The Killers bei einem Konzert in Texas (Bild: imago/Frank Casimiro)
Audio: Inforadio | 28.02.2018 | Susanne Bruha | Bild: imago/Frank Casimiro

Konzertkritik | The Killers in der Mercedes-Benz-Arena - Sinnsuche mit halber Besetzung

Nur die Hälfte der Indierockband "The Killers" bringt es auf die Bühne der Mercedes-Benz-Arena. Die Band ist mit ihrem neuen Album unterwegs und offenbar auf Sinnsuche. Die Fans lassen sich davon nicht weiter irritieren: Sie feiern die großen Hits. Von Susanne Bruha

Die neue Platte der Killers heißt "Wonderful, wonderful", und mit dem Titeltrack startet der Dienstagabend in der Mercedes-Benz-Arena. So richtig wonderful ist es allerdings gerade gar nicht bei den Killers. Von der eigentlichen Besetzung sind nur Frontmann Brandon Flowers und am Schlagzeug Ronnie Vanucci Jr. dabei. Gitarrist Dave Keuning und Bassist Mark Stoermer hatten keine Lust oder Zeit für die Tour.

Der Ablauf der Show ist dennoch gewährleistet, Gastmusiker und Backgroundsängerinnen wurden verpflichtet. Der Sound ist von Beginn an massiv, nur Sänger Brandon Flowers scheint ein bisschen Zeit zu brauchen, um im Saal anzukommen. In seinem schwarzen Anzug mit weißen Hemd wirkt der sehr schmale Musiker schick, aber auch wie ein deplatzierter Bankkaufmann auf der großen Bühne.

Männlichkeit und Sinnsuche oder doch lieber Bombast?

Mit dem zweiten Lied "The Man", ebenfalls vom neuen Album, kommt Leben ins Bühnenbild. Ein großes leuchtendes Männlichkeitssymbol fährt am vorderen Bühnenrand hoch und bleibt für den Rest des Abends vor Flowers Keybords stehen. Auf der Videoleinwand blinken jetzt Cowboyfiguren und an den Mikroständern der Backgroundsängerinnen dann auch Weiblichkeitssymbole auf. In dem Lied setzt sich Flowers kritisch und ironisch mit Männlichkeit auseinander. Die Platte thematisiert insgesamt das Älter- und Reiferwerden. Die Geschlechtersymbole blinken den ganzen Abend immer wieder auf, bleiben aber seltsam unkommentiert.

Die Killers sind auf Sinnsuche – die ist aber vielleicht gar nicht so sinnvoll: Die Fans feiern den Bombast, die fetten Hooks und rockigen Hymnen. Gleich Song drei ist "Somebody told me" vom ersten Album "Hot Fuss". Ab jetzt stehen auch die Leute auf den Rängen.

"Heute Nacht sind wir alle Berliner"

Mehrmals stellt Brandon Flowers die Band vor mit "We are the Killers from Las Vegas" und: "Aber heute Nacht sind wir alle Berliner". So ein richtiges Verbundenheitsgefühl kommt allerdings erst auf, als ein Fan aus dem Publikum - offenbar vorher gecastet von Flowers - auf die Bühne gerufen wird. Zu "For reasons unkown" darf er Schlagzeug spielen, und er tut das mit Verve, Mut und großer Souveränität. Zwischenmenschlich der Höhepunkt des Konzerts.

Die neuen Songs stören nicht, die Hits rocken

Es folgt eine Mischung aus neuen Songs, die nicht stören und Hits, die laut, massiv und fulminant rocken. Flowers arbeitet wie ein Tier und das Publikum hilft, wo es kann, indem es mitsingt. "The Killers" haben so viele Hits, dass sich nach zwei Stunden inklusive Zugaben eine sehr befriedigende Sattheit einstellt.

Beitrag von Susanne Bruha

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Also erstens wurden die mittigen Oberrang-Sitzplätze nicht der Laser Show geopfert, sondern es wurde mit Vorhängen abgehängt, weil der komplette Oberrang sonst so gut wie leer gewesen wäre. Hätte jeder auch wissen können, der sich mal 1 Wo vor dem Konzert den Belegungssaalplan bei eventim angeschaut hätte. Also hat man die paar Leutchen aus der Mitte an die Seiten gesetzt und die Mitte geschlossen. Ich weiß ja nicht, wie oft Du schon in der MB-Arena warst. Bei mir war es ca. das 25 Konzert dort und ich kann Dir sagen, dass die Akustik für ein gitarrenlastiges Rockkonzert sehr gut war. Ich habe dort u.a. schon Muse, Metallica und die Foo, Fighters gesehen und konnte keinen Unterschied feststellen. In diesem Sinne...

  2. 3.

    Ein Abend großer Täuschungen und Enttäuschungen. Zuschauer der oberen Ränge gegenüber der Bühne wurden der Lasershow geopfert und an die Seiten der Bühne verdrängt wofür niemand im Normalfall eine Karte gekauft hätte, was dem Veranstalter von Anfang an hatte klar sein müssen - also Betrug am Kunden. Die Akustik war dort ein großer Klangbrei aus Bassresonanz und übersteuerten Boxen, den Sänger konnte man kaum verstehen. Wer mit einer Boxenanlage für Open Air Konzerte in die Halle geht, hat von Akustik keine Ahnung. Profis ? Die Licht- und Effektshow war Spitze, aber kompensiert nicht das Akustikdebakel. Der Funke sprang hier nicht über, sehr schade, eine große Enttäuschung !

  3. 1.

    Hallo. Den Bericht als solches finde ich durchaus angemessen, jedoch hätte man besser recherchieren müssen: Es fehlt GITARRIST David KEUNING, Mark Stoermer ist der eigentliche BASSIST. Das erste Album der Killers hieß "HOT Fuss". So viel Zeit muss sein...

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