Die deutsche Band Rammstein bei einem Auftritt in Kopenhagen am 02.06.2010 (Foto: dpa/Gonzales Photo/Christian Hjorth)
Bild: dpa/Gonzales Photo/Christian Hjorth

Engagement für Industriehalle - Rammstein bekommt den Berliner Denkmalpreis

Rammstein ist für harten Rock und aufwendige Bühnenshows bekannt - nun bekommt die Band mit zwei weiteren Initiativen den Berliner Denkmalpreis. Grund ist ihr Einsatz für eine historische Industriehalle in Pankow. Dort lagert nicht nur die Bühnentechnik.

Der Berliner Denkmalpreis 2017, die Ferdinand-von-Quast-Medaille, geht an drei Preisträger. Gewürdigt werde das Engagement für das Hansaviertel in Tiergarten sowie für die Sanierung und Umnutzung des historischen Stadtbades Prenzlauer Berg und einer Industriehalle des früheren Bergmann-Borsig-Geländes in Pankow, teilte die Senatskulturverwaltung am Freitag mit. Die Auszeichnung ist nach dem ersten preußischen Landeskonservator benannt und undotiert. Sie soll am Montagabend von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) überreicht werden.

Für das Engagement auf dem früheren Borsig-Gelände in Wilhelmsruh wird die Rockband Rammstein geehrt. Rammstein habe dort eine große Industriehalle übernommen und für eine "gelungene Wiederherstellung" gesorgt, teilte eine Sprecherin der Kulturverwaltung rbb|24 mit. Die Band lagere dort etwa ihr umfangreiches Bühnenequipment und habe zudem Büros eingerichtet. Rammstein ist für aufwendige Bühnenshows etwa mit Pyrotechnik bekannt.

Die Wiederherstellung des Baudenkmals sei die Initialzündung dafür gewesen, das gesamte Areal neu zu beleben, so die Kulturverwaltung. Nach der Wende sei der traditionsreiche Berliner Industriestandort immer mehr verfallen und dämmerte viele Jahre vor sich hin. Die Auszeichnung werde stellvertretend von Rammstein-Manager Stefan Mehnert entgegengenommen, hieß es.

Geist internationaler Gemeinsamkeit

Weiterer Preisträger ist in diesem Jahr der Bürgerverein Hansaviertel - für seinen langjährigen Einsatz zugunsten des Hansaviertels als Kernstück der Internationalen Bauausstellung (Interbau) 1957. Bei der Entstehung des Viertels habe die internationale Architektenwelt in einer vom Krieg und Gewaltherrschaft schwer gezeichneten Stadt einvernehmlich zusammengewirkt, so die Sprecherin der Kulturverwaltung. Beteiligt waren berühmte Architekten wie Oscar Niemeyer, Alvar Aalto oder Walter Gropius. Der Bürgerverein Hansaviertel praktiziere diesen Geist der internationalen Gemeinsamkeit weiter, indem er alle Interessierten am Hansaviertel teilhaben lasse. Der Verein bietet unter anderem Führungen an.

Ebenfalls mit dem Denkmalpreis ausgezeichnet werden Barbara und Hans-Dieter Jaeschke für die Sanierung und Umnutzung des Stadtbades Prenzlauer Berg. Das Stadtbad in der Oderberger Straße hatte über Jahrzehnte leergestanden, bis Barbara und Hans-Dieter Jaeschke das Gebäude übernahmen und ab 2012 sanierten. Barbara Jaeschke war als Leiterin der direkt neben dem Stadtbad gelegenen GLS Sprachschule dringend auf der Suche nach Unterrichts- und Wohnräumen für die Schüler, so die Kulturverwaltung. Neben den Schülern nutzen heute auch Hotelgäste und Schwimmer das Gebäude.

Senator: dankbar für privates Engagement

Die drei Preisträger hätten Einzigartiges für die Berliner Denkmalpflege vollbracht, betonte Kultursenator Lederer. Er sei dankbar dafür, dass die Denkmalpflege auch bei privaten Denkmaleigentümern große Unterstützung finde.

Der Berliner Denkmalpreis wird seit dem 750. Stadtjubiläum 1987 jährlich vom Senat verliehen. Er ist nach dem in Neuruppin geborenen und 1843 von König Friedrich Wilhelm IV. zum Landeskonservator ernannten Architekten und Schinkel-Schüler Ferdinand von Quast (1807-1877) benannt. Als Quasts erstes praktisches denkmalpflegerisches Projekt gilt die Leitung der Restaurierung der mittelalterlichen Franziskaner-Klosterkirche in Berlin-Mitte, bei der er sich jedoch mit seinen Vorstellungen nicht gegen den König durchsetzen konnte.

Im vergangenen Jahr ging der Berliner Denkmalpreis unter anderem an die Gärtnerinitiative Arnswalder Platz, den Verein Bürger für den Lietzensee und den Arbeitskreis Steppengarten im Tiergarten.

Sendung: Abendschau, 05.01.2018, 19:30 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Martin Schüler; © Marlis Kross
Marlis Kross

rbb-exklusiv - Cottbuser Intendant Martin Schüler tritt zurück

Der Intendant des Cottbuser Staatstheaters, Martin Schüler, ist am Donnerstag überraschend von seinem Amt zurückgetreten. Das hat er dem rbb exklusiv bestätigt. Hintergrund ist vermutlich der Streit im Haus um die Zukunft von Generalmusikdirektor Evan Christ.

Der frühere DDR-Liedermacher Holger Biege, hier bei einem Konzert im Januar 2011 in Dresden (Quelle: imago/Andreas Weihs)
imago/Andreas Weihs

Im Alter von 65 Jahren - DDR-Liedermacher Holger Biege ist tot

Auch wenn er schon lange nicht mehr auftreten konnte und auch keine Songs mehr publizierte, erinnern sich Liedermacher-Fans sehr gut an Holger Biege. Der Musiker starb nun nach langer Krankheit. Sein populärster Song: "Sagte mal ein Dichter".