Berliner Staatsoper kehrt zurück in ihren Musentempel (Quelle: dpa/Gordon Welters)
Video: Abendschau| 07.12.2017 | Petra Gute | Bild: dpa/Gordon Welters

Zum 275-jährigen Bestehen - Berliner Staatsoper kehrt zurück in ihren Musentempel

Sieben lange Jahre hat das Charlottenburger Exil gedauert, doch nun ist die Staatsoper wieder da, wo sie hingehört: in ihrem Stammhaus am Boulevard Unter den Linden. Am Donnerstag, zu ihrem 275. Geburtstag, wurde sie feierlich wiedereröffnet. Von Sigrid Hoff

In der Berliner Geschichte, aber auch in der Musikgeschichte Deutschlands ist der 7. Dezember ein ganz besonderes Datum: An diesem Tag, im Jahr 1742, wurde das erste freistehende Musiktheater Deutschlands eröffnet. 275 Jahre später feierte die Staatsoper Unter den Linden diesen Geburtstag mit dem Wiedereinzug in ihr Stammhaus - nach sieben Jahren Exil in Charlottenburg.

"Wir sind alle wahnsinnig glücklich"

Denn auch nach der vorläufigen Eröffnungswoche Anfang Oktober musste das Haus noch einmal schließen, zu viele Reparaturen und Restarbeiten waren noch zu erledigen. Und auch jetzt, zum Geburtstag, werden die Handwerker nicht ganz verschwunden sein: Handläufe, die noch anzubringen sind - Steckdosen, die noch verlegt werden müssen - Schränke, die fehlen - die Liste ist lang.

Matthias Schulz, Ko-Intendant und ab April 2018 Chef der Staatsoper, schaut von seinem Büro im Intendanz-Gebäude neben der Hedwigskathedrale noch immer auf ein Gebirge aus Baucontainern: "Es ist schon heftig, was noch an Details zu tun ist", seufzt der 40-jährige geborene Münchner. "Wir sind alle wahnsinnig glücklich, wieder im Haus zu sein, aber die Flexibilität, die von allen verlangt wird, ist schon groß." Der Kulturmanager Schulz, der zuvor die Stiftung Mozarteum in Salzburg leitete, arbeitet schon jetzt an der Seite von Intendant Jürgen Flimm - bis zu dessen Ausscheiden im kommenden Jahr.

Friedrich II. gab das Opernhaus in Auftrag

Von außen erstrahlt das Opernhaus am Linden-Boulevard in barockem Rosa. Auch, wenn noch die letzten Gehwegplatten vor dem Haupteingang verlegt werden und man die Tickets noch provisorisch in Containern erwerben muss: das Haus ist in den Stadtraum zurückgekehrt. Die offizielle Übergabe an die Staatsoper erfolgte in der vergangenen Woche. Doch es gibt zahlreiche Restarbeiten zu erledigen. Immerhin ist das Gebäude eine alte Dame, die jetzt im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Saaldecke der Staatsoper ist fertig

Es war der musikbegeisterte Preußenkönig Friedrich II., der die Errichtung des ersten freistehenden Opernhauses in Auftrag gab. Sein Hofbaumeister Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff entwarf das Gebäude an den Linden, die damals noch ein einfacher Reitweg waren. Es entstand ein gut proportionierter Bau, orientiert an den Villen des italienischen Baumeisters Palladio, als "Musentempel" den Künsten geweiht. Die Inschrift am Giebel der säulenbestandenen Front verkündet in goldenen Lettern: "Fridericus Rex Apollini et Musis" – von König Friedrich, Apoll und den Musen gewidmet. Ein meterhoher Apoll, flankiert von den Musen des ernsten und heiteren Spiels, wacht über dem Eingang.

Von Mendelssohn-Bartholdy bis Barenboim

In fast drei Jahrhunderten wurde hier Musikgeschichte geschrieben. Zunächst waren es vor allem Opern des Hofkapellmeisters Heinrich Graun, die den Ton angaben. Dessen "Cleopatra e Cesare" wurde zur Einweihung 1742 gegeben; später erlebten Werke von Johann Friedrich Reichardt, Giacomo Meyerbeer und Richard Strauß unter den Linden ihre Uraufführung. Daneben zählten auch Felix Mendelssohn-Bartholdy, Erich Kleiber, Otto Klemperer, Herbert von Karajan und Otmar Suitner zu den großen Dirigenten des Hauses - bis hin zum heutigen Musikchef Daniel Barenboim.

Die Staatskapelle, das Hausorchester der Lindenoper, wurde bereits 1570 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und ist eines der ältesten Orchester der Welt. Matthias Glander, seit 1983 Mitglied, wurde noch zu DDR-Zeiten von Otmar Suitner an die Lindenoper geholt. "Das ist ein Dirigent gewesen, der ganz stark aus der deutsch-österreichischen Musikkultur gewachsen ist", erinnert sich der Solo-Klarinettist, "wir haben mit ihm wunderbare Konzerte und Tourneen sogar nach Japan gemacht, und ich bin dankbar, dass Barenboim das weiterführt."

Angehobene Saaldecke verlängert Nachhall um eine halbe Sekunde

Maestro Barenboim war es auch, der eine der größten Herausforderungen für den Umbau initiierte: die Verbesserung der Saalakustik. Ursprünglich sollte das Problem des fehlenden Nachhalls durch einen radikal modernen Umbau des Zuschauerraums gelöst werden, den Barenboim und der Berliner Senat in einem Wettbewerb 2008 favorisiert hatten. Doch dann setzte sich der Denkmalschutz durch und der neoklassizistische historische Saal, von Richard Paulick nach den Zerstörungen des Kriegs entworfen, blieb erhalten.

Matthias Glander freut sich: "Was der Paulick geschaffen hat, in den 50er-Jahren, ist schon kongenial, er hat eine wunderbare Synthese gefunden, das Haus funktionsfähig zu machen und in seiner Begrenztheit zum Leben zu bringen." Durch das Anheben der Saaldecke um vier Meter und den Einbau einer Nachhallgalerie konnte die Akustik verbessert werden. Der Staatskapellen-Solist hat bereits erste Erfahrungen sowohl im Sinfonie-Konzert auf der Bühne als auch im Orchestergraben sammeln können und ist begeistert: "Es war ein unglaublich tolles Gefühl, dass der Klang plötzlich lebt, man spielt hinein und spürt, wie er sich im Raum entfalten kann."

"Die modernste Technik der Welt"

Radikal modernisiert und mit neuer Technik ausgestattet, wurde hingegen die Bühne. Inspizient Udo Metzner sitzt jetzt an einem Pult mit 160 Knöpfen, über die er den gesamten Ablauf während der Aufführung steuern kann. "Wir haben die modernste Technik der Welt zurzeit, aber die müssen wir erstmal beherrschen. Wir lernen immer noch dazu", gesteht er.

Nicht nur die Einarbeitung in die neue Technik wird noch eine Weile in Anspruch nehmen. Auch die Fertigstellung der letzten Arbeiten zieht sich bis ins kommende Jahr hin. Das hat aber an der Lindenoper Tradition: bei der Eröffnung im Dezember 1742 war das Haus zum Teil noch ein Rohbau und musste noch einmal schließen. Endgültig fertig war es erst im Oktober 1743. Deswegen steht auch diese Jahreszahl in goldenen römischen Ziffern am Giebel über dem Haupteingang.

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