Ehemaliges Stasi - Untersuchungsgefängnis Berlin Hohenschönhause am 31.05.2016 (Quelle: imago)
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Audio: Inforadio | 04.01.2017 | Susanne Bruha | Bild: imago

Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen - Ziel der Sanierung: 1989

Hunderttausende besuchen jährlich die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen. Das hinterlässt Spuren. Nun wird das ehemalige Untersuchungsgefängnis innen saniert. Doch wie restauriert man DDR-Tapeten und PVC-Beläge bei laufendem Betrieb? Von Susanne Bruha

Auf dem Ostberliner Stadtplan existiert die Genslerstraße Nr. 66 in Hohenschönhausen nicht, sie ist ein weißer Fleck. Der waschbetongraue Bau mit der hohen Mauer beherbergt zu DDR-Zeiten das Stasiuntersuchungsgefängnis. Nach dem Mauerfall wird das Areal als Gedenkstätte genutzt.

Seit einiger Zeit nun laufen Sanierungsarbeiten, 2018 beginnt der zweite Bauabschnitt. Über eine halbe Million Besucherinnen und Besucher ziehen jährlich durch das denkmalgeschützte Haus. Sie werden von Zeitzeugen durch die ehemaligen Zellen, Verhörzimmer und die Gummizellen geführt.

Hohenschönhausen sei ein geschichtliches Denkmal, kein künstlerisches oder bauliches, sagt Ina Bergmann von der Lichtenberger Denkmalpflege. "Wie vermittelt man Geschichte? Das muss die Haptik des Gebäudes aussagen, das muss es ausatmen. Dazu gehören Tapeten, PVC, Lichtschalter, Leuchter - all das macht das Einzigartige dieser Gedenkstätte aus."

2018 startet der heikle Part der Sanierung

Bei der Sanierung geht also nicht darum, ein Denkmal aufzupolieren. Ziel der umfangreichen Sanierungsarbeiten ist es, den Zustand des Gebäudes von 1989 wieder herzustellen. Der erste Bauabschnitt mit wichtigen grundlegenden Arbeiten und der Einrichtung einer Daueraustellung ist abgeschlossen. Nun startet mit 8,7 Millionen Euro von Bund und Land Bauabschnitt zwei und damit der heiklere Part der Sanierung.

Seit 1989 nämlich vergilben die Tapeten, der Putz bröckelt. "Die Arbeiten, die hier stattgefunden haben, sind von Häftlingen ausgeführt worden. Darin liegt auch die Schwierigkeit, denn es ist nicht immer fachgerecht gemacht worden", sagt Daniela Martinowa, Museologin der Gedenkstätte. Eine besondere Herausforderung sei es, mit falschen Leimsorten umzugehen neben den Schäden, die durch die vielen Besucher entstanden sind. In keinem Denkmal deutschlandweit sahen sie sich jemals mit sovielen Tapeten und PVC-Belägen aus der DDR konfrontiert - eine Riesenherausforderung für die Restauratoren.  

"Wir haben bereits Tapetengutachten und Gutachten zu den Oberflächen. Nun fehlen uns noch Gutachten zum Umgang mit dem PVC, denn der Estrich darunter ist kaputt. Die Frage ist, wie kriegt man den PVC ab, ohne dass er kaputt geht," sagt Denkmalschützerin Ina Bergmann. Solche Fragen müssten nun mit den Restauratoren, der Gedenkstätte und mit den Architekten und Firmen geklärt werden. Die Sanierungsmaßnahmen finden bei laufendem Museumsbetrieb statt. Und eins ist bei aller Behutsamkeit klar: Der Charakter der Gedenkstätte Hohenschönhausen wird sich verändern. Hoffentlich nicht allzusehr.

Sendung:Inforadio, 04.01.2018, 07:50 Uhr

Beitrag von Susanne Bruha

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