Tänzer von Les Ballets Trockadero De Monte im Admiralspalast in Berlin (Quelle: dpa/NurPhoto/Contini)
Audio: Inforadio | 10.01.2018 | Magdalena Bienert | Bild: dpa/NurPhoto/Contini

Tanzkritik | Les Ballets Trockadero in Berlin - So amüsant ist noch kein Schwan gestorben

Die mehr oder weniger stämmigen Herren von Les Ballets Trockadero als leichtfüßige Balletttänzerinnen in Tutu und Tüll sind ein Dauerbrenner auf den Bühnen der Welt. Jetzt gastieren sie im Berliner Admiralspalast - auf höchstem Niveau, findet Magdalena Bienert.

Es beginnt mit dem zweiten Akt von "Schwanensee". Zauberer Rotbart - der, der Prinzessin Odette in einen Schwan verwandelt hat - lässt am so genannten Schwanensee wilde Blitze zucken. Auftritt Prinz Siegfried und Gefolge mit Armbrust auf Schwanenjagd. Was sich hier nach einer klassischen Inszenierung zu Tschaikowskis berühmter Musik anhört, bricht das reine Männerballett immer wieder mit kleiner, feiner Komik.

Wenn ein Schwan aus der Reihe tanzt

Es ist ohne Bilder wirklich schwer zu beschreiben - denn es klingt nicht lustig, wenn ich sage, dass ein Schwan aus der Reihe tanzt, besonders breit grinst oder extra mit dem Po wackelt und sich unters Tutu schaut. Es klingt platt, ist es aber überhaupt nicht, zumal die tänzerische Leistung solche Witzeleien nur erlaubt, wenn sie perfekt ist. Sonst würde es einfach nur stümperhaft wirken, und das ist es - weiß Gott - nicht.

Das New Yorker Ensemble ist wirklich Weltklasse - und noch kein Schwan so amüsant gestorben. Da fliegen die Federn aus dem weißen Tutu, wenn die Ballerina, pardon: der Ballerino sich derart theatralisch an die Brust fasst und wackelig zu Boden sinkt, Beine gestreckt nach oben. Das Zusammenspiel aus russischen Original-Choreografien mit modernen Einfällen ist grandios.

Klassische Tutus, starkes Make-up und falsche Wimpern

Das Ensemble trägt klassische Tutus, zu starkem Make-up und falschen Wimpern. Die perfekte Pantomimen-Maskerade.  Da wird der anderen scheel zugeblinzelt, kokett mit den Augen gerollt oder der Mund verrutscht zu einem schiefen Lächeln, wenn ein Schritt mal wieder gewollt daneben geht und das klassische Ballett aufs Korn nimmt.

Mit Spitzentechnik und Spitzenschuhen bis Größe 47 hat sich das Männerensemble bereits 1974 am Off-Broadway gegründet. Die Mischung der so verschiedenen Charaktere macht auch einen besonderen Charme aus. Die Männer sind völlig unterschiedlich groß, mal rank und schlank, mal eher kräftig, mal mit, mal ohne Achselhaare.

Die 15 Tänzer geben noch Szenen aus "Raymonda's Wedding" und "Go for Barocco" zum Besten. Les Trocks, wie sie genannt werden, liefern einen liebevoll-witzigen Ballettabend auf höchstem Niveau. Dennoch bleibt nicht mehr als ein "Ach, das war aber nett"-Gefühl zurück.

Beitrag von Magdalena Bienert

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