Symbolbild: eine Ausstellung mit Bildern des Künstlers Marc Chagall (Quelle: imago/ZUMA Press)
Audio: Inforadio | 21.10.2017 | Carmen Gräf | Bild: imago/ZUMA Press

Kunstauktion der Evangelischen Landeskirche - Ein Chagall für den guten Zweck

Ein Werk von Otto Piene fürs Esszimmer? Einen Chagall im Wohnzimmer? Große Kunst zu moderaten Preisen: Die alljährliche Kunstauktion der Evangelischen Landeskirche in Berlin macht es möglich - an diesem Sonntag zum 22. Mal. Von Carmen Gräf

Bordeauxfarbene Grundtöne mit Aufhellungen und schwarzen Konturlinien: Das großformatige Bild der Berliner Künstlerin Liane Birnberg ist abstrakt. Sie hat es für die Auktion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gespendet. Aus Überzeugung heraus, denn sie engagiert sich seit vielen Jahren für Folteropfer und hat selbst Migrationserfahrung. Vor fast 40 Jahren kehrte sie nach einem Besuch in Deutschland nicht mehr in ihr Heimatland Rumänien zurück. "Dieses Gefühl in Deutschland von Freiheit und von dem Gefühl, ich kann denken und machen, was ich möchte, war wie ein Riesen-Geschenk – und das wollte ich ein bisschen teilen."

Dass ihr Heimatland sich heute sehr schwer damit tut, Flüchtlinge aufzunehmen, ärgert Liane Birnberg. "Ich finde es unmöglich, wenn gerade Leute aus Rumänien, Polen und Ungarn, die das kennen, sich dagegen wehren, menschlich zu sein."

Auktion oder Galerieverkauf?

Diese Einstellung teilt Liane Birnberg mit vielen Künstlerinnen und Künstlern, aber auch privaten Sammlern und Sammlerinnen, die Werke für die Kunstauktion der Evangelischen Landeskirche gespendet haben. Darunter sind Arbeiten vieler berühmter Künstler wie Marc Chagall, Lovis Corinth, René Magritte, Ernst Barlach, HAP Grieshaber und Otto Piene. Malereien, Zeichnungen, Holzschnitte und Lithografien - rund 500 Werke sind zusammengekommen. Die meisten von ihnen kommen allerdings gar nicht unter den Hammer. Etwa 400 können im sogenannten Galerieverkauf erworben werden - im Rahmen einer Verkaufsausstellung im evangelischen Zentrum in der Georgenkirchstraße. Der Rest geht in die Auktion - wobei "der Rest" das Wertvollste ist.

Die Auswahl trifft eine Jury, erklärt Hanns Thomä vom Vorbereitungsteam. "Es gibt Bilder, die eher in einer Auktion veräußert werden können. Für andere Bilder eigenet sich der Galerieverkauf besser, weil Sie das Bild in die Hand nehmen oder in einem anderen Licht sehen können", erklärt Thomä. Letztlich sei die Frage "Auktion oder Galerieverkauf?" kein Kriterium über den künstlerischen Wert. "Wir entscheiden mehr danach, welches Bild sich besser durch die Auktion veräußern lässt und welches man eher in die Hand nehmen muss."

22 Jahre Kunst für den guten Zweck

Hanns Thomä hat die Kunstauktion vor 22 Jahren mit ins Leben gerufen. Von Anfang an lief es gut, erzählt er. "Das Erstaunliche für mich ist eher, wie es möglich war, diese Initiative 22 Jahre lang durchzuhalten." So viele Künstler seien ihnen treu geblieben, und immer wieder gebe es aber auch neue Künstler, die sie unterstützen. Außerdem machen viele Ehrenamtliche mit. "Es ist eine sehr große Organisationsaufgabe, die man bewältigen muss, damit an einem Wochenende die Auktion und der Galerieverkauf stattfinden können", erklärt Thomä.

Viele der unterstützten Projekte würde es ohne die Kunstauktion der Evangelischen Landeskirche nicht mehr geben - oder zumindest nicht mehr in der Form. Andere wurden dadurch richtig groß, wie etwa ein Projekt, das aus den verkauften Bildern seine ersten 10.000 Mark bekam. "Das hat dazu beigetragen, dass dieses Projekt EU-Mittel in Höhe von einer Million einwerben konnte", erklärt Thomä. "Mit diesen Mitteln haben sie damals – das war ein Projekt, das in Jugoslawien nach dem Krieg stattfand - in allen Republiken Jugoslawiens Demokratieaufbau und Unterstützung von Flüchtlingen betrieben." Vier Jahre lang sei das gegangen. "Darauf sind wir sehr stolz", sagt Thomä.

"Wir wollen viele Menschen erreichen"

Die Kunstauktion ist inzwischen auch über Berlin hinaus bekannt, erklärt Manuela Pagano vom Vorbereitungsteam. "Wir haben zum Einen unsere Stammkunden, und die freuen sich natürlich ganz besonders, wenn man sie mit Handschlag begrüßt und auch dem Namen nach kennt", sagt Pagano. "Es gibt aber auch ein neues Publikum. Viele, die gerade Urlaub machen, hören's im Radio und kommen zur Auktion."

Das teuerste Bild war bisher das Werk eines japanischen Künstlers und wurde für 5.000 Euro versteigert. Die meisten Werke gehen für ein paar Hundert Euro weg, nur wenige für mehr als 1.000 Euro. Etwa 30.000 bis 35.000 Euro bringt die Auktion jedes Jahr ein, sagt Hanns Thomä. Doch allein darauf komme es nicht an. "Für uns ist nicht nur der materielle Erfolg wichtig, sondern es ist wichtig, dass so viele Menschen durch diese Initiative erreicht werden - und dass sie sich engagieren: für Menschenrechte, für den Kampf gegen Rassismus, für den Schutz von Flüchtlingen und für die Integration." Deshalb werden die Preise bewusst moderat gehalten – anders als es sonst auf dem Kunstmarkt üblich ist.

Die Kunstauktion der Evangelischen Landeskirche ist für die Künstlerin Liane Birnberg ein wichtiges soziales und politisches Anliegen. Ein Bild zu spenden, das für einen moderaten Preis verkauft wird, ist ihr ganz persönlicher Beitrag zur Integration. "Ich fühle mich hier wirklich zu Hause", erzählt sie. "Warum soll man nicht versuchen, auch Menschen, die das nicht haben, mindestens dieses Gefühl zu geben?"

Beitrag von Carmen Gräf

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Eine sehr gute Idee.So haben Werke von Künstlern auch die Möglichkeit einem breitem Publkum vorgestellt u.verkauft zu werden.

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