Michael Wolff bei einer Podiumsdiskussion mit Thomas Böhm (RadioEins) zu seinem Buch "Feuer und Zorn" (Bild: rbb/Marie Kaiser)
Audio: Inforadio | 27.02.2018 | Marie Kaiser | Bild: rbb/Marie Kaiser

Michael Wolff liest aus "Fire and Fury" - "Irgendwann haben die Leute im Weißen Haus mit mir geredet"

Sein Buch "Fire and Fury", eine entlarvende Innensicht aus dem Weißen Haus, ist zur Bibel für Trump-Hasser geworden. Jetzt ist Autor Michael Wolff auf Deutschlandtour. Zum Auftakt las er am Montag in der Berliner Volksbühne. Von Marie Kaiser

Unter den Zuhörern in der Volksbühne sind augenscheinlich auch Gegner der Trump-Regierung - ein Mann in der dritten Reihe ist sogar extra mit seinem Obama-Basecap gekommen. Der Saal ist fast ausverkauft, alle wollen Michael Wolff erleben.

Dessen Buch "Fire and Fury" – "Feuer und Zorn" führt seit seinem Erscheinen Anfang Januar die Bestsellerliste der "New York Times" an. Noch nie hat ein Sachbuch in den USA sich in so kurzer Zeit so oft verkauft wie dieses: Mehr als zwei Millionen Mal in nur vier Wochen. Was er geschrieben habe, sei zu einer Art Bibel für alle Trump-Hasser geworden, erklärt Bestsellerautor und Journalist Wolff.

Erfolgsgeheimnis: Sitzfleisch und zuhören

Das Geheimnis hinter seinem Bestseller verrät Michael Wolff gleich zu Beginn des Abends. Möglichst harmlos wirken und viel Sitzfleisch mitbringen - so habe er sich seinen exklusiven Zugang zum Weißen Haus verschafft. "Ich habe Tag für Tag stundenlang auf der Couch gesessen, und irgendwann hatten die Leute im Weißen Haus Mitleid und haben mit mir geredet. Ich glaube, in der ganzen Zeit im Weißen Haus, habe ich nicht eine einzige Frage gestellt. Ich habe einfach zugehört."

An die zweihundert Gespräche hat Wolff mit den engsten Mitarbeitern des US-Präsidenten geführt – einer von ihnen beschreibt Trump als einen "Idioten, umgeben von Clowns". Die Zweifel daran, ob er journalistisch sauber gearbeitet habe, wischt Wolff mit der Bemerkung weg, dass er sich selbst gar nicht als Journalist sehe. Sondern als Schriftsteller, der alles genau beobachtet – ganz ohne zu bewerten. "Ich wollte nicht den Eindruck schildern, den ich vom Präsidenten habe, sondern einfach aufschreiben, wie es im Weißen Haus zugeht und die Leser selbst ins Weiße Haus versetzen."

Trump irrt im Bademantel über die Flure

Das Bild, das Wolff vom Innenleben dieses Weißen Hauses unter Trump zeichnet, ist erschreckend chaotisch. Wolff erzählt, wie Präsident Trump abends im Bett sitzt, Hamburger isst und auf drei Bildschirmen gleichzeitig fernsieht. Wie er im Bademantel auf den Fluren herumirrt und verzweifelt nach dem Lichtschalter sucht. Trumps Mitarbeiter behandeln ihn wie ein kleines Kind, das nicht zuhören und keine Informationen verarbeiten kann. Darin liegt für Michael Wolff aber auch die einzige Hoffnung inmitten dieser politischen Katastrophe. Einen Krieg – beispielsweise mit Nordkorea – werde Trump auf keinen Fall anzetteln. "Wenn er in einem Raum mit Generälen ist und die ihre Präsentationen starten, verschwindet Trump nach drei Minuten. Er kann gar keinen Krieg beginnen, weil er gar nicht wüsste, wie er das machen soll."

Michael Wolff bei einer Podiumsdiskussion zu seinem Buch "Feuer und Zorn" (Bild: rbb/Marie Kaiser)Autor und Journalist Michael Wolff

Befreiendes Gelächter am Schluss

An Stellen wie diesen wissen viele im Publikum nicht, ob sie lachen oder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen sollen. Doch die Stimmung löst sich am Ende, als Schauspieler Frank Arnold eine improvisierte Rede zu einer Neuaufführung bringt, die Donald Trump genau so kurz nach seinem Amtsantritt vor der CIA gehalten hat. Angesichts dieses absurden Reality-Theaters bricht der Saal in großes Gelächter aus.

Zum Schluss findet Michael Wolff auch noch beruhigende Worte für alle, die Trump nicht mehr ertragen. Er habe große Zweifel daran, ob Trump bis zum Ende seiner Amtszeit als Präsident durchhalten wird. Den Europäern gibt er noch einen Rat mit auf den Weg, wie sie am besten mit diesem in seinen Augen nicht ganz zurechnungsfähigen Präsidenten auskommen können: "Sie müssen alle Zurückhaltung aufgeben und Donald Trump mit Lob und Schmeicheleien überhäufen."

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    "Bibel der Trump-Hasser" schön umschrieben in der postfaktischen Zeit, wo der alleinige Anspruch auf die einzige "Wahrheit" wie eine Monstranz vor sich her getragen wird.

  2. 2.

    Hallo TFG,
    in diesem Text geben wir erst einmal Zitat indirekt wieder. Dass das so im Teaser übernommen ist, ist Geschmackssache, ja.
    Sie sprechen von zunehmend - hätten Sie ein weiteres Beispiel?
    Grüße aus der Readktion

  3. 1.

    Liebe Journalisten vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, mir fällt auf, daß Ihr in Euren Texten zunehmend das Wort 'Hass' anstelle von 'Kritik' verwendet. Hat Euch niemand beigebracht, richtig mit der deutschen Sprache umzugehen? Oder tut Ihr das absichtlich? 'Hass' steht für 'feindliche Gesinnung', 'Kritik' für 'kritische Beurteilung'. Wer Andersdenkende ständig unterschwellig als seine 'Feinde' wahrnimmt und sie so bezeichnet, trägt nicht zu gesellschaftlichem Konsenz, sondern zu weiterer Spaltung bei. Von Menschen, die von uns Bürgern dafür bezahlt werden, uns mit objektiven Nachrichten zu versorgen, erwarte ich bitte ein bißchen mehr Geist beim Schreiben. Danke.

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