Tanztage Berlin 2018 (Quelle: Tanztage/Soemotional Katarzyna Szugajew)
Tanztage/Soemotional Katarzyna Szugajew
Audio: Inforadio | 05.01.2018 | Anna Pataczek | Bild: Tanztage/Soemotional Katarzyna Szugajew Download (mp3, 4 MB)

Auftakt in den Sophiensälen - Tanztage Berlin sind dieses Mal auch zum Fühlen

In den Sophiensälen wird wieder getanzt: Das Programm Tanztage Berlin startete gleich mit vier recht verschiedenen Theaterstücken. Und dabei werden alle Sinne angesprochen - denn eins der Stücke spielt sogar im Dunkeln. Von Anna Pataczek

Vier Stücke standen zum Auftakt der Tanztage auf dem Programm. Vier, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Das erste Stück "Tanzatlas" von Helen Schröder und die "Neue Kompanie" war klug, ironisch und nicht ganz ernst gemeint. Zu Beginn wurde dem Publikum erzählt, an diesem Tag würden auf der ganzen Welt 8962 Tanzproduktionen gezeigt, vom klassischen Ballett im russischen Jekaterinenburg bis zur Bauchtanztruppe Bottrop. Ein Kuratorenteam hätte die wichtigsten Produktionen ausgewählt und spiele diese jetzt vor, sozusagen als Versuch, die Welt des Tanzes nach Berlin zu bringen.

Nachgestellt wurden die Stücke in Kurzversionen auf einem schwarzen Tisch mit Salzstreuern, Besen, Teekannen, Radioweckern und vielen anderen Alltagsgegenständen. Beim Nussknacker vom russischen Staatsballett wurde zum Beispiel jede Menge Puderzucker und Sprühsahne verteilt - eine Anspielung auf den russischen Zuckerbäcker-Stil im klassischen Tanz. Die Produktion hat ein paar Längen - aber insgesamt eine witzige Idee.

Ein Tanz zum Fühlen, nicht zum Sehen

Das zweite Stück war zum Mitmachen, allerdings in absoluter Dunkelheit. Das Publikum wurde von fünf Performern erst sanft an die Hand genommen und dann durch den stockfinsteren Raum geführt. Armkreise wurden durch die Menschenketten geschickt, jeder musste den Bewegungsimpuls weitergeben. Da kommt man sich plötzlich ziemlich nah, muss Fremden vertrauen. Ein Tanz nicht zum Sehen, sondern zum Fühlen. Das Projekt entstand zusammen mit der Berliner Initiative "Tanzfähig", die sich für "mehr körperliche Vielfalt" im zeitgenössischen Tanz einsetzt. Auch eine  blinde Performerin war dabei.

Das dritte Stück war ein Solo der Berliner Tänzerin Joy Alpuerto Ritter. Sie hat eine unglaublich präzise Körperbeherrschung, ist sehr vielseitig, ihr Repertoire reicht vom klassischen Tanz über Hip-Hop bis zu Breakdance. Und genau dieses Können setzt sie ein: Sie wechselt gekonnt in fließenden Übergängen immer wieder ihren Stil - Ausdruck, dafür, dass wir alle im täglichen Miteinander oft Rollen spielen. Nur leider zerfiel die Collage in Einzelteile.

Rätselhafte Show mit Tänzern in Sportkleidung

Zum Schluss stand eine Performance auf dem Programm, die nur ratlos machte. Es sollte wohl darum gehen, wie in postfaktischen Zeiten ständig versucht wird, Stimmung zu machen, Emotionen heraufzubeschwören. Aber das einzige Gefühl, das das bei mir auslöste, war Genervtheit, denn rüber kam davon in der kruden Show mit einem Duo in Sportkleidung nichts.

Abwechslungsreich wie die Tanztage selbst

In der Summe hat der Abend Spaß gemacht, weil er abwechslungsreich war. Und das passt auch zu den Tanztagen. Das Festival will einen Querschnitt durch die ganze Berliner Nachwuchsszene abbilden. Ein Motto gibt es traditionell nicht. Überraschungen aber kann es geben, in die eine und die andere Richtung. Wer sich darauf einlassen will und Lust hat auf eine entspannte Festivalstimmung mit einem jungen, internationalen Publikum, der sollte hingehen. Die Tanztage finden vom 4. bis 14. Januar statt.

Beitrag von Anna Pataczek

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