Schornsteinfegerin bei der Arbeit. (Bild: dpa/Gudrun Petersen)
Bild: dpa/Gudrun Petersen

Perspektivwechsel zum Frauentag* - Heute schreiben wir mal anders

Normalerweise werden Gruppen von Menschen in journalistischen Texten fast immer männlich bezeichnet - aber warum heißt es eigentlich "Erzieher" oder "Polizisten"? Wir versuchen es heute mal andersherum.

Die Frage entstand in unserer morgendlichen Redaktionskonferenz: Welche Geschlechterklischees transportieren wir eigentlich tagtäglich mit unseren Meldungen? Wieso sind Polizisten und Beamte immer Polizisten und Beamte und nicht Polizistinnen und Beamtinnen? Wieso betiteln wir eine Meldung zuerst mit "Zu viele brechen Erzieher-Ausbildung ab" – obwohl in dem Beruf in Berlin mehr als 90 Prozent Frauen arbeiten und auf dem Foto auch ausnahmslos Frauen zu sehen sind? Unbefriedigende Antwort: Weil wir es eben gewohnt sind.

Aber muss es deshalb immer so bleiben? Schließlich entwickelt sich Sprache ständig weiter. Wir wollen herausfinden, wo es Handlungsbedarf gibt - im routinierten Getriebe unserer Nachrichtenredaktion.

Berlinerinnen sind in der Mehrzahl

Deshalb wechseln wir die Perspektive, wenigstens für einen Tag – den Internationalen Frauentag. An diesem 8. März werden wir unsere Meldungen so verfassen, als sei nicht die männliche, sondern die weibliche Bezeichnung die übliche; für einen Beruf zum Beispiel, oder eine Ortszugehörigkeit. Keine Sorge: Wenn der Täter in einer Polizeimeldung männlich war, machen wir in unserer Meldung keine Frau aