Joey Burns von der Band Calexico bei einem Konzert am 10. März 2018 im Tempodrom in Berlin. (Quelle: imago/Martin Müller)
Bild: imago/Martin Müller

Konzertkritik | Calexico im Tempodrom - Der Abend der calexiconischen Konstanten

Mexikanischer Folk und psychedelischer Indie - damit wurde Calexico in den 90er Jahren  bekannt. Gut zwanzig Jahre später sind die Musiker aus Arizona mit ungewohntem Sound auf Tour. Das Publikum brauchte ein wenig, um warm zu werden. Von Susanne Bruha

Mit "Dead in the Water" eröffnen Calexico den Abend im ausverkauften Tempodrom. Der Song, ein Stück aus ihrem aktuellen Album "The Thread That Keeps Us", ist ein rauer Start in eine Zwei-Stunden-Bühnen-Show, den viele Besucher so nicht erwarten hatten. Irgendwie hatten sie Calexico anders in Erinnerung. Die Bühne ist dunkel und wird nur erhellt von scheinbar willkürlich flackerndem Scheinwerferlicht. Zu den krachigen Gitarren gesellen sich nach und nach Bläser, Percussion und Keyboard.

Die Fans verweigern sich - zunächst

Viele im Saal sind Fans der ersten Stunde. Damals, Mitte der Neunziger, waren sie vielleicht dreißig als sie Fans des Klapperschlangen-Tex-Mex-Sounds der Jungs aus Arizona wurden.

Nach diesem etwas rauen Beginn liefern die Musiker um den Sänger Joey Burns und den Schlagzeuger und Multiinstrumentalisten John Convertino sehr schnell dann auch die vertrauten Klänge. Aber so richtig leicht ist das Publikum an diesem Samstagabend nicht zu überzeugen.

Als Joey Burns den Saal zu "Voices in the Field" vom neuen Album zum Mitklatschen auffordert, findet er zunächst nur wenige Mitstreiter. Doch er versucht es weiter. Der nächste Song sei einer zum Tanzen, ruft er ins Mikrofon und tanzt selbst schon mal los zu "Under the Wheels" - ein weiteres überraschend neu klingendes Stück vom aktuellen Album. Satte Synthies, dicker Refrain, funky Bläser - immerhin diese eine calexiconische Konstante.

Besorgte Texte und krachige Kompositionen

Auf dem neuen Album setzen sich Calexico mit der derzeit chaotischen Welt auseinander. Wir hören besorgte Texte auf krachigen Kompositionen. Die Band hat ihren Mix aus Indierock, Alternative Country mit mexikanischer Folklore schon immer weiter entwickelt, Stile gemischt, Genres gekreuzt. Das neue Album steht in dieser Tradition und klingt stark, wenn auch gewöhnungsbedürftig für einige Fans. Sie warten auf die typischen Bausteine eines Calexico-Songs - und die Band liefert.

Im Mittelteil des Konzerts spielt sie jede Menge Lieder mit spanisch gerappten Passagen, mariachi-mässigen Trompeten, Akkordeon, Marimbaphon: Folklore gemixt mit der indierockigen Grundhaltung der Band. Das Publikum dankt es mit begeistertem Applaus.

Je mehr Bläser desto tanzfreudiger das Publikum

Zwar dauert es dann trotzdem noch bis zur Zugabe, dass Joey Burns sein Publikum zum Mitklatschen bewegen kann, doch auf und vor der Bühne haben alle eine gute Zeit. So erzählt Burns, dass Berlin für die Band ein "home away from home" sei, schließlich sitze hier ihre Plattenfirma.

Und immer wieder spricht er über seine Sorge um den Planeten, auch viele der Songs der Band handeln davon. Die Fans wertschätzen das, freuen sich aber sichtlich ein bisschen mehr über die älteren Stücke.

Sendung: Inforadio, 11.03.2018, 8.20 Uhr

Beitrag von Susanne Bruha

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