Wolfram Koch (vorne) steht mit Samuel Finzi in "Die Zofen" auf der Bühne des Deutschen Theaters (Quelle: imago/Metodi Popow)
Audio: Radioeins | 27.12.2017 | Bild: imago/Metodi Popow

Interview | Wolfram Koch in zwei Stücken am DT Berlin - "Ich werde nur noch Frauenrollen spielen"

Wolfram Koch, vielen bekannt als hessischer "Tatort"-Kommissar, ist derzeit in zwei Frauenrollen am Deutschen Theater zu sehen: "Die Zofen" und "Gertrud". Im Interview erzählt Koch, was ihn daran reizt, Komik und Tragik im Leben einer Frau zu spielen.

Der Schauspieler Wolfram Koch ist einem Millionenpublikum als hessischer "Tatort"-Kommissar Paul Brix bekannt. Derzeit steht er mit Samuel Finzi (bekannt als Psychologe Flemming aus der gleichnamigen ZDF-Serie) in "Die Zofen" auf der Bühne des Deutschen Theaters, in Frauenkleidung und Schminke. Vergangene Woche premierte auch noch das Stück "Gertrud" am Deutschen Theater – auch hier spielt Wolfram Koch mit. Diesmal nicht als Frau – aber in einem Stück über eine Frau.

Schauspieler Wolfram Koch (Quelle: imago/Future Image)
Wolfram Koch | Bild: imago/Future Image

rbb: Männer in Frauenkleidung auf Theaterbühnen – da denken viele an "Charly's Tante". Was reizt Sie daran, in dem Stück "Die Zofen" in Frauenkleidern auf der Bühne des Deutschen Theaters zu stehen?

Wolfram Koch: "Charly's Tante" finde ich grundsätzlich gar nicht mal so schlecht (lacht). Bei den "Zofen" ist es einfach so, dass Jean Genet es sich wünschte, dass diese Frauenrollen von Männern gespielt werden. Damals in 1950er-Jahren war es eine gigantische Provokation, obwohl  bei Shakespeare nur Männer gespielt haben, die auch die Frauenrollen übernommen haben. Man vergisst immer, dass in der Zeit von William Shakespeare keine Frau auf der Bühne stand.

Bei Genet ist es so, dass ihn das Doppelgeschlechtliche interessiert hat: Männer mit Röcken spielen mit weiblicher Attitüde. Die Aufführung der "Zofen" wurde oft zu einem Travestie-Kabarett. Dann haben die Erben es tatsächlich verboten, dass Männer spielen sollten, sondern nur noch Frauen. Irgendwie haben sie es Samuel Finzi (spielt die Rolle der "Claire"), Bernd Stempel (spielt die Rolle der "Gnädigen Frau") und mir doch noch erlaubt, dass wir das als Männer in Frauen-Klamotten machen können.

Sie haben ja schon öfter mit Samuel Finzi zusammen gespielt. Zwar ist das Stück keine Komödie. Aber haben Sie sich nicht kaputt gelacht, als Sie sich in Frauenkleidern auf der Bühne gesehen haben?

Mit Samuel Finzi habe ich viel gespielt. Wir hatten schon Frauen-Klamotten an oder gar nichts, wie zum Beispiel in Stücken an der Volksbühne. Natürlich haben wir uns schlapp gelacht. Wir haben alle möglichen Perücken und Röcke ausprobiert. Letztendlich entstand aber ein Mann in Frauenkleidern.  

Man meint immer, es sei ein lustiges Stück, aber es ist gar nicht lustig. Es geht darum, dass die Unterschicht, also die Zofen und Diener, eine Revolte versuchen. Die Unmöglichkeit des Aufstandes ist letztendlich das Stück und das Spiel im Spiel im Spiel. Sie spielen im Grunde die ganze Zeit Revolution und merken, dass sie keine Chance haben, aus ihrer Situation heraus zu kommen. Das ist ein bisschen die Essenz von dem Stück.

Wolfram Koch (stehend) ist mit Almut Zilcher und Antonia Bill (sitzend) in "Gertrud" auf der Bühne des Deutschen Theaters (Quelle: imago/Martin Müller)Wofram Koch in "Gertrud" mit den Schauspielkolleginnen Almut Zilcher und Antonia Bill

Das nächste Mal sind Sie in "Die Zofen" am 3. Januar im Deutschen Theater zu sehen. Einen Abend später spielen Sie in dem Stück "Gertrud", auch hier steht das Schicksal einer Frau im Mittelpunkt. Was reizt Sie daran?

Ich hab manchmal das Gefühl, ich werde nur noch Frauenrollen spielen. Ich habe an der Volksbühne bereits in "Pfusch" mitgespielt, wo ich den halben Abend in Frauenkleidung steckte. Bei einem Einar-Schleef-Abend haben wir einen Monolog gebastelt, der hieß "Ich bin's, deine Mutter", da hatte ich auch ein Damenkostüm an. Das waren auch Texte letztendlich über die Mutter (Anm. d. Red.: gemeint ist die Mutter von Einar Schleef) oder aus dem Umfeld der Mutter.

"Gertrud" ist das größte Epos von Schleef. Da hat er im Grunde genommen ein einen Riesen-Wälzer über seine Mutter Gertrud geschrieben. Die Rolle der "Getrud" haben wir aufgeteilt: Almut Zilcher und Antonia Bill sind die anderen Spielerinnen, und ich spiele auf Grund der Kombination den etwas männlicheren Teil.

Wie machen Sie das eigentlich, den ganzen Text zu lernen, wenn Sie zwei Stücke parallel spielen?

Fragen Sie mich nicht. Das war furchtbar. Ich habe zurzeit neun Stücke parallel, aber wenn ich den Text drauf habe, dann habe ich ihn drauf. In dem Fall war es schwierig, weil ich nach der Premiere von "Die Zofen" noch zehn Tage Zeit hatte, den Text von "Getrud" zu lernen. Ich habe quasi in der Theatergarderobe gewohnt. Ich habe gelernt und gelernt und das Textbuch gegen die Wand geschmissen. Aber am Ende habe ich es doch geschafft.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Wolfram Koch führten Marco Seiffert und Tom Böttcher von Radioeins.

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