Das Gomringer-Gedicht auf einem Banner am Pariser Platz. (Quelle: rbb/Abendschau)
Bild: rbb/Abendschau

"avenidas" am Liebermann-Haus - Umstrittenes Gomringer-Gedicht hängt nun am Pariser Platz

Die Debatte um das umstrittene Gedicht "avenidas" von Eugen Gomringer zieht immer weitere Kreise: Nun hängt das Werk nicht mehr nur an der Fassade der Akademie der Künste, sondern auch am Max Liebermann Haus am Pariser Platz.

Die Stiftung Brandenburger Tor hat am Donnerstag das umstrittene Gedicht "avenidas" des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer an der Fassade des Max Liebermann Hauses am Pariser Platz angebracht. Bereits seit dem 6. Februar zeigt die ebenfalls am Pariser Platz ansässige Akademie der Künste ein Werk des Dichters an ihrer Fensterfront, allerdings nicht "avenidas", sondern "schweigen".

"Kunst kann mehr"

Die Aktion sei ein Protest gegen die Entscheidung der Alice-Salomon-Hochschule, das in ihrem Hauptgebäude stehende Gedicht übermalen zu lassen, teilte die Stiftung mit. Man wolle ein Zeichen für die Freiheit der Kunst setzen und betonen, "dass Kunst mehr kann und darf als einer vermeintlichen political correctness zu entsprechen".

Die Stiftung mit Sitz im Max Liebermann Haus sehe sich in einer besonderen Verantwortung, weil auch die Kunst von Liebermann einst der Öffentlichkeit vorenthalten worden sei. Die Zensur von Kunst habe in Deutschland eine verheerende Tradition und dürfe sich nicht wiederholen.

Hochschule will Gedicht übermalen lassen

Um Gomringers Gedicht "avenidas" gibt es seit Wochen eine Debatte über Zensur und Kunstfreiheit. Der Akademische Senat der Berliner Alice Salomon Hochschule hatte beschlossen, Gomringers auf Spanisch verfasstes Werk übermalen zu lassen, weil es sexistisch sei. Dabei geht es um den Satz: "Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer". Damit würden Frauen, so die Kritiker, zum Objekt männlicher Bewunderung degradiert. Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) bezeichnete die geplante Übermalung als überzogen und absurd.

Sendung: Inforadio, 22.02.2018

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Welche der beiden Meinen Sie? Wir haben im Hansaviertel schon immer Die Akademie der Künste. Jetzt dümpelt dieses schöne Denkmahlgebäude so vor sich hin, bloß weil ein neues Prästigobjekt her mußte.

  2. 10.

    Ein Glückwunsch an das Max-Liebermann-Haus und die Akademie der Künste.
    Was für ein mutiger Schritt in einer Zeit der #Metoo- und #120db-Kampagnen, ein schnell wieder abnehmbares Plakat mit einem bis dato unverfänglichen Gedicht an der eigenen Fassade aufzuhängen.

    Aber aufpassen, nicht jeder, der die Aleppo-Schrottbus-Attrappen toll fand, muss die angedichtete "Frauenfeindlichkeit" gut finden.
    Da formiert sich bestimmt Widerstand, organisiert von den Bilder.... äh .... Gedichtstürmer aus Hohenschönhausen.

  3. 9.

    Oft denke ich, der heutigen Zeit fehlt die Muße, sich ein Wort, einen Begriff auf der Zunge zergehen zu lassen. Begriffe werden wie in eine Art Gebrauchsanweisung betrachtet und von daher entstehen dann solche abstrakten Debatten wie an derAlice-Salomon-Hochschule.

    Ein Bewunderer ist einer, der eine Person als Ganzes schätzt, nicht aber bestimmte Eigenschaften für sich herauspickt. Ein Liebhaber von Texten - um diese etwas unzureichende Analogie zu ziehen - ist jemand, der einen Text als Ganzes schätzt, nicht aber einer, der ihn verhackstückt, um Nektar für sich daraus zu ziehen oder der in Gegnerschaft Textfragmente herausschneidet, um sie dem anderen um die Ohren zu hauen.

    Im weitesten Sinne wird auch beim Bewunderer die Frau (oder umgekehrt bei der Bewundernden der Mann) zum Objekt. Das aber ist in einem sehr "verhaltenen" und keineswegs sexistischen Sinne gedacht. Es ist mithin keine einseitige Instrumentalisierung, sondern ein Wechselspiel.

  4. 8.

    Peinlich für die Akademie der Künste. Sollte geschlossen werden, kostet eh nur Steuergelder und von Kunst haben die ja mal gar keine Ahnung!

  5. 7.

    Danke für die wörtliche Übersetzung. Aber auch, wenn es sich um einen männlichen Bewunderer handelt, hat der Begriff Bewunderung mit Sexismus nichts zu tun. Ich finde diese und ähnliche Auswüchse der (sicherlich an anderer Stelle notwendigen) Sexismusdebatte mittlerweile ätzend und lächerlich.

  6. 6.

    Sehr schön. Ja, das gefällt mir ausgesprochen gut.
    Gute Nachricht, Danke RBB-Team.

  7. 5.

    Mittlerweile kennen es sicher einige und die vier Wörter sollten auch keinen überfordern.

    @Christina
    admirador heißt schon Bewunderer,trotzdem wird es deswegen natürlich nicht gleich sexistisch.

  8. 4.

    Eine begrüssenswerte Entscheidung. Wer hatte um Himmels Willen diese sinnentleerte Debatte losgetreten? Was ist an Bewunderung sexistisch? Vielleicht handelt es sich bei dem Bewunderer um eine Frau? Nicht in jedem Land wird dem nervendem wahn gefrönt, überall ein *Innen anzuhängen!

  9. 3.

    Und, im Ernst: Um zu illustieren, wie viel derartige Analogien mit Lyrik und wie wenig mit Herabschauen zu tun haben, sollte zwischendurch "Oh Donna Clara" gespielt werden.

    Das würde dann die Absurdität verdeutlichen, Instrumentalisierung da zu suchen, wo keine ist und da, wo sie tatsächlich ist, mangels Handhabe zu schweigen. Dass erwachsene Frauen als zuckersüße Kleinkinder bezeichnet und von den Betreffenden dann auch irgendwann so behandelt werden, wäre tausendmal mehr Protest wert, auch wenn das auf Englisch daherkommt.

  10. 2.

    Gut so!

    Was die Sittenwächter, Hexenjäger und anderen "Aktivisten" hier ausgelöst haben, ist wohl der Streisand-Effekt: Wer liest schon, was in Hellersdorf an einer Hauswand steht? Und dann auch noch auf spanisch?

    (Und immer dran denken: Frauen dürfen niemals bewundert werden. Schon gar nicht von Männern!)

  11. 1.

    Ob das Gedicht dort hängt ist doch unwichtig,verstehen kann es doch keiner,solange man keine Übersetzung mit dranhängt,stattdessen sollte man die Wereke deutscher Dichter aufhängen die Werke von Eugen Gomringer wären in seinem Heimatland am besten aufgehoben,schon des Verständnisses wegen!

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