Festakt zur Wiedereröffnung der Staatsoper Berlin (Quelle: rbb)
Video: rbb Aktuell | 03.10.2017 | Petra Gute | Bild: rbb

Eröffnung am Tag der Deutschen Einheit - Staatsoper ist zurück im Stammhaus Unter den Linden

Sieben Jahre lang mussten die Berliner Staatskapelle und ihr Chefdirigent Daniel Barenboim in einem Ausweichsquartier spielen. Nun ist das international renommierte Orchester vom Schiller-Theater zurück in sein frisch saniertes Stammhaus Unter den Linden gezogen.

Am Tag der Deutschen Einheit ist die traditionsreiche Berliner Staatsoper Unter den Linden feierlich wiedereröffnet worden. Bei dem Festakt waren unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und viele Prominente aus den Bereichen Politik und vor allem Kultur dabei, als Dirigent Daniel Barenboim die von Intendant Jürgen Flimm inszenierten "Szenen aus Goethes Faust" dirigierte.

Schauspieler Armin Mueller-Stahl verwies darauf, dass er bereits vor über 60 Jahren bei einer Wiedereröffnung der Staatsoper dabei war: "1955, bei der Aufführung der Meistersinger von Nürnberg, nur damals auf der Bühne."

"Laßt mich auch endlich Taten sehen"

Flimm begrüßte das Publikum vor dem Konzert mit einem Auszug aus dem "Faust": "Der Worte sind genug gewechselt, laßt mich auch endlich Taten sehn." Bundespräsident Steinmeier hielt seine Begrüßungsrede, in der er der Staatsoper einen "großartigen Neustart" wünschte, offenbar absichtlich knapp und zitierte dabei ein Berliner Sprichwort: "Quatsch keene Oper." Auch Berlins Regierender Bürgermeister schloss sich den Glückwünschen an und zeigte sich in seiner Eröffnungsansprache erleichtert: "Es war auch mal an der Zeit, dass die Oper fertig wird", sagte Müller am Dienstagabend.

Wie sehr die jahrelangen Verzögerungen auch an den Nerven der Beteiligten gezerrt haben, hatte Staatsoper-Intendant Flimm dem rbb vorab erklärt: Es sei furchtbar gewesen, eigentlich habe er schon 30 Mal "den Lappen hinschmeissen" wollen, so Flimm. Doch er blieb, wie auch Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und viele Ensemble-Mitglieder. Nun spielen sie wieder in ihrem Stammhaus Unter den Linden - zumindest für ein paar Tage.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bezeichnete das Opernhaus kurz vor seiner Wiedereröffnung als "Aushängeschild für die traditionelle Vielfalt der Musikstadt Berlin". Es werde künftig Kunstliebhaber aus aller Welt nach Berlin ziehen und das weltoffene Bild der Stadt prägen, sagte Grütters am Montag.

Barenboim zeigte sich im rbb begeistert über die Akustik. "Ich hätte nicht geglaubt, dass es so gut sein wird für alles." Er habe auf die Nachhallzeit von 1,6 Sekunden bestanden und sich damit nicht beliebt gemacht. "Aber ich bin nicht in einem Popularitätswettbewerb." Er bedauere lediglich, dass das Haus nicht mit einer Uraufführung eröffnet werde.

Umzug wurde Jahr für Jahr verschoben

Die Staatsoper Unter den Linden wurde seit Herbst 2010 saniert, das Ensemble wich in das Schiller-Theater im Westen aus. "Wenn das Schiller-Theater nicht gewesen wäre, wären wir wahrscheinlich alle längst in Südamerika und hätten im Dschungel eine Oper aufgemacht", sagte Intendant Flimm. Auch Dirigent Barenboim zeigte sich dankbar, dass sein Orchester im Schiller-Theater ein Ausweichquartier finden konnte, aber glücklich war er über die Bauverzögerungen nicht - 2013 hätte die sanierte Staatsoper eigentlich wiedereöffnet werden sollen. "Ich habe es nicht geschätzt, dass man uns jedes Jahr eine andere Geschichte erzählt hat. Aber das ist alles Vergangenheit", resümierte Barenboim.

Mit den baulichen Probleme stiegen auch die Kosten. Statt ursprünglich 240 Millionen Euro kosteten die Arbeiten rund 400 Millionen Euro. Davon übernimmt der Bund 200 Millionen Euro. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte vergangenen Woche erklärt, dass die Sanierung ohne die Beteiligung des Bundes nicht möglich gewesen wäre.

