Regisseurin und Hauptdarstellerin Leni Riefenstahl während der Dreharbeiten zu "Tiefland". (Quelle: imago/ZUMA/Keystone)
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Umfangreiche Schenkung - Stiftung Preußischer Kulturbesitz bekommt Riefenstahl-Nachlass

Leni Riefenstahl war die Haus- und Hoffotografin der Nazis - zugleich gilt sie als eine der bedeutendsten Film- und Fotokünstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Wie am Montag bekannt wurde, geht ihr kompletter Nachlass nun an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Wegen der Propagandafilme, die sie für die Nationalsozialisten drehte, war sie zeit ihres Lebens umstritten - nun geht der gesamte Nachlass der Filmregisseurin und Fotografin Leni Riefenstahl als Schenkung nach Berlin. Das teilte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) in einer Pressemitteilung am Montagabend mit. Der gesamte Nachlass füllt Medienberichten zufolge an die 700 Kartons, darunter Fotografie- und Filmbestände, Manuskripte sowie Briefe, Akten und Dokumente.

Leni Riefenstahl 1938 mit Reichspropagandaminister Joseph Goebbels (links)
Leni Riefenstahl mit Joseph Goebbels 1938 | Bild: imago/United Archives International

Frühere Sekretärin verfügt Schenkung nach Berlin

Dass die Stiftung in den Besitz des umfangreichen Konvoluts gelangt, ist den Angaben zufolge der früheren Sekretärin und Allein-Erbin von Riefenstahl, Gisela Jahn, zu verdanken. Diese habe den Nachlass im Jahr 2016 übernommen, und zwar nach dem Tod von Riefenstahls 40 Jahre jüngerem Ehemann, dem Kameramann Horst Kettner. Später habe sie die Schenkung nach Berlin verfügt.

Die einst von den Nazis protegierte Fotografin war 2003 im Alter von 101 Jahren in ihrer Wahlheimat am Starnberger See gestorben. Anschließend hatte Kettner den Nachlass seiner Frau in der gemeinsamen Villa aufbewahrt.

Es sei der Wunsch von Jahn gewesen, den Nachlass in Berlin, der Geburtsstadt von Riefenstahl, aufbewahrt zu wissen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz biete mit ihren Museen, Bibliotheken, Archiven und Forschungsinstituten hervorragende Voraussetzungen für die Bewahrung dieses komplexen Nachlasses, teilte die Stiftung mit.

Stiftung sieht besondere Verantwortung

Stiftungspräsident Hermann Parzinger strich den besonderen Charakter der Schenkung heraus, der der Stiftung eine besondere Verantwortung auferlege. "Wir haben mit dem Nachlass von Leni Riefenstahl nicht nur ein bahnbrechendes ästhetisches Werk übernommen, sondern auch eine besondere Verantwortung für die kritische Auseinandersetzung", erklärte Parzinger. Gerade die Rolle Riefenstahls im Nationalsozialismus werde bei der Aufarbeitung des Nachlasses von zentraler Bedeutung sein.

Leni Riefenstahl im Alter von fast 70 Jahren als Fotografin bei den Olympischen Spielen 1972 in München (Quelle: imago/ZUMA/Keystone)
Leni Riefenstahl bei Olympia 1972 in München | Bild: imago/ZUMA/Keystone

Nazi-Ideologie in ästhetischen Bildern

Riefenstahl war zunächst als Schauspielerin bekannt geworden, hatte bald aber auch Regie geführt. Durch ihren Debütfilm "Blaues Licht" (1932) waren Adolf Hitler und Propagandaminister Joseph Goebbels auf sie aufmerksam geworden. Nach der Machtergreifung 1933 beauftragten sie die damals 30-Jährige mit einer Trilogie der Reichsparteitage von 1933 bis 1935. Für den zweiten Teil, "Triumph des Willens", erhielt Riefenstahl 1934/35 den Deutschen Nationalen Filmpreis.

Unter dem Titel "Olympia" veröffentlichte sie 1938 eine zweiteilige Dokumentation über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Der Film wurde als ästhetisches Meisterwerk gefeiert, wegen seiner stark ideologischen Elemente aber auch heftig kritisiert.

Sichtung und Aufarbeitung wird Monate dauern

Nach Angaben der Stiftung reichen die Bestände des Riefenstahl-Archivs bis in die 1920er-Jahre zurück und scheinen vor allem für die Nachkriegszeit nahezu komplett zu sein.

Nach der Übernahme aus dem Haus am Starnberger See und dem Abschluss des Schenkungsvertrags werde in den kommenden Monaten eine intensive Phase der Sichtung folgen. Für die Erfassung und Erschließung des Nachlasses solle, finanziert durch noch einzuwerbende Drittmittel, ein interdisziplinäres Forschungs- und Archivteam zusammengestellt werden. Unter anderem werde auch eine Kooperation mit der Stiftung Deutsche Kinemathek angestrebt.

Zusammenarbeit mit Fotografie-Museum und Staatsbibliothek

Der fotografische Bestand soll im Museum für Fotografie am Bahnhof Zoo untergebracht werden. Dort wird seit 2004 auch das Werk Helmut Newtons gezeigt, mit dem Leni Riefenstahl in ihren späten Lebensjahren befreundet war. In der Dauerausstellung "Private Property" ist dies mit Briefen und Büchern von Leni Riefenstahl dokumentiert. Umgekehrt finden sich die Briefe Newtons im Riefenstahl-Nachlass.

Die Schriften der Künstlerin, mit Korrespondenzen, Tagebüchern und Manuskripten, sollen von der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin betreut werden, hieß es.

Sendung: Kulturradio, 13.02.2018, 16.45 Uhr

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