Fotografien im New Bauhaus (Quelle: rbb)
Audio: Inforadio | 14.11.2017 | Anna Pataczek | Bild: rbb

"New Bauhaus Chicago" im Bauhaus-Archiv - Die Entdeckung der Schönheit im Banalen

Bald schließt das Bauhaus-Archiv in Berlin für einige Jahre - der Museumsbau von Walter Gropius wird saniert und nebendran ein Neubau errichtet. Jetzt gibt es noch einmal eine große Ausstellung: Fotografie aus dem "New Bauhaus Chicago". Von Anna Pataczek

Aus der Ferne sieht es aus wie ein leuchtender Frosch - und aus der Nähe ist zu erkennen: Auf dem Schwarzweißbild ist ein Neugeborenes abgebildet. Bei der Fotografie handelt es sich um eines der Lieblingsobjekte der Kuratorin der Ausstellung, Kristina Lowis. Der Fotograf Charles Swedlund hatte seinen neugeborenen Sohn auf Fotopapier gelegt - und dann belichtet, wie Kristina Lowis berichtet.

Es ist ein typisches Bild für die Ausstellung "New Bauhaus Chicago", die seit Dienstag und noch bis zum 5. März 2018 im Berliner Bauhaus-Archiv läuft. Den Lehrern und Schülern dort ging es seit seinen Anfängen in den 30er Jahren immer um das Experiment. Fotografie ist hier ein Spiel mit dem Licht und mit der Mehrfachbelichtung, mit Hell, Dunkel, Schärfe, Unschärfe mit chemischen Prozessen, optischen Effekten, Spiegelungen. Die meisten Exponate sind aus der eigenen Sammlung des Bauhaus-Archivs, die die größte außerhalb der USA ist.  

Serie mit Gullydeckeln

Lichtwerkstatt, so hieß die Foto-Klasse anfangs in Chicago. Die Schüler wurden auf die Straße rausgeschickt - oft mit einer Aufgabenstellung: Zum Beispiel: "Menschen ohne Menschen" oder "Es ist nicht alles Gold, was glänzt". Zu diesem Motto ist zum Beispiel eine Serie mit Gullydeckeln entstanden, die in der Sonne glänzen. Auf einem Foto sieht man die Fotografin, wie sie sie fotografiert. So unterschiedlich die Motive auch sind - eines verbindet sie alle, sagt Kuratorin Kristina Lowis. "Der rote Faden besteht in der Ermutigung, seinen eigenen Ideen in der Fotografie hinterher zu gehen. Aber ich würde nicht sagen, dass es einen ästhetischen roten Faden gibt."

New Bauhaus Gründer László Moholy-Nagy forderte und förderte das so genannte "Neue Sehen", und das zeigt sich auch in einem eigenen Kapitel zu Chicago. Die Stadt war immer wieder Motiv der Bauhaus-Fotografen. Sie entdeckten Schönheit im Banalen, in Hochhausfassaden, die so aufgenommen wurden, dass sie ein zweidimensionales grafisches Muster ergeben, oder im scharfkantigen hell-dunkel Schattenspiel der Hochhausschluchten.

In der Ausstellung ist ausnahmslos jedes Bild besonders, der außergewöhnliche Blick der Künstler überraschend. Eine sehr sehenswerte Schau - die schon der erster Auftakt zum großen Jubiläum 2019 sein soll. Dann wird das Bauhaus 100 Jahre alt.

Experimentierfreudige Werkstatt-Atmosphäre

Beitrag von Anna Pataczek

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