Höhere Decke sorgt für neuen Klang

Im Zuge der Sanierung wurde für eine bessere Akustik die Decke um mehrere Meter gehoben. "Wir haben nun auch diese wunderbare Nachhallgalerie. Das ist ein kunstkeramikgegossenes Netz, das an die Stelle gefügt wurde, wo die Decke erhöht wurde. Dadurch haben wir fast ein Drittel mehr Raumvolumen", erklärte Co-Intendant Matthias Schulz dem rbb-Magazin Stilbruch. Somit habe der Klang der Musik künftig mehr Platz zur Entfaltung.

Nach den ersten Proben zeigten sich auch Dirigent und Orchester angetan von dem neuen Klang. "Es breitete sich ein allgemeines Lächeln im Orchester aus. Man hörte einfach, es klingt so anders, als wir das in Erinnerung haben", sagte etwa Geigerin Susanne Schergaut dem rbb. Doch neben der neuen Akustik mache sich die Staatsoper momentan auch programmatische Gedanken. "Wir müssen den internationalen Vergleich annehmen und dabei mutig vorgehen. Deshalb müssen wir auch neue ästhetische Konzepte finden und einen neuen Sängertypus fördern", kündigte Co-Intendant Schulz an.

Die Staatskapelle Berlin spielt am 30.09.2017 unter der Leitung von Daniel Barenboim auf dem Bebelplatz in Berlin. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)Mehrere Tausend Musikliebhaber lauschten am Samstag unter freiem Himmel Beethovens 9. Sinfonie, gespielt von der Staatskapelle Berlin unter Dirigent Daniel Barenboim. Das Konzert war der Auftakt zur Wiedereröffnung des Opernhauses.

Altbekanntes gab es zu Beginn des Eröffnungsreigens. Bereits am Samstag dirigierte Daniel Barenboim ein Konzert mit Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie auf dem Bebelplatz. Zu dem "Staatsoper für alle"-Konzert unter freiem Himmel kamen mehrereTausend Opernfans.  

In den nächsten Tagen sind dann noch weitere Auftritte mit der Staatskapelle geplant und mit den Wiener Philharmonikern unter dem Dirigenten Zubin Mehta. Nach den feierlichen Eröffnungstagen schließt das Opernhaus für weitere zwei Monate, um ausstehnde Feinarbeiten abzuschließen. So muss etwa noch die neue Technik den Erfordernissen des Opernbetriebs angepasst werden. Die reguläre Spielzeit in der neuen Staatsoper Unter den Linden startet somit erst im Dezember. Der Ticket-Vorverkauf dafür beginnt am 7. Oktober.  

360 Grad: Ein Rund-um-Blick in die frisch sanierte Staatsoper

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Die Bundeskanzlerin und ihr Mann zahlen nicht nur jede Eintrittskarte in Deutschland selbst (z.B. Bayreuth), sondern auch im Ausland. Bei einem Staatsakt in der Scala erklärte ihr der italienische Ministerpräsident, der Platz in der Königsloge sei unverkäuflich. Sie hat darauf bestanden, stattdessen den teuersten Platz der Scala zu bezahlen und hat dies auch getan.

  2. 16.

    Ich hoffe nur dass sogenannten Prominenten und Politiker ihre Eintrittskarte selbst bezahlt haben und nicht der Steuerzahler wie sonst üblich.

  3. 15.

    Zum möglichen Kulturgenuss bzw. der kulturellen Teilhabe von HartzIV-EmpfängerInnen hier die Einschränkungen in detaillierter Form aus https://www.deutscheoperberlin.de/de_DE/karten#ermaessigungen
    1.) Der Weiterverkauf der ermäßigten Karten an Dritte ist verboten. Aufgrund des vorzulegenden Berechtigungsnachweises ist es nicht möglich, online oder telefonisch ermäßigte Karten zu erwerben oder zu reservieren [außer bei Familien- und Kinder-Vorstellungen].
    2.) An der Abendkasse [ab eine Stunde vor Vorstellungsbeginn]: ALG II- und Sozialhilfe-Empfänger erhalten Restkarten zum Einheitspreis von € 3,– im Rahmen eines begrenzten Kontingents.*
    *) Ausgenommen sind Premieren, Fremdveranstaltungen, Veranstaltungen mit Sonderpreisen und Vorstellungen des Staatsballetts Berlin. Dieses Angebot gilt nach Maßgabe der Verfügbarkeit, ein Anspruch darauf besteht nicht. Platzwünsche können nicht berücksichtigt werden, die Plätze werden von der Deutschen Oper Berlin vergeben.

  4. 13.

