Volker Heises "Projekt 24h Jerusalem" (Quelle: zero one film/OSTKREUZ/Maurice Weiss)
Video: Abendschau | 10.12.2017 | Viktoria Kleber | Bild: zero one film/OSTKREUZ/Maurice Weiss

Ausstellung im Jüdischen Museum - Jerusalem - die Geschichte eines Symbols

Welche Religion darf die Stadt für sich beanspruchen? Dieser Streit um Jerusalem sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Die Ausstellung "Welcome to Jerusalem" im Jüdischen Museum thematisiert nun die Stadtgeschichte als Mix aus Religion, Politik und Alltag. Von Sigrid Hoff

Golden glänzt die Kuppel des Felsendoms unter blauem Himmel, der Tempelberg hebt sich aus dem Häusermeer der Altstadt, im Hintergrund ragen vereinzelt moderne Hochhäuser auf. Dieser Panoramablick auf Jerusalem bildet den Hintergrund eines jeden Korrespondentenberichts aus der heiligen Stadt. Und dieses Bild fehlt auch nicht in der aktuellen Ausstellung des Jüdischen Museums, die Jerusalem aus unterschiedlichen Perspektiven sehen lehrt.

Wir wollten zeigen, wie sich diese Stadt von den historischen Ursprüngen an entwickelt hat und was sie bis heute geworden ist.

Cilly Kugelmann, ehemalige Programmdirektorin

Ausschlaggebend für den Titel der Ausstellung, "Welcome to Jerusalem", war ein grünes Schild am östlichen Zugang zur Stadt, das in drei Sprachen – Englisch, Hebräisch und Arabisch – die Besucher begrüßt. "Wir wollten ein Thema nehmen mit einem anderen jüdischen Fokus als bisher", erklärt Cilly Kugelmann, bis zum vorigen Jahr noch Programmdirektorin des Hauses. "Wir wollten zeigen, wie sich diese Stadt von den historischen Ursprüngen an entwickelt hat und was sie bis heute geworden ist."

Schlaglichter auf Themen aus der Geschichte der Stadt

Dabei geht die Ausstellung konsequent multiperspektivisch vor. Dazu dient auch die Installation von Filmausschnitten, die in jedem Raum geradezu sinnliche Eindrücke des bunten Lebens auf Jerusalems Straßen vermitteln. Es sind Clips von der Langzeit-Dokumentation "24 h Jerusalem" von Volker Heise und Thomas Kufus.

In zehn Räumen wirft die Ausstellung Schlaglichter auf Themen aus der Geschichte der Stadt von der Zeit des Herodes bis heute. Im Zentrum der Schau geht es um Jerusalem als heilige Stadt und Sehnsuchtsort der drei monotheistischen Religionen, was Segen und Fluch zugleich ist.

Zentraler ausstellungsraum (Quelle: Jüdisches Museum Berlin/ Yves Sucksdorff)
| Bild: Jüdisches Museum Berlin/ Yves Sucksdorff

Modelle der heiligen Stadt in der zentralen Achse der Ausstellung

Gleich zu Beginn des Rundgangs demonstrieren Kartenausschnitte und Kupferstiche von Plänen die Versuche, Jerusalem als ideale Stadt zu präsentieren und alte Pilgerrouten aufzuzeigen. Der folgende Raum "Reise nach Jerusalem" ist mit christlichen Pilgerzeichen tapeziert, in einer Vitrine ist ein kostbar mit Silberbeschlägen und Perlmutt verziertes Modell der Grabeskirche aus dem 16. Jahrhundert zu sehen. Kleine gläserne Weihegefäße aus byzantinischer Zeit gehörten zu den Souvenirs jüdischer Pilger, ein persischer Kompass oder eine Pilgerflasche aus Keramik zu den Andenken muslimischer Touristen, für die Jerusalem mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee bis heute die drittwichtigste Stadt nach Mekka und Medina ist.

