalbesucher des nalogueNOW! tauschen sich aus (Quelle: Georg Baur)Sich austauschen beim Fotofestival

Ruhig und unbestimmt vergeht die Zeit in der Dunkelkammer, wenn Sabine Alex das Foto sorgfältig vom Entwicklerbad in den Fixierer legt und es schließlich an ihre Fotoleine klemmt. Für die studierte Kunstpädagogin ist die Dunkelkammer jedoch kein stilles Kämmerchen, sondern vor allem ein Ort der Begegnungen: "Beim digitalen Fotografieren sitzt man vor allem alleine am Computer. Wenn ich überlege, wie viele Leute ich in der Dunkelkammer schon kennengelernt habe, welche Gespräche man hat - da kommt man sich zwischenmenschlich viel näher." In ihrer Dunkelkammer verbringt man als Besucher jedenfalls gerne Zeit. Auch ohne Instagram und Facebook.

Beitrag von Karolin Krämer

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Man sollte seine Geschichte wohl gut kennen, damit man Neues entsprechend zu würdigen weiß, meinen Sie nicht auch?

  2. 1.

    Wunderbar! Ich schreibe Nachrichten auch immer mit dem Gänsekiel auf Papier, das ich zuvor handgeschöpft habe. Und dann übermittle ich den Inhalt per Telegraph (optischem natürlich).

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