Ein Bauplakat zeigt, wie der Neubau der Garnisonkirche in Potsdam aussehen soll (Quelle: imago/Philip Schilf)
Bild: imago/Philip Schilf

Finanzierung nur für Grundvariante - Garnisonkirche wird ab 29. Oktober gebaut

Der Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche soll am 29. Oktober mit einem Gottesdienst auf der Baufläche beginnen. Wie der Sprecher der Stiftung Garnisonkirche, Wieland Eschenburg, am Donnerstag mitteilte, soll danach mit den Arbeiten für das Fundament des knapp 90 Meter hohen Kirchturms begonnen werden.

Proteste gegen Wiederaufbau

Finanziert ist bislang nur eine abgespeckte Version des Turms für gut 26 Millionen Euro. Für eine Wiedererrichtung des Kirchenschiffs gibt es noch keine Pläne. Der geplante Wiederaufbau des Garnisonkirchturms soll nach bisherigen Stiftungsangaben rund 38 Millionen Euro kosten (Stand: August 2017). Zunächst soll mit dem Bau einer rund 26 Millionen Euro teuren Grundvariante ohne Turmhaube und Schmuckelemente begonnen werden. Davon kommen fünf Millionen Euro aus Krediten der evangelischen Kirche, zwölf Millionen Euro will der Bund beisteuern. Kritiker halten die Berechnungen für die Baukosten bereits seit längerer Zeit für deutlich zu niedrig.

Die Garnisonkirche gilt als Hauptwerk des preußischen Barock. Sie war 1968 auf Geheiß der DDR-Regierung gesprengt worden, obwohl sie trotz Kriegsschäden nicht einsturzgefährdet war. Gegen den Wiederaufbau gibt es Proteste, weil das Gotteshaus in Preußen als Militärkirche diente. Zudem war sie im März 1933 die Kulisse für den "Tag von Potsdam", bei dem die Versöhnung zwischen konservativem Bürgertum, preußischem Militär und Nazi-Führung besiegelt wurde.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.10.2017, 14:00 Uhr

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Nun kann ja das eine getan werden, ohne dass das andere gelassen werden muss. Die beiden Bauvorhaben stehen in der Tat nicht in Konkurrenz zueinander, weder vom Grundstück her noch von ihrer Finanzierung. Auch die priv. Spender dürften sich glatt für beide Projekte engagieren, soweit es gewünscht ist.

    Allerdings gibt es da immer noch - leider - diesen ziemlich unendlich wirkenden Streit zwischen den drei jüdischen Gemeinden, wie denn nun die Synagoge aussehen soll. 'Das macht die Arbeit sowohl der Landes- als auch der Stadtregierung ziemlich unbequem. Soll eine deutsche Verwaltungsstelle jüdischen Gemeinden Vorschriften machen oder soll es so gehalten werden wie bisher, dass eine Einigung erwartet wird und dann, wenn diese zustandekommt, der Bau in der Schloßstraße gefördert wird?

    Beide, der künftige Garnisonkirchenturm und die künftige Synogoge liegen übrigens recht nah beieinander, gute 350 Meter, sodass nach 2020 auch Beides besucht werden kann.

  2. 14.

    Es gibt in der Tat "zwei Strecken" in der Diskussion.

    Die eine, wie mit der Stadt grundsätzlich umgegangen wurde: Da waren Ost und West ziemlich gleich. Ostdeutschland hat´s ideologisch überhöht mit einem sozialistischen Städtebau, weshalb die alte Bebauung hätte verschwinden sollen, Westdeutschland hat´s dem autoverkehrlichen Gedanken geopfert, dass der Automobilist so wenig wie möglich sein Lenkrad herumwerfen muss.

    Die Ergebnisse sind in der Tat sehr ähnlich, in Westdeutschland - kraft Geld - sogar noch mit größerer Wucht.

    Die "zweite Strecke": Stadtbildprägende Bauten sind im Westen vergleichsweise weniger abgerissen worden. Da ist die Proportionalität eher umgekehrt. An der stadtbildprägenden Hamburger Michaeliskirche schrammt die Ost-West- (Ludwig-Ehrhard-)Straße vorbei, für den Ausbau der Wilhelm-Külz- (Breiten) Straße wurde die Garnisonkirche abgerissen.

    Eine einsame Entscheidung. Von W. U.

  3. 13.

