Archivbild: Erobique während eines Konzertes (Quelle: imago/itnop.net)
Audio: Inforadio, 2.1.2018, Susanne Bruha | Bild: imago/itnop.net

Konzert | Erobique Neujahrsgala - "Das ist so Berlin"

Die letzten Silvesterpartygänger sind wohl erst am 2. Januar nach Hause gestolpert - immerhin ist das hier Berlin. Wach geblieben sind einige auch wegen der "Erobique Neujahrsgala" im Festsaal Kreuzberg. Von Susanne Bruha

Erobique das ist das DJ-Projekt von Carsten Meyer, bekannt unter anderem für Filmmusik für den Tatortreiniger oder den Kinofilm "Fraktus". Als Erobique tritt Carsten Meyer - gebürtiger Westfale, Mitte 40, wohlgenährt, Schnauzbart, rausgewachsene braune Haare -jedes Jahr zu Neujahr in Berlin auf.

Publikum schon ein paar Tage wach

Dieses Jahr im Festsaal Kreuzberg, unter einer silbernen Luftballon-2018 stehen zwei Keyboard-Synthesizer-Pulte, gelangweilt, Kippe im Mund schlurft DJ Erobique ans Pult. Sein Konzept: Alltime-Favorite-Disco-Hits mit kurzen Melodielinien mischen, dazu elektronische Beats, clubbige Samples und als Krönung obendrauf hahnebüchen scheinbar improvisierte Liedtexte.

Wie ein schrulliger Alleinunterhalter auf Omis Gartenparty unterlegt Erobique diesen Gesang gern mit soviel Hall, dass man leider gar nicht mal so viel versteht. Die Partygemeinde feiert diesen Mix. Das Publikum ist in seinen 20ern, clubaffin und zum Teil definitiv schon paar Tage wach, strahlende Augen, substanzinduzierte breite Grinsegesichter huldigen dem Meister und seiner heiligen Diskomesse.

Der Feierei das ironische Partyhütchen aufgesetzt

Ein Song geht minimum 20 Minuten und es läuft wie im Club: Die fetten Bässe werden bejubelt, es wird gestampt und getanzt, soviel geraucht, dass die Rauchverbotsschilder im Nebel nicht mehr zu erkennen sind und bei den kruden Improtexten wird jedes Wort belacht als wäre damit endlich alles klar. Erleichterung macht sich breit. Weil da einer auf der Bühne steht, der der ganzen Feierei in sämtlichen Berliner Clubs das ironische Partyhütchen aufsetzt.

Die ganzen Drogen, das druffe Elektrogestampfe, die Drei-Tage-Wach-Mentalität - hier darf darüber gelacht werden. Auf dieser postironischen After Hour. Dass es sich dann musikalisch, vorallem bei den instrumental-parts teilweise ganz schön zieht, stört irgendwie auch keinen weiter. Das ist so Berlin!

Beitrag von Susanne Bruha

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