Alison Moyet bei einem Konzert in Stockholm (Quelle: imago/Helena Larsson)
imago/Helena Larsson
Audio: Inforadio | 12.12.2017 | Nadine Kreuzahler | Bild: imago/Helena Larsson

Konzertkritik |Alison Moyet im Huxleys - Da oben steht und tanzt eine Diva

Ihre ganz große Zeit hatte Alison Moyet in den 80er Jahren. In den 90ern wurde es ruhiger um sie. Doch inzwischen veröffentlicht sie regelmäßig Solo-Alben und tourt. Nun war sie im Berliner Huxleys Neue Welt zu Gast. Von Nadine Kreuzahler

Alison Moyet lässt ihre Fans nicht lange auf alte Hits wie "Only You" aus Yazoo-Zeiten warten. Nebel wabert über die Bühne, Lichtstrahlen durchschneiden ihn, es leuchtet pink, lila, grün. Mitten in dieser dramatischen Kulisse: Alison Moyet in einem schwarzen, langen, hochgeschlossenen und eng anliegenden Kleid. Diva, schießt es einem sofort durch den Kopf, da oben steht und tanzt eine Diva. Im positiven, altmodischen Sinne, Diva wie göttlich, selbstbewusst, stark.

Dabei ist das Setting, mit dem Alison Moyet antritt, denkbar bescheiden. Sie wird umrahmt von zwei Musikern. Die spielen mal E-Gitarre, mal Keyboard und Piano, die Beats aber sind programmiert. Im Zentrum steht die markante, dunkle Stimme von Alison Moyet.

Moyet lebt jetzt in Brighton

Moyet, mittlerweile 56, Mutter dreier Kinder und schon Großmutter - das erzählt sie lachend zwischen zwei Songs - tourt mit ihrem neuen Album "Other". Es ist ein elektronisches Album - "ProgPop", so hat sie es selbst in einem Interview genannt. Es sind Songs zwischen Drama und Ekstase, zwischen Nachdenklichkeit und Gelassenheit. "The Rarest Birds" ist der LGBTQ-Community gewidmet, der sie sich seit ihren Zeiten als junge Punk-Frau immer verbunden fühlte, und er handelt von ihrem neuen Zuhause, der englischen Küstenstadt Brighton, wo jeder sein darf, was und wie er möchte, so Moyet.

"Other" feiert das Anderssein. Alison Moyet hat sich immer anders gefühlt. Als Mädchen und junge Frau, erzählt sie beim Konzert, habe sie darunter gelitten. Sie war erst Anfang 20, als sie mit Vince Clark und Yazoo berühmt wurde. Und sie entsprach, dick und menschenscheu, überhaupt nicht dem gängigen Bild eines Popstars. Heute, als Frau mittleren Alters, sagt sie und breitet ihre Arme aus, nach dem Motto: schaut mich an, das bin ich, heute sei sie gerne anders. Da steht eine Frau die mit sich im Reinen ist, gelöst und befreit und mit gutem Draht zum Publikum. Das steckt an.

Als Rausschmeißer gibts "Don't Go"

Auch musikalisch ist das alles gut und abwechslungsreich. Viele Balladen, dramatisch, theatralisch, auch mal am Kitsch kratzend, knackig produzierte Elektronummern, rockige Töne und: alte Hits natürlich. Die verteilt Alison Moyet diplomatisch über den ganzen Abend. Als Rausschmeißer gibt's die 80er-Hymne "Don't Go" - und das möchte man ihr einfach nur zurückgeben: "Dont' Go" – "Geh noch nicht."

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren