Antilopen Gang-Konzert in Cottbus
Fritz/rbb/Stefan Wieland
Inforadio | 26.02.2018 | Hendrik Schröder | Bild: Fritz/rbb/Stefan Wieland

Konzertkritik | Antilopen Gang im Glad-House Cottbus - Da tropft der Schweiß von der Decke

Die Antilopen Gang hat am Sonntagabend einen ziemlich beachtlichen Auftakt zur Partywoche "Fritzundzwanzig" von Radio Fritz hingelegt. Es gab Stinkefinger für Nazis, Cottbus-Schmäh und Liebe. Von Nicole Staerke

Die Bühne ist in romantisches Rot getaucht, Danger Dan spielt alleine Keyboard, rappt die erste Strophe von "Gestern war nicht besser" sachte vor sich hin. Bis einer nach dem anderen, auch seine Bandkollegen Koljah und Panik Panzer, auf die Bühne kommen und einsetzen. Sie dürfen sich also erstmal kurz eingewöhnen im Publikum: die Cap-Träger in Skinny Jeans, Punks in Anarchie-Jeansjacken, bärtige Rocker, Mädels mit Fanshirt und Jutebeuteln.

Schon im zweiten Track ist damit aber Schluss und die "Antilopen" zeigen, wie man richtig Geburtstagsparty macht. Dafür sind sie schließlich auch in Cottbus: Um den 25. Geburtstag von Radio Fritz zu feiern.

Antilopen Gang-Konzert in Cottbus
Fritz/rbb/Stefan Wieland

"Es wird immer wieder gesagt, dass wir eine linksextreme Hassband sind. Dabei sind wir eine linksextreme Band der Liebe."

Antilopen Gang

Zwischen Hip Hop und Punkrock

Und das können die drei Jungs aus Düsseldorf gut – Party machen. Am Anfang gibt es nach der sanften Nummer erstmal eine Runde Hip Hop-Tracks auf DJ-Elektrobeats zum Mithüpfen für das willige Cottbuser Publikum. Ungefähr zur Halbzeit des Konzerts wird die Bühnen-Kulisse kurzerhand komplett umgedreht und neben dem DJ-Pult kommt plötzlich eine ganze Band mit Schlagzeug, Bass und Gitarre zum Vorschein. Und keine Minute später geht auch schon richtig der Punk ab. Die knapp 700 Leute sind sofort "on fire" und starten einen Moshpit nach dem anderen, inklusive "Wall of Death". Da tropft nicht nur der Schweiß ordentlich von der Decke, es wird auch die ein oder andere ungewollte Bierdusche verteilt.

Ironische Ansagen

Zwischendurch legen die Antilopen aber immer mal wieder Verschnaufpausen ein - um rauszuhauen, was raus muss. Vor allem in Sachen Politik dürfen ein paar gepfefferte Ansagen nicht fehlen. Donald Trump lassen sie dieses Mal in Ruhe. Nazis nicht. Die bekommen ordentlich ihr Fett weg und beim Song "Beate Zschäpe hört U2" ziemlich viele Mittelfinger entgegengestreckt.

Das Cottbusser Publikum kann über Antilopen-Kommentare zu ihrer von Eklats geplagten Heimat wie "Wir spielen heute in Eurer hässlichen Stadt" zum Glück nur lachen. Eine deftige Portion Ironie gibt es auch: Vor ihrem Hit "Enkeltrick" will die Band unbedingt erklären, wie einfach man Rentnern Geld abzocken kann.

Und natürlich haben sich Danger Dan, Panik Panzer und Koljah auch immer wieder bei den RadioFritzen für ihre Unterstützung und ihre monatliche Radiosendung "Feindsender Fiasko" bedankt. Zusammen mit dem Publikum widmen sie Radio Fritz dann auch ein Ständchen - ziemlich schief gesungen, aber das Glad House ist plötzlich mit ganz viel Liebe gefüllt.

Als Rausschmeißer eskaliert die Band nochmal völlig zu ihrem Hit "Fick die Uni". Mit Stage Dive, textsicherem Mitgegröle und Gepoge werden die gut 700 Partygäste schließlich glücklich nach Hause geschickt.

Antilopen Gang im Glad-House Cottbus

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