Sänger Robin Pecknold von den Fleet Foxes beim Konzert (Quelle Archivbild: imago/Leila Navidi)
Audio: Inforadio | 14.11.2017 | Susanne Bruha | Bild: imago/Leila Navidi

Konzertkritik | Fleet Foxes in der Columbiahalle - Einmal quer durch die USA

Die Fleet Foxes machen nicht einfach nur melodischen Folkpop. Am Montagabend stellte die Band das überzeugend in Berlin unter Beweis: Neben 1960er-Jahre-Surf gab es Country - und den typischen Harmoniegesang. Von Susanne Bruha

Fleet Foxes - das sind zu Deutsch die "flotten Füchse". Kein so passender Name für eine junge deutsche Band. Aber die Fleet Foxes stammen ja auch aus den USA. Es gibt sie seit zwölf Jahren und genauso lange spielen sie von der Kritik gefeierten Folkpop. Am Montagabend waren sie in der Columbiahalle.

Die Musik von Fleet Foxes melodischen Folkpop zu nennen, greift zu kurz. Bei diesem fast zweistündigen Konzert zeigt die Band aus Seattle ausufernd, was sie unter der Selbstbeschreibung "baroque harmonic pop jams" versteht.

Es kann auch mal anstrengend klingen

Gleich Stück eins kommt mit einem massiven Gitarrenteppich daher, einer Effektparade auf der etwas quäkigen Stimme des engagiert singenden Songschreibers Robin Pecknold. Der dann unterstützt wird von seinen Kollegen, mit chorischem Gesang und im Mittelteil mit einem treibenden Beat. Die Lichtshow kommt jetzt einem optischen Gemetzel nahe, bis sich das Stück nach sieben Minuten tatsächlich barock pompös entlädt in Regenrohr-Urwaldrauschen. Und auf der Leinwand hinter der Band mischen sich passend Batikfarben: friedlich, sanft, versöhnlich.

Mit Anfang 30 vergleichsweise blutjung spielen die Fleet Foxes ein von traditionellen Einflüssen durchdrungenes musikalisches Best of USA: 1960er-Jahre-Surf und Psychedelic-Pop-Folk wird angereichert mit Choralmusik, sakralem Gesang und Noise. Unterschiedlichste Gitarren, Kontrabass, Saxophon, Trompete, Querflöte, Schellen.

Das kann schon auch mal anstrengend klingen, aber das hübsche Berliner Akademiker-Publikum sieht ohnehin nicht so aus, als würde es sich mit allzu einfachen Melodien abspeisen lassen wollen. Aber es taugen dann doch noch ganz schön viele Songs dazu, sich in seinen herbstlichen Wollmantel einzumummeln und mit nackten Füßen vorm Kamin zu tanzen.

Am Ende entlädt sich der Beat versöhnlich

Aber es bleibt nie gefällig. Es dauert es auch mal wieder etwas bis zum nächsten Beat, ein Country-Liedchen zieht sich beispielsweise über Minuten, aber dann wird der Sound scheppernd und aufreibend groß, steigt zur Hymne an und entlädt sich am Ende wieder versöhnlich. Ein ziemlich überzeugendes Rezept einer überzeugenden Band.

Beitrag von Susanne Bruha

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