    Die ev. Kirche Berlin-Brandenburg schlesische Oberlausitz hat damals zwei junge Theologen, Martin Vogel und Gregor Hohberg, damit beauftragt, sich mit dem Kirchbau zu beschäftigen. Heraus kam ein Versöhnungskonzept, das die Fronten aufbrach. Es ist mit Grundlage dieser Arbeit, weshalb die ev. Kirche jetzt einen Kredit bereitgestellt hat, der suksessive zurückgezahlt wird.

    Andere indes haben von ihren Fronten nicht gelassen. Das ist schade.

  4. 12.

    Damals hat es die evangelische Landeskirche Berlin - Brandenburg - schlesische Oberlausitz gefordert, und ich muss ja nicht zeitnah alles wiederkäuen, was andere in die Diskussion einbringen.

    Jetzt hatte ich befürchtet, das aus Geldmangel vielleicht doch noch grosse Kröten geschluckt werden.

    Aber, wenn dem nicht so ist - um so besser.

  5. 11.

    Ich empfehle, sich einfach mal mit historischen Tatsachen zu befassen. Nach Kriegsende wurden in West wie in Ost beim Wiederaufbau in großem Umfang historische Gebäude abgerissen. Zeigte u.a. die ARD-Doku „Unsere Städte nach ´45“, die Anfang des Jahres ausgestrahlt wurde. Der Zeitgeist war in West wie in Ost gerichtet auf Modernisierung, nicht Restaurierung. Das mag man bedauern, war aber so. Verantwortlich für den Wiederaufbau der Garnisonkirchenruine war die evangelische Kirche, aber von 1945 bis 1968, also 23 Jahre, ist nichts passiert. Warum nicht? Wenn also im Westen in den 1950er und 1960er Jahren historische Bauten der Städtemodernisierung zum Opfer fielen, dann war das Zeitgeist. Im Osten war es natürlich immer Willkür und SED-Unrecht.
    Im Übrigen bietet das Mercure einen guten Sichtschutz gegen den häßlichen gelben Bahnhofsklotz und den völlig ins Wasser gefallenen Badneubau. Unten hui, oben pfui, das scheint der Zeitgeist der Potsdamer Baupolitik heute zu sein.

  6. 10.

    Ich bin römisch-katholischer Konfession und der Meinung, dass eine Synagoge zu Postdam bedeutend besser passt als ein Neubau der enorm geschichtsbelasteten Garnisonskirche, zumal die SoldatInnen der Bundeswehr die Pfarrkirchen am Standort Potsdam besuchen können.

  7. 9.

    Seien Sie beruhigt, Herr Buntrock:

    Die von Ihnen geforderte kritische Ausstellung ist auch jetzt schon da und sie wird - auch aufgrund des Volumens des Kirchturms - in noch erweiterter Form dort Platz finden. Natürlich haben Sie immer die Möglichkeit eines Ausstellungsbesuchs und die Möglichkeit, sich entsprechende Infozettel mitzunehmen, aus denen Sie ersehen können, dass bereits gemacht wird, was Sie jetzt (erst) fordern.

  8. 8.

    "... immer noch die einzige Landeshauptstadt ist, die keine Synagoge hat. Warum baute man diese nicht schon längst an altem Ort auf?"

    1. Weil dort ein Nachkriegs-Wohnbau samt Gedenkplatte steht, den weder diejenigen, die die DDR angeblich baulich niedermachen wollen, nicht abreißen wollen, noch
    2. die jüdischen Gemeinden in Potsdam dies tun wollen.
    Stattdessen gibt es das Vorhaben, eine Synagoge an der Schloßstraße zu errichten, näher noch dran am Alten Markt,
    3. mit Signalisierung der Unterstützung von Stadt und Land, aber
    4. bei ausgesprochener Nichteinigung der beteiligten jüdischen Gemeinden bisher. Dies betrifft die Frage des Gemeinderaums und der Architektur des Gebäudes. Sollen nun Stadt und Land, die von jüdischen Gemeinden als Nachfolgegebietskörperschaften der Täter begriffen werden, einfach eine Einigung per Zwang verfügen?

  9. 7.

    "Die aber sicher dem Willen der Bürger entsprachen,..."

    ... Die Eingabe eines verdienten Bürgeraktivs wird sich doch gewiss aus den Akten hervorzaubern lasssen.

  10. 6.

    Ich freue mich, dass Potsdam wieder zu einem weiteren Wahrzeichen kommt. Auch wenn mir selbst das nicht unbedingt gefällt: Potsdams Geschichte ist mit Militärgeschichte verwoben und sie aus der Stadt zu eleminieren, ist nichts anderes als ahistorisch.

    Der Bau war Vorbildbau des Frühbarock, d. h. unzählige Kirchen wurden nach diesen Proportionen und in ähnlicher Gestaltung errichtet, nicht nur in Brandenburg, vielmehr im ganzen Gebiet, was wir jetzt im Nachhinein als Deutschland und Mitteleuropa bezeichnen. Die Kirchenvereinigung zwischen den Lutheranern und den Reformierten fand in diesem Bau statt und so ist es wunderbar, dass es 2017, 500 J. nach Luther und 200 J. nach der Kirchenvereinigung endlich losgeht.

    Da, wo ein Bau sichtbar zur Höhe kommt, wird es an Spenden gewiss NICHT fehlen.

  11. 5.

    Vielen Dank für Ihre Hinweise. Vor allem, daß wir jetzt wissen, wie man sich problemlos dieses architektonisch belanglosen, städtebaulich aber störenden Hotelklotzes an der Langen Brücke entledigen kann: Einfach eine Fernwärmeleitung bauen, die rein zufällig leider, leider nur dort entlanggeführt werden kann, wo sich jetzt diese Perle sozialistischer Baukunst erhebt. Und wenn es dafür dann noch eine schöne Entschädigung gibt, kann sich eigentlich keiner über den Abriß beschweren.

    Was können Sie uns übrigens zu den dringenden Gründen für den Abbruch von Stadtschloß (in Potsdam, in Berlin) oder Paulinerkirche in Leipzig berichten? Die aber sicher dem Willen der Bürger entsprachen, der in der Bundesrepublik bekanntlich seit und je ignoriert wird.

  12. 4.

    Wie wahr, wie wahr! Bürger´s Meinung interessiert in Potsdam schon lange nicht mehr. Es ist mehr als makaber, dass ausgerechnet die Garnisonkirche wieder aufgebaut wird, Potsdam aber im Jahre 72 nach Kriegsende immer noch die einzige Landeshauptstadt ist, die keine Synagoge hat. Warum baute man diese nicht schon längst an altem Ort auf?

  13. 3.

    Ist doch klar, das hier eine Salamitaktik angewendet wird, erst mal anfangen zu bauen, dann jammern über den unvollendeten Bau und dann werden sich sicher weitere Spenden oder Gelder von staatlichen Stellen fließen, die die benötigten Millionen zuschießen. Ach ja, gerade gab es wieder ein Votum des Potsdamer Bürgerhaushaltes. Auf Platz 1 mit weitem Abstand und über 11.000 Stimmen: keine Geld der Stadt Potsdam für den Aufbau der Garnisonkirche. War in den vergangenen Jahren auch schon so. Aber wen interessert schon die Meinung der Bürger.
    Und noch was: soweit bekannt ist, erhielt die Kirchengemeinde für den Abriss der Ruine eine hohe Entschädigung. Und der Abriss kam nur ins Rollen, weil Platz für eine Fernwärmeleitung für die Versorgung neuer Wohngebäude gebraucht wurde. Kurz: alles SED-Willkür.

  14. 2.

    Wer hinter jedem alten Kirchturm Nazis sieht sollte mal sein Unbewusstes näher ergründen . Vielleicht geht's um ganz andere Geschichten welche sich hinter solchen Klischees verbergen . Ihr Deutschen seid doch Hektiker. Auf euer Wohlbefinden.

  15. 1.

    Was heisst "Finanzierung in der Grundvariante"?

    Wenn dazu nicht die geplante kritische Ausstellung über die Vergangenheit des Bauwerkes gehört, ist das ganze die Bedienung eines militaristischen und nationalsozialistischen Mummenschanzes. Es wäre dann geradezu abscheulich, das sich auch noch die Kirche an der Finanzierung beteilligt. Ich hoffe, man stellt sich nicht schon auf möglicherweise kommende Machtverhältnisse in Deutschland ein.

    Über eine Antwort würde ich mich (je nach Inhalt) vielleicht freuen. Dazu ist das Online - Forum auch da.

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