Der Siegerentwurf für ein Museum der Moderne in Berlin der Schweizer Architekten von Herzog & de Meuron, wird am 17.11.2016 bei der Eröffnung einer Ausstellung im Kulturforum in Berlin präsentiert (Quelle: Ralf Hirschberger/dpa).
Audio: Inforadio | 11.10.2017 | Maria Ossowski | Bild: dpa-Zentralbild

Viele Fragen noch offen - Museum der Moderne wird keinesfalls vor 2019 gebaut

200 Millionen hat der Bund locker gemacht für ein Museum der Moderne. Das soll an der Potsdamer Straße in Berlin entstehen. Nur: Einen Spatenstich gab es noch nicht. Wann geht es endlich los? Von Maria Ossowski

Die großen Kunstwerke des 20. Jahrhunderts müssen noch einige Jahre im Depot bleiben: Das in Berlin geplante Museum der Moderne wird wohl erst ab dem übernächsten Jahr realisiert. Nach dem Wettbewerb, den das Basler Architekturbüro Herzog/de Meuron vor etwa einem Jahr gewonnen hatte, seien noch umfangreiche Nacharbeiten nötig, sagte Monika Grütters (CDU), Staatsministerin für Kultur, dem rbb.

Absprechen müssen sich viele Gewerke: die baubetreuende Behörde aus Baden-Württemberg mit dem Land Berlin, mit den Architekten und den Nutzern, also der Nationalgalerie. Grütters: "Da geht es um den Baugrund, um die städtebauliche Einordnung, um den Abstand zur Kirche St. Matthäus", so Grütters, aber auch "um die Fassadengestaltung und notwendige Anpassungen an den tatsächlichen Baubedarf. Und natürlich müssen die Nutzer ihr Raumkonzept präzisieren. Alles das kostet Zeit und wird sehr genau vorbereitet, weil es die Basis für den zukünftigen Bauverlauf ist."

Keine Baupleite wie beim BER

Wieviel Raum bekommen welche Bilder und Skulpturen, welches Licht, welche klimatischen Bedingungen sind nötig? Wie groß muss der Abstand zur Potsdamer Straße sein? Gibt es Überraschungen beim Baugrund?

Es ist förmlich mit den Händen zu greifen: Eine Blamage wie beim Flughafen BER oder bei der Staatsoper darf sich nicht wiederholen. Deshalb wird es im nächsten Jahr keinen Spatenstich geben. "Ob das in anderthalb Jahren, oder, wie ich mir hab sagen lassen, sogar zwei Jahren beendet ist, hängt auch davon ab, wie sich Preisabsprachen wie Honorarverträge am Ende gestalten."

Der Entwurf der Schweizer Herzog/ de Meuron, vom Berliner Volksmund Scheune oder Aldi-Supermarkt getauft, war und ist hoch umstritten. Eine Initiative hatte sich gebildet aus Stadtplanern, Architekten, Künstlern und Publizisten, um in einem offenen Brief an die Verantwortlichen eine neue Strategie für das Kulturforum zu fordern und um zu warnen: 200 Millionen seien unrealistisch und viel zu wenig.

Die Stiftung Zukunft Berlin hat eine Verkleinerung und eine Neuausrichtung des Entwurfes gefordert. Deshalb hat Monika Grütters ein Beratergremium unter Leitung des Juryvorsitzenden und Architekten Arno Lederer ins Leben gerufen. "Die Aufgabe soll sein, die geplanten Bauvorhaben auf die städtebauliche, architektonische, künstlerisch gestalterische Qualität hin zu überprüfen, aber vor allen Dingen auch an der Schnittstelle zwischen Politik, Öffentlichkeit, Bauherren, Nutzern und Planern zu wirken. Wir brauchen, um es mal deutlich zu sagen, auch Begleitung", so Grütters.

Architekten für Änderungen am Entwurf offen

Auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz geht von einem Baubeginn erst 2019 aus. Bis dahin sollen auch die vielen Kritiker einigermaßen beruhigt sein, hofft die Staatsministerin. "Es ist in Berlin immer so: Wenn einmal eine Entscheidung gefällt wurde über eine spektakuläre Architektur, dann geht die öffentliche Debatte erst los, weil man erst dann weiß, um welche Gestalt es sich handelt. Solch eine Debatte ist gut und wichtig, im Moment verläuft sie kontrovers, aber auch konstruktiv. Da ist es wichtig, dass sie fachlich klug begleitet wird."

Die Architekten, die u.a. die Elbphilharmonie und das Pekinger Olympiastadion gebaut hatten, sind für Veränderungen am Entwurf offen. "Wir gehen bei unseren Projekten nie davon aus, dass unser Entwurf das Endresultat ist", so Ascan Mergenthaler, Seniorpartner des Büros. Die Pläne müssten immer im Dialog mit Bauherren, Nutzern und Stadt weiterentwickelt werden. Allerdings sei ihrer Ansicht nach das Gebäude "schon ziemlich richtig gesetzt", fügte Firmenchef Pierre de Meuron hinzu.

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Das Problem am so bezeichneten Kulturforum war immer dasjenige, dass es nie eines gewesen ist. Es war schon von Anfang an eine bloße Ansammlung kultureller Bauten ohne einladende fußläufige Beziehung. Die sollte ja erst durch das Forum geschaffen werden, was allerdings nie kam, weil statt der überdim. Stadtautobahn im Rücken der Staatsbibliothek dann eben die Bundesstraße mitten durch das geplante Forum kam.

    Mit einem Heißluftballon wird schlecht zwischen den Kulturbauten zu fliegen sein, Fußgängerstege, die PR mäßig zu Sky-Walks werden, helfen da auch nicht weiter. So bleibt alles wie es ist: Lieblos abgestellt wirkende Kulturbauten. Nur die StaBi und Philharmonie haben eine halbwegs akzeptable Beziehung, sind aber gefühlt wie auf zwei versch. Planeten.

    Der Herzog-/Meuron-Bau orientiert sich an dieser zerschnittenen Situation und verstärkt die Zerschnittenheit sogar noch.



  2. 2.

    Wieso eigentlich ALDI? Sieht doch mehr nach LIDL aus.

  3. 1.

    Brauchen wir eigentlich gar nicht, lieber uns genauso bezahlen wie die Wessis.

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