Symbolbild: Das Portrait von Pablo Picasso, fotografiert von Irving Penn (1957), hier ausgestellt im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (Quelle: dpa/Warmuth)
Audio: Inforadio | 23.03.2018 | Barbara Wiegand | Bild: dpa/Warmuth

Ausstellungskritik | US-Fotograf in der C/O Berlin - Bei Irving Penn sind selbst Zigarettenstummel faszinierend

Eigentlich wollte er Maler werden, doch dann griff Irving Penn zur Kamera – und machte Weltkarriere. Vor allem seine Portraits und Stillleben wurden berühmt. Jetzt zeigt die C/O Berlin eine Penn-Retrospektive - die erste seit 20 Jahren. Von Barbara Wiegand

Satt leuchtet das rote Fruchtfleisch einer Melone auf einem von Irving Penns Stillleben. Dahinter steht, kunstvoll mit Blättern drapiert, eine Schale voller Trauben – zum Reinbeißen, wäre da nicht die Fliege, die auf der Zitrone daneben gelandet ist – fett schwarz und unübersehbar auf der gelben Frucht. Es ist diese Klarheit der Konturen, die Intensität der Farben, die Vergänglichkeit, von der die Objekte so lebendig erzählen, die Irving Penns Fotografie so faszinierend macht. Egal, ob er Obst, verwelkte Blüten oder auch Zigarettenstummel fotografiert.

In Bildern festgehaltene Vergänglichkeit

"Wenn Iriving Penn Zigarettenkippen auf der Straße gesammelt hat - feucht, zerfleddert - dann hat er die erstmal getrocknet", sagt Jeff Rosenheim, Kurator der Ausstellung. Wenn der Fotograf dann einmal Leerlauf hatte und zum Beispiel auf das nächste Modeshooting wartete, habe er die Zigarettenstummel sortiert, arrangiert und gruppiert. "Das sieht aus wie eine kleine Familie von Zigaretten  - und so zerfleddert, so ausgeraucht, wie diese Kippen sind, erinnert uns das an unsere eigene Vergänglichkeit", sagt Rosenheim. Penn schaffe es, diese Vergänglichkeit in seinen Bildern festzuhalten.

Penn trieb seine Modelle regelrecht in die Enge

Penn nahm es mit den Zigaretten also sehr persönlich. Ja, er portraitierte sie, wie er Menschen portraitierte. All die Berühmtheiten, die im Auftrag der Vogue vor Kamera standen: Picasso zum Beispiel, mit halb verschattetem Gesicht und umso intensiverem Blick aus dem einen sichtbaren Auge. Alfred Hitchcock, auf einem alten Teppich sitzend, George Grosz, auf einem Stuhl in der Ecke kauernd, Strawinsky lässig an die Wand gelehnt, lauschend. Ja, Irving Penn trieb seine Fotomodelle teils regelrecht in die Enge, indem er sie zwischen zwei im spitzen Winkel postierten Wänden ablichtete.

Penn habe die Menschen ja nicht gekannt, die er fotografierte, sagt Rosenheim - die "Vogue" habe sie für ihn ausgesucht - Menschen, die schon oft in großen Studios fotografiert worden waren. "Penn hat das ganz anders gemacht, hat die Prominenten zwischen diese im spitzen Winkel aufgestellten Wände gestellt, beziehungsweise gesetzt. Sie waren quasi eingeschlossen. Und einige haben sich vielleicht nicht besonders wohl gefühlt, andere haben mit der Situation gespielt - sie haben etwas ausgedrückt, verkörpert - und Irving Penn hat ihnen mit seinem Arrangement die Möglichkeit dazu gegeben."

Eine Ausstellung, an der man sich nicht sattsehen kann

In der Enge dieser "Fotoecke" entstand so eine Art Konzentrat eines Portraits - sehr persönlich, egal, in welcher Pose sie sich präsentierten - unter der Regie von Irving Penn. Denn ob Mode-, Promi- oder Blumenfotos: Irving Penn hat bei seiner Arbeit nichts dem Zufall überlassen.

Rund 240 zumeist im Auftrag der Vogue entstandene Fotografien hat jetzt die C/O Berlin zusammengetragen. Locker thematisch und chronologisch geordnet, ist es ein Rundgang entlang perfekt arrangierter Bilder, an denen man sich nicht satt sehen mag - eine Begegnung mit Menschen und Dingen.

Beitrag von Barbara Wiegand

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