Das Frau Luna Ensemble auf der Bühne im Tipi am Kanzleramt. (Quelle: Tphoto/Barbara Braun)
Audio: Inforadio | 12.01.2018 | Ute Büsing | Bild: Tphoto/Barbara Braun

Premierenkritik | "Frau Luna" - Stelzbock Sternschnuppe sabbert und schlabbert

Die Operette "Frau Luna" zelebriert Berliner Originale und erzielte damit großen Publikumserfolg. Nun feierte die Wiederaufführung im Tipi Premiere. Katharina Thalbach ist neu mit dabei – und konnte Ute Büsing vollauf überzeugen.

Bei Katharina Thalbach gerät der "Prinz Sternschnuppe", jener Schwerenöter, der allen Himmelsbewohnerinnen gerne nachstellt, zum Operetten-Kaspar. Die bekannte Schauspielerin bringt die ihr eigene deftige Note sehr passend in die Berlinische Posse ein. Mit großem Ensemblegeist wie all die anderen handverlesenen Solisten in dieser galaktischen Produktion.

Die kleine Frau fügt sich in den Reigen der knalligen Typen und ragt doch auch ein bisschen heraus. Mal wieder in einer geliebten Hosenrolle, hier der Variante höfisch, mit Spitzbärtchen und brummtief gelegter Raspelstimme, verkörpert die Verkleidungslustige eine Mischung aus Professor Unrat und Blaubart.

Tykwer, Buck und Riemann sitzen vergnügt im Publikum

Die Schlösser, die im Monde liegen, scheinen für diese Spielart des Prinzen Sternschnuppe nicht unbedingt geschaffen. Bei Thalbach trägt er viel Irdisches in sich, gerade auch im zunächst vergeblichen Begehren nach der strahlenden Frau Luna. Da wird schon mal gesabbert und geschlabbert, entfahren viehische Laute, vor lauter Lust, die nicht weiß wohin.

Auch im erotischen Ausdruck drückt die Schauspielerin und Regisseurin ja gerne mal dick auf die Tube. Das sichert der Wiederaufnahme zusätzliche Lacher und zusätzliches Publikum, das die Thalbach vom Boulevard kennt. Film-Kollegen wie Tom Tykwer, Detlev Buck, Katja Riemann und Sebastian Koch sitzen vergnügt in der Premiere.

gefundenes Fressen für die Kodderschnauze

Vom piefigen irdischen Luftmobilbauer Steppke in Lunas Gunst an den Rand gedrängt, hibbelt Thalbachs Prinz Sternschnuppe hilflos herum - bis er sich sein Sphärenmobil schnappt und beleidigt davon brummt. Soviel Brunft und Inbrunst zeigte Gustav Peter Wöhler, der sonst in dieser Rolle zu sehen ist, nicht.

Gelegentliche Variationen - jetzt auch mit Fausto Israel als außer Rand und Band geratener Venus, alternierend mit Cora Forst - peppen diese Unterhaltungskunstproduktion mit Dauerbrenner-Potenzial nochmal zusätzlich auf. Und für die Kodderschnauze Kathi Thalbach ist sie ein in jeder Hinsicht gefundenes Fressen. Wo sie aufläuft, da vibriert die Berliner Luft, Luft, Luft...

Beitrag von Ute Büsing

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