Archivbild: Sänger Blixa Bargeld tritt mit seiner Band Einstürzende Neubauten auf dem Flowers Festival 2017 in Collegno, Italien auf. (Quelle: imago/Alessandro Bosio)
Bild: imago/Alessandro Bosio

Konzertkritik | Einstürzende Neubauten in der Columbiahalle - Opa Blixa erzählt von früher

Stahlschlagzeug, Waschmaschinen, Winkelschleifer - nichts was die "Einstürzenden Neubauten" in 37 Jahren Bandgeschichte nicht als Instrumente benutzt hätten. Am Dienstag führten sie ihr Arsenal in der Columbiahalle vor. Susanne Bruha war dabei.

Wenn man einer Band beim würdevoll Altern zugucken will, ist man bei den Neubauten an der richtigen Adresse. Sänger Blixa Bargeld - wie immer im dreiteiligen schwarzen Glitzer-Anzug und Bassist Alexander Hacke treten in der Columbiahalle barfuß auf, N.U. Unruh, der Percussionist hält vor sich eine hellblaue Plastiktonne - beides hat Stil. Zurückgenommen und mechanisch in allen Bewegungen starten sie mit dem ersten Lied vom 96er Album "Ende Neu". The Garden.

Von alltäglich banal bis surrealistisch-pathetisch

Mitte der 90er, die langjährigen Mitglieder Mark Chung und FM Einheit waren ausgestiegen, hatte der Pop die "Einstürzenden Neubauten" ereilt. Vorbei war's mit experimentell-industriellem Geräusch-Schockgewittern auf Metallschrott. An diesem "Greatest Hits"-Abend, was bei dem Stil der Band ja nur ironisch gemeint sein kann, gibt es dann nur ein Lied aus der früheren Neubauten-Phase: Haus der Lüge. Bargeld schreit markerschütternd, Schlagzeuger Rudolf Moser haut auf die riesigen Stahlteile seines immer noch nicht ganz herkömmlichen Schlagzeugs und N.U. Unruh arbeitet sich mit Holzlatten auf einer Blechkiste ab. Alles unter den selig lächelnden Blicken der Fans der ersten Stunde, Männer und Frauen Ende 50.

Der Rest der Songs an diesem Abend stammt aus diesem Jahrtausend. Der Sound ist deutlich ruhiger, filmischer, konzeptionierter, im Vordergrund stehen Bargelds Texte. Poesie, die oft mit alltäglichen Banalitäten beginnt und surrealistisch-pathetische Wendungen nimmt.

Opa Blixa erzählt von früher

Anderthalb Stunden und dann noch mal eine dreiviertel für die Zugaben spielen Bargeld und seine Kollegen, und sie kommen dabei immer mehr rein. Opa Blixa erzählt Geschichten von früher und N.U.Unruh greift tiefer in die Geräuschekiste, Plastikrohre, Bohrmaschine und allerlei Gerümpel kommen zu Gehör, es gibt immer was zu gucken. Aber das Beste ist, zu hören gibt es diesen klaren neueren Sound der Neubauten, keine Inszenierung als museale Geräuschedinosaurier, sondern eine zeitlos-spannende Band mit beeindruckendem Fundament.

Sendung: Inforadio, 15.11.2017, 06:55 Uhr

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13 Kommentare

  1. 13.

    Oh je,muß sofort Korrigieren,denn Blixa mag es gar nicht als "Kultfigur" hingestellt zu werden.Sorry Blixa.

  2. 12.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar.Ich habe vor sehr,sehr langer Zeit i.d.80erJahren ein Konzert der EN im Metropol am Nolli gesehen und da war noch das Publikum zwiegespalten,buhte teilweise,was Blixa dazu veranlasste zu Fragen: wollt ihr das wir weiterspielen? Ich schrie wie viele im Saal JA und es ging weiter.Blixa ist Kult,auch wenn hier so einige das überhaupt nicht nachvollziehen können.

  3. 11.

