Mit einem Radlader wird am 23.11.2017 auf der Baustelle der Garnisonkirche in Potsdam (Brandenburg) gearbeitet. (Quelle: dpa/Hirschberger)
Audio: Antenne Brandenburg | 14.02.2018 | Wieland Eschenburg, Sprecher Stiftung Garnisonkirche | Bild: dpa/Hirschberger

Arbeiten wegen technischer Probleme gestoppt - Altes Fundament bremst Bau der Garnisonkirche aus

Ein Bohrer blieb stecken, der nächste brach ab: Beim Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam gibt es Probleme. Bislang gelingt es nicht, auf den Überresten des alten Kirchenbaus ein neues Fundament zu setzen. Jetzt gerät der Zeitplan in Gefahr.

Nach dem Stopp der Arbeiten für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche herrscht Unklarheit über die Fortsetzung der Arbeiten. Seit Jahresbeginn ruhe die Baustelle, sagte der Sprecher der Stiftung Garnisonkirche, Wieland Eschenburg, am Mittwoch. Grund sei, dass die ersten beiden Bohrungen für die Gründung des 90 Meter hohen Turms fehlgeschlagen seien. Dabei muss das alte Fundament durchbrochen werden. Nun werde geprüft, mit welcher anderen Technik das möglich ist.

Wann die Arbeiten an dem Fundament fortgesetzt werden könnten, sei ungewiss. "Wir sind aber optimistisch, dass das Projekt bald weitergeführt werden kann." Welche Auswirkungen die Probleme auf die Kosten und den Zeitplan haben, konnte Eschenburg nicht sagen.

Bau könne sich zu lange verzögern

Damit ist unklar, ob die Arbeiten an dem Fundament wie geplant bis zum Mai abgeschlossen werden können. Dadurch könnte der ohnehin knappe Zeitplan für den Bau des Garnisonkirchen-Turms ins Wanken geraten. Das Projekt muss bis 2020 abgeschlossen sein, sonst läuft die Baugenehmigung aus.

Die Kosten für eine komplette Fertigstellung sind bislang auf rund 39 Millionen Euro veranschlagt. Allerdings betont die Stiftung, dass der beauftragten Firma ein umfangreiches Gutachten über den Baugrund vorgelegen habe.

Bohrrohr abgerissen

Für den Sockel des Turms muss zunächst das historische Fundament der alten Garnisonkirche durchbrochen werden. Dabei sollen 38 Gründungspfähle 38 Meter tief in den Boden getrieben werden. Darauf soll die Fundamentplatte errichtet werden. Beim ersten Versuch ließ sich das Bohrrohr laut der Stiftung nur schwer aus dem Erdreich ziehen. Bei einer zweiten Bohrung sei das Rohr sogar abgerissen. Daraufhin wurden die Bauarbeiten zunächst eingestellt.

Der Wiederaufbau der einstigen Militärkirche ist umstritten. Mehrere Initiativen wenden sich dagegen; darunter auch evangelische Christen, die in der Garnisonkirche eine Stätte des preußischen Militarismus sehen. Sie verweisen auch auf den "Tag von Potsdam" im März 1933, als Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler in der Kirche die Hand gegeben hatte. Ende Oktober waren die Bauarbeiten unter lautstarken Protesten gestartet.

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7 Kommentare

  1. 7.

    Es geht hier nicht um einen Abriss, sondern um einen Wiederaufbau einer abgerissenen Kirche (=Gotteshaus), die als Gotteshaus nicht mehr benötigt wird.
    Das Geld wäre besser ausgegeben für die zahlreichen, noch bestehenden Kirchengebäuden im Land, die dringend renovierungsbedürftig sind. Da hätten viel mehr Leute etwas davon.

  2. 6.

    Ein Argumentationswiderspruch: Wenn sie so marode wären, gäbe es die derzeitigen Herausforderungen nicht.
    Bleibt anzumerken, dass die alte Kirche zwar Militärkirche hieß, Preußen aber zu jener (Bau-)Zeit weit entfernt war, ein Militärstaat zu sein. Nach Maßstäben erklärter Gegner müssten in Ägypten die Pyramiden unverzüglich abgerissen werden, weil an ihnen Blut klebt. Bertolt Brecht hat verdienstvollerweise zwar über das siebentorige 'Theben geschrieben, eine Abriss- und Schleifforderung von irgendetwas ist mir von ihm nicht bekannt.

  3. 5.

    Die Befürwortenden - damit meine ich nicht nur die Frauen sondern auch die Männer, die dies tun - berauchen nicht zu garantieren, dass das Bauwerk nicht missbraucht wird. Weil nämlich die Einforderung dieser Garantie einer Inquisition gleichkäme. Derartige Verhältnisse sollten wir aber m. E. überwunden haben.

    Erst recht Menschen, die sich aufgeklärt geben.

    Also: Die Inanspruchnahme durch Rechtsextremisten ist denkbar unwahrscheinlich, so unwahrscheinlich wie nur irgendwas. Und das liegt an der Versöhnungsarbeit, die jetzt schon in der Nagelkreuzkapelle stattfindet. Wer denn den Weg dorthin zum Zuhören nicht scheut. Bisher kamen die Einschlägigen nur zum Übertönen eines dort Gesagten und Vorgebrachten. Nur eine einzige Veranstaltung gab es, da waren auch einige erklärte Gegner in gebotener Stille gekommen: Beim Anschauen und Diskutieren des Fernsehfilms "Geheime Orte". Kann ich jeden nur empfehlen, kritisch und unvoreingenommen.

  4. 3.

    Ich würde es als ein Zeichen zur Besinnung verstehen. Der Aufbau ist ja nicht unumstritten, aus gutem Grund gibt es viele Bürger die dem Aufbau mit begründeten Zweifel begleiten. Wir brauchen keine zusätzliche Stätte des preußischen Militarismus, auf maroden Fundamenten lässt sich keine Zukunft bauen!

  5. 1.

    Passend zu Aschermittwoch ist die Euphorie erst mal vorbei! Gut so! Nun ist Zeit zum Nachdenken und etwas Neues zu planen. Die Stadt braucht an diesem Ort eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihrer NS- und Militärgeschichte und keinen barocken Aussichtsturm. Die Aussicht vom Hotel ist schön genug. Versöhnung kann die Stiftung ohnehin nicht anbieten, da dies nur die Opfer können. Und zu diesen gehört weder die Stadt Potsdam noch die Garnisonkirche. Wer derartig Geschichte verfälscht und die Stadtgesellschaft spaltet, kann keinen Ort des Friedens bieten. Christen brauchen keine Garnisonkirche und eine lebendige Stadt braucht keine Baukopien. Das Projekt ist drastisch unterfinanziert, speist sich überwiegend aus öffentlichen Mitteln und nicht aus Spenden. Die Befürworterinnen können weder eine Garantie für die Baukosten noch für die Baufertigstellung geben. Sie können auch nicht garantieren, dass der Kirchturm später nicht von den neuen Rechten als Pilgerstätte missbraucht wird.

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