Einar Stray Orchestra (Quelle: Sinnbus.de/Christian Zervos)
Audio: Inforadio | 14.02.2018 | Susanne Bruha | Bild: Sinnbus.de/Christian Zervos

Einar Stray Orchestra im Funkhaus Nalepastraße - Klänge wie Kirchenmusik oder 80er-Jahre-Friedensgruppen

Die Stücke der fünf Musiker vom Einar Stray Orchestra aus Norwegen beginnen meist zart und türmen sich dann zu Feuerwerken aus Klavier, Streichern, Trommel und mehrstimmigem Gesang. Susanne Bruha war vom Auftritt der Band im Funkhaus Nalepastraße mitgerissen.

Scheinwerfer strahlen die Musiker von hinten an, die Atmosphäre im großen Saal im Funkhaus in der Nalepastraße ist edel und intim. Der Saal ist gut gefüllt, allerdings bei Weitem nicht ausverkauft. Die drei Männer und zwei Frauen vom Einar Stray Orchestra setzen sich in dem unten eingelassenen Rund an ihre Instrumente und warten das über Lautsprecher eingespielte Intro ab, bevor sie starten. Das Publikum ist zu cool, um einfach mal die Klappe zu halten - und so ist es der erste Klavierton von Bandnamensgeber Einar Stray, der den Saal zur Ruhe bringt.

Ganz sacht gesellen sich Geige und Cello zum Klavier, sanft sind die Schläge auf der Trommel. Stück eins ist das Instrumentalstück "Teppet Faller", das eine musikalische Interpretation der Apokalypse ist. Es folgen Stücke vom neuen Album "Dear Bigotry", die der 27-jährige Einar mit sonorer Stimme folkig und ein bisschen Liedermacher-mäßig agitierend interpretiert.

Doppelmoral der eigenen Generation

Nachdem sich die Norweger auf ihrem zweiten Album "Politricks" unter anderem kritisch mit ihrer christlichen Erziehung auseinandergesetzt hatten, rücken sie diesmal der Doppelmoral ihrer Generation zu Leibe - nicht ohne sich zu fragen, wie viel Doppelmoral wohl darin steckt, über die Missstände nur zu singen.

Musikalisch ist das Einar Stray Orchestra selbstbewusst, verspielt und nie verkünstelt. Die Stücke beginnen meist zart und türmen sich dann auf zu spritzigen Feuerwerken mit oft mehrstimmigem Gesang, der an Kirchenmusik oder an den Gesang von 80er-Jahre-Friedensgruppen erinnert. Für das A-cappella-Stück "For the Country" treten die fünf Mitte-20-Jährigen ganz vorne an die Bühne und performen voller Inbrunst und cooler Selbstverständlichkeit dieses Antikriegslied.

Nach diesem sehr besonderen Moment, gehen sie zurück an ihre Instrumente - und es geht poppig weiter. Am beeindruckendsten an dieser Band ist die Leichtigkeit und Spielfreude, mit der sie einen schillernden Facettenreichtum darbieten, der sehr mitreißt.

Beitrag von Susanne Bruha

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