Die Baustelle des neuen Suhrkamp-Verlagsgebäudes am 08.01.2018. (Quelle: Bundschuh Architekten)
Audio: Inforadio | 03.01.2018 | Ute Büsing | Bild: Bundschuh Architekten

Bauarbeiten am Rosa-Luxemburg-Platz - Neues Suhrkamp-Verlagshaus an geschichtsträchtigem Ort

Rauer Beton, viel Glas und eine Fassade aus hellem Aluminium - so soll es aussehen, das neue Suhrkamp-Verlagshaus. Architekt Roger Bundschuh gibt dem Areal ein ganz neues Gesicht, denn vom ihm stammt auch das Eckgebäude gegenüber. Von Ute Büsing

Noch ist nicht viel zu sehen von der neuen Residenz des Suhrkamp Verlages. Das Areal am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin zwischen Linienstraße und Torstraße ist abgesperrt. Bagger und Kräne stehen auf dem Eckgrundstück, Keller und Teile des Erdgeschosses sind schon gemauert. Im Sommer 2019 sollen 140 Mitarbeiter des Traditionsverlages in einen siebengeschossigen Turm aus Sichtbeton und Aluminium mit großzügigen Glasflächen einziehen. 4.500 Quadratmeter Nutzfläche stehen dafür zur Verfügung.

Das Gesamtareal umfasst auch ein Wohngebäude, Läden, Galerien und einen Späti. Suhrkamp-Verleger Jonathan Landgrebe spricht von einem historisch wichtigen und unglaublich spannenden Ort: "Man könnte fast meinen, man kann die Geschichte Deutschlands aus einer Mikroperspektive anhand dessen erzählen, was rund um den Rosa-Luxemburg-Platz um 1910 oder 1920 stattgefunden hat", sagt Landgrebe. "Gleichzeitig ist es so, dass sich dieses Viertel und der Stadtteil im Moment unglaublich bewegen." Er sei sich sicher, dass Suhrkamp auf eine gute Art an das anschlussfähig sei, was schon da sei. 

Von Frankfurt über Prenzlauer Berg nach Mitte

Im alten Scheunenviertel rund um den Rosa-Luxemburg-Platz mit Volksbühne und Kino Babylon steppt der sprichwörtliche Berliner Bär. Längst vollzieht das Kulturareal im Bezirk Mitte einen Wandel, der typisch für die Stadt ist: Erst kamen die Künstler, dann das Geld. Angestammte Bewohner fürchten weiter Vertreibung durch erhöhte Mieten. Von Suhrkamp versprechen sich viele allerdings eine positive Ausstrahlung.

Die Visualisierung des neuen Suhrkamp-Verlagsgebäudes von Bundschuh Architekten. (Quelle: Bundschuh Architekten)
So soll das fertige Verlagsgebäude aussehen. | Bild: Bundschuh Architekten

2010 zog Suhrkamp aus Frankfurt am Main nach Berlin zur Miete in ein Quartier in Prenzlauer Berg, das von vornherein als Übergangslösung gedacht war. Nach einem geeigneten eigenen Objekt wurde lange gesucht. Bereits vor sechs Jahren kam Jonathan Landgrebe mit der Geschäftsführerin der IBAU AG zusammen, einer Weiterführung der einstigen Industrie-Baugesellschaft Centrum am Bülowplatz aus den 1920er Jahren. Die betreute damals das Areal am Bülowplatz, wie der Rosa-Luxemburg-Platz 1927 noch hieß. Zentrum der Ensemble-Entwicklung von Hans Poelzig war - und ist -  die 1914 mit Arbeitergroschen finanzierte Volksbühne von Oskar Kaufmann. Poelzig selbst baute das Kino Babylon und die im Zweiten Weltkrieg zerstörten schwungvollen Eckbauten am Übergang zur Torstraße.

Suhrkamp-Neubau im Geiste der klassischen Moderne

Architekt des Suhrkamp-Neubaus im Geiste der klassischen Moderne ist Roger Bundschuh. Er errichtete bereits das gegenüberliegende ungewöhnliche Eckgebäude in der Linienstraße, genannt "L40", einen expressiven Bau aus granitgrauem Beton mit spitz zulaufenden Konturen.

Und für die Anwohner wird es auch etwas geben: einen kleinen öffentlichen Park mit Bäumchen, wo bis vor kurzem auf einer unansehnlichen Brache wilde Linden wucherten.

Das L40 am Rosa-Luxemburg-Platz (Quelle: dpa/Doris Spiekermann-Klaas )
Das "L40" am Rosa-Luxemburg-Platz: Sieben Stockwerke ragt der düstere Betonkoloss in der Linienstraße 40 an der Kreuzung von Torstraße und Schönhauser Allee in die Höhe. Es wurde im Jahr 2010 fertiggestellt. | Bild: Doris Spiekermann-Klaas

Beitrag von Ute Büsing

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    ... hm, ist nur zu hoffen, dass in angespannten Zeiten wie sie im Moment wahrnehmbar sind, Herr Bundschuh es schafft ein weniger aggressives, dunkles und hässliches Gebäude zu kreieren ...

  2. 2.

    Ich glaube von Linden kann nicht die Rede sein, es waren Silberpappeln!

  3. 1.

    Was ich weder dem Text noch dem Audio entnehmen konnte - Folgendes ist doch Sarkasmus, oder: "wo bis vor kurzem auf einer unansehnlichen Brache wilde Linden wucherten". Leider konnte diese sehr wohl brauchbare Grünfläche nicht gesichert werden, was nicht verhöhnt werden sollte.

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