Johnny(Paul „Sido“ Würdig) wartet an der Weltzeituhr. (Quelle: rbb/Lukas Juzenas)
Bild: rbb/Lukas Juzenas

Tragikomödie im Ersten: "Eine Braut kommt selten allein" - Sido wird zum highen Hartz-IV-Empfänger

Erst Gangsta-Rapper, dann Familien-Papi in einem Kinderhörbuch und jetzt tragikomischer Hartz-IV-Empfänger: Paul Würdig, besser bekannt als "der Mann mit der Maske" alias Sido, hat seine erste Hauptrolle zur Primetime im Ersten. Als kiffender Loser.

Sie, Sophia, Roma: Gesicht verschleiert, im roten Hochzeitskleid mit abgeranzten Turnschuhen, spricht nicht seine Sprache und sitzt plötzlich vor seiner Tür. In seinem Block.

Er, Johnny, Deutscher: Holzfällerbart, die Hände und Arme mit schwarzer Tinte zugehackt, dauerzugedröhnter Möchtegern-DJ, Loser mit Hartz-IV.

Die Story: Sie spricht nicht seine Sprache, sie ist ihm eigentlich zu jung, sie entstammt einer vollkommen anderen Welt, sie liebt auch anders als er – und doch werden die beiden ein Paar.

Kurzum: "Eine Braut kommt selten allein".

Eine Braut kommt selten allein

Trostloser Kiffer trifft schrille Großfamilie

Das ist die Story zu Sidos aka Paul Würdigs erster Hauptrolle im Ersten zur besten Sendezeit kurz nach acht am Mittwoch. In "Eine Braut kommt selten allein" spielt der 36-Jährige den vom Leben enttäuschten Hartz-IV-Empfänger Johnny, dessen Leben sich über Nacht ändert, als er auf Sophia trifft. Die quartiert kurzerhand ihre ganze Familie aus Serbien bei ihm ein. Seine frisch von der Ex leergeräumte, kahle Wohnung plötzlich knackevoll und bunt.

Erster deutscher Fernsehfilm mit Roma im Mittelpunkt

Für Sido, der selbst Sinti-Wurzeln hat, war der Filmdreh eine "Herzensangelegenheit". Diskrimminierung aufgrund der Herkunft kennt er: "Ich bin ja ziemlich hellhäutig geraten. Aber meine Mutter wurde früher wegen ihrer dunklen Hautfarbe als Neger oder Kanake beschimpft." Als er dann ins MV, ins Märkische Viertel zog, habe sich das geändert. Sie waren dann nur eine Familie unter vielen mit Migrationshintergrund.

"Eine Braut kommt selten allein" ist der erste deutsche Fernsehfilm, der die Lebenswirklichkeit der Roma in den Mittelpunkt stellt. Wichtig, meint Sido: "Das ist eine Randgruppe der Randgruppen, die sehr wenig Aufmerksamkeit bekommt." Der in Istanbul geborenen Hamburger Regisseurin Buket Alakus ("Einmal Hans mit scharfer Soße", 2014) und Drehbuchautorin Laila Stieler ("Die Opfer - Vergesst mich nicht", 2.Teil der NSU-Trilogie im Ersten, 2016) spielen mehr als überspitzt mit Klischees, wenn die Romafamilie auf den Strich geht oder triefende emotionsüberladene Musik daherklimpert. All das schaffen die Filmemacherinnen unverstellt, wertfrei und ohne Scheu vor unangenehmen Wahrheiten.

Die Idee zum Film kam Stieler durch einen Zeitungsartikel, in dem sich ein junger Mann während einer Reise in eine Romni verliebt:  "Die beiden werden ein Paar, und er nimmt sie mit nach Deutschland. Über kurz oder lang reist ihre Familie ihr nach. Und dann beinahe das ganze Dorf."

Besetzung

Neben Sido spielt Michelle Barthel die weibliche Hauptrolle der Romni Sophia. In weiteren Rollen sind u. a. Petra Schmidt-Schaller als Johnnys Exfrau, Mitzi Kunz als Johnnys Tochter, Tristan Seith als Johnnys bester Kumpel Gerd, Rauand Taleb als Sophias Bruder Avram und Nedjo Osman als Sophias Vater zu sehen.

"Eine Braut kommt selten allein" ist der erste Fernsehfilm, den der Rundfunk Berlin-Brandenburg federführend für den "FilmMittwoch im Ersten" produziert. Künftig wird der rbb jährlich mindestens zwei Fernsehfilme für die ARD-Reihe produzieren. 

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Fehlt bloß noch eine Rolle bei Polizeiruf 110, Ice--T ist ja schließlich auch bei L&O SVU...

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