Die zentrale Achse der Ausstellung präsentiert Modelle der heiligen Stätten: die großformatige detailgetreue Darstellung des heiligen Bezirks des Islam und das Modell der Grabeskirche aus der Zeit Konstantins sind historische Arbeiten, das Modell der Klagemauer wurde eigens für die Schau aus Kork angefertigt. Auf Leinwänden über den Modellen verweisen Filmausschnitte auf den aktuellen Gebrauch dieser Stätten durch die jeweiligen Religionen heute.

Schlaglichter auf die Entwicklung Jerusalems

In rascher Folge wirft die Ausstellung in den Räumen dahinter Schlaglichter auf die Entwicklung Jerusalems im 19. und 20. Jahrhundert mit zahlreichen Fotos, unter anderem von der öffentlichkeitswirksamen "Palästina-Fahrt" Kaiser Wilhelms II. von 1898, der Handwerkersiedlung der Templer aus Württemberg. Gezeigt werden außerdem Dokumente des Zuzugs jüdischer Ansiedler aus Russland, ausgelöst durch die Pogrome der Zarenzeit um 1900. Beides sorgte dafür, dass Jerusalem sich rasch vergrößerte.

Thematisiert werden Konflikte und Auseinandersetzungen, von der Einrichtung des Britischen Mandats in Palästina ab 1920 über den UN-Teilungsplan und der folgenden Gründung des Staates Israels 1948, die Eroberung Ost-Jerusalems im 6-Tage-Krieg 1967 sowie zögerliche Friedensprozesse nach 1990, die immer wieder scheiterten. Exemplarisch verweist die Schau auch auf unterschiedliche aktuelle Positionen jüdischer Gruppierungen, die ebenfalls Konflikte heraufbeschwören, wie etwa die Tempelbewegung, die anstelle der Al-Aksa- Moschee einen neuen jüdischen Tempel errichten wollen.

Die aktuelle Auseinandersetzung über Jerusalem als der von den Israelis beanspruchten  Hauptstadt, die durch Donald Trumps Beschluss, die US-Botschaft in die Heilige Stadt zu verlegen, erneut angeheizt wurde, verleiht der Ausstellung eine unbeabsichtigte Brisanz. Die Kuratorinnen Cilly Kugelmann und Margret Kampmeyer zeigen mit dieser Schau, wie wichtig es ist, die Gründe zu kennen, die immer wieder zu neuen Spannungen führen.

Die Ausstellung "Welcome to Jerusalem“ wird bis Frühjahr 2019 gezeigt und ist eine Interimslösung für die Zeit der Schließung der alten Dauerausstellung, die seit 2009 zu sehen war und nun überarbeitet wird.

Beitrag von Sigrid Hoff

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 2.

    Die Kuppel der Al-Aqsa-Moschee ist nicht goldfarben. Gemeint ist sicherlich die des Felsendoms.

  2. 1.

    Vom Grundsatz her sollte eigentlich gelten:
    Je bedeutungsstiftender eine Stadt insgesamt ist, umso weniger eignet sie sich dazu, nationalstaatlich vereinnahmt zu werden. Auf gut Deutsch: Die Stadt ist "größer", als dass sie nationalstaatlich aufgeteilt oder in Besitz genommen werden könnte.

    Die Absurdität, Berlin zu teilen und eine Hälfte davon zur Hauptstadt eines Landes auszurufen, wurde deutlich dadurch, dass diese Hauptstadt genausowenig wie die andere Hälfte Teil des betreffenden Landes war. Vielmehr eben alliiertem Kontrollrecht unterstand. Ganz Berlin.

    Jerusalem ist zwar anders besetzt, doch hört die Teilung nicht dadurch auf, dass eine der "Bezüge" sich zum alleinigen erklärt. Nur durch eine geänderte Sichtweise, dass Verschiedenheit nicht zu Gegensätzen führen muss, sondern Herausforderung für eine Einheit sind.

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