    Aber über diese Kosten redet hier in Berlinkeiner. BER lässt Grüßen. Kosten sind explodiert, die Bauzeit verdoppelt.
    Naja, dafür spart Berlin an anderen wesentlichen Stellen wie Bildung, Sicherheit usw..

  5. 12.

    Möchten Sie damit Ihre Einstellung zum Grundgesetz, den Menschenrechten und den deutschen Völkerrechtlichen Verträgen zum Ausdruck bringen?

  6. 11.

    Glückwunsch!
    Wie wunderbar, dass sich ein Land das leistet. Ich bin begeistert und wünsche der Staatsoper viele mutige Inszenierungen.
    Etwas stört mich doch. Warum lädt man nicht "das Volk" ein um die Eröffnung zu feiern? Mit all den unglaublichen Handwerkern, die dies alles möglich gemacht haben. Diese "Promi-Kultur" geht mir ziemlich auf die Nerven.
    Die Bürger müssen vor dem Haus in der Kälte sitzen.....

  7. 9.

    Hartz-IV-Empfänger Leben von Steuergeldern. Ich verweise auf die "Toten Hosen": "Seid dankbar, seid endlich dankbar...". Man kann nicht alles im Leben haben. Ich sehe das nicht als Diskriminierung, wenn man dann nicht in der ersten Reihe sitzen kann, sondern sich von den Steuergeldern nur Restkarten leisten kann.

  8. 8.

    Liebes "Hartz-IV-Opfer"
    Erstens werden - wenn überhaupt - ausländische Hartz-IV-Empfänger genauso diskriminiert.
    Zweitens können Sie sich gerne Karten für 3,- € - auf den besten Plätzen wohlgemerkt - kaufen, für die ich mit meinem Einkommen - bin ja blöd genug, dafür zu arbeiten - das nur knapp über dem Hartz-IV-Bedarf sitzt, voll bezahlen darf.
    Drittens wüssten Sie das, wenn Sie sich für Oper interessieren würden - aber Ihnen gehts hier ja nur ums Meckern.
    Viertens kann ich dieses "ich bin ein armes Opfer" nicht mehr hören.

  9. 7.

    Der Artikel ist eine reine Freude. Die letzten Jahre ging's für mich fast täglich an der Oper vorbei und immer mit der Frage "Wann wird es soweit sein? Hoffentlich ist es die Sache am Ende wert. Wie meistern Orchester und Ensemble wohl die Zeit?"

    Und jetzt ist zu lesen, dass am Ende alles geglückt ist; dass sich Konzepte und Qualität gegenüber Kosteneinsparungen durchsetzen konnten und dass hier die Kulturschaffenden sowohl den Willen als auch die Möglichkeiten hatten, die Zähne zusammen zu beißen und durchzuhalten.

    Bravo! Und dann auch ein rundum-Blick ins neue Haus, was den Artikel noch weiter abrundet. Eine wahre Freude, die Lust auf einen Besuch macht. Vielen Dank lieber rbb!

  10. 6.

    Kultur muss man sich leisten können

  11. 5.

    Das stimmt nicht. Sie bekommen mit einem Berlinpass (Ausweis als ALGII Empfänger) ermäßigte Karten für viele Berliner Theater, darunter Staatsoper, Deutsche Oper und Komische Oper für 3 (drei) Euro.

  12. 4.

    "ALG II- und Sozialhilfe-Empfänger erhalten Restkarten zum Einheitspreis von € 3,– ..." (https://www.deutscheoperberlin.de/de_DE/karten#ermaessigungen"
    Wo ist das Problem?

  13. 3.

    400 Mio Euro für ein lächerliches Opernhaus? Die Elbphilharmonie war zwar doppelt so teuer, dafür gibt's aber noch Wohnungen, ein Hotel, Gastronomie und ein Parkhaus inklusive. Und die Elbphilharmonie ist praktisch ein Neubau, während es sich bei der Berliner Staatsoper nur um die Sanierung eines bestehenden Gebäudes handelte.

  14. 1.

    Und wieder Diskriminierung deutscher Staatsbürger, die von Grundsicherungsleistungen (HartzIV) abhängig sind, denn der gesetzliche Regelbedarf lässt in diesem Fall keine effektive kulturelle Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft zu. https://www.deutscheoperberlin.de/de_DE/karten#ermaessigungen Meine Meinung: Die Berliner Staatsoper ist nur ein Prestigeobjekt für Menschen mit überproportionalem Einkommen und lässt den Versuch der kulturellen Teilhabe von HartzIV-EmpfängerInnen zu Bettelaktion verkommen.

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