    Nachdem die Kommentare hier zum großen Teil Privatfehde waren, hier noch mal was zum Thema: ich habe gemeinsam mit meiner Tochter EN zum ersten Mal Live gesehen und wir waren begeistert. Blixa Bargeld´s Stimme, Hackes Bassspiel und zwischendurch schöner Lärm. Was will man mehr. Waren halt viele alte Leute (wie ich) da, mir kam es vor, als ob sich manche nicht genügend entertaint gefühlt haben. Stimmung muß man wohl selber machen....

  4. 10.

    Ich war auch bei dem Konzert dieses Blixa Bargeld und gebe Ihrer Einschätzung des Abends Recht: Es war das Bargeld nicht Wert.
    Auch gebe ich dem@ rbb24-Team Recht: man muss sich über @Lotte nicht auslassen.

  5. 9.

    Vielen Dank für Ihren Hinweis.
    Ich sehe in diesem Zusammenhang von weiteren Kommentaren ab.Habe mich zu Ihren Bericht in Kommentar(1)geäußert.Das soll auch genügen.

  6. 8.

    Liebe Lotte, danke für den Hinweis! Wir weisen hier noch einmal auf unsere Netiquette-Regeln hin: https://www.rbb-online.de/hilfe/hilfe___kommentarfunktion.html Kommentare müssen sachlich und kurz sein, sich auf das Thema des Beitrags beziehen und dürfen keine anderen Personen beleidigen, entwürdigen oder diskriminieren. Beste Grüße!

  7. 7.

    Lieber Manfred Naumann, bitte bleiben Sie sachlich und beim Thema des Beitrags, wenn Sie andere Kommentatoren ansprechen. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die nicht unserer Netiquette entsprechen: https://www.rbb-online.de/hilfe/hilfe___kommentarfunktion.html Viele Grüße!

  8. 6.

    Liebes rbb24 Team,
    bitte verschonen Sie mich mit der blanken Häme gegen mich,was nicht anders zu erwarten ist.Diese beruht nur auf Lügen u.Unterstellungen.Vielen Dank.

  9. 5.

    Auch wenn i.Blixa aus den 80er Jahren kenne,muß das noch lange nicht heißen,dass ich weiterhin Kontakt zu ihm habe.Oder spricht da der Neid mit?Und was soll diese dümmliche Unterstellung,ich sei im Konzert gewesen?Kann nichts dafür,wenn das Konzert "mies"für Sie ausfiel..Meinen Kommentar einfach nochmal entspannt Lesen.

  10. 3.

    rbb24 Team,

    passte mein Kommentar nicht ins Bild der ewig Klatschenden? Oder warum dauert die Freigabe so lange?

  11. 2.

    Dachte, gehst mal hin. Karte geschenkt bekommen, weil ich Blixa Bargeld in den frühen Neunziger das eine oder andere Mal mit den Neubauten und auch mit Nick Cave gehört habe.
    Gestern war es nur ein Abklatsch.
    Wovon, überlegte ich auf dem Nachhauseweg.
    Von nichts.
    Kramphaftes Festhalten an vergangene, sicherlich ruhmreiche und innovative Zeiten.
    Irgendwie erinnerte es mich an eine alternde Blue Man Grup, die durch die eigene Schwerhörigkeit den Zuhörer durch Lautstärke martretierten und auf ihre eigene Gehörlosigkeit herunter zogen.

    Nun gut, einen geschenkten Gaul (die Eintrttskarte) schaut man nicht ins Maul.
    Auch hätte ich gewarnt sein müssen: Karten wurden wie warme Schriften angeboten.

    @Lotte wird es gewiss anders sehnsüchtig, schließlich kennt sie ja Blixxi (wie man ihn im Freundeskreis nur nennt)persönlich und War sicherlich gestern auch in dem, ....äh..... Konzert (?) gehört.

  12. 1.

    Und nein,ich war nicht im Konzert.Aber soviel sei erlaubt.Bedauerlich finde ich es schon,das die Einstürzenden Neubauten mit"Opa Blixa"nicht im Berghain aufgetreten sind.Allein schon die Räumlichkeiten Ständen der Band näher als die Columbiahalle.Vielleicht ein anderes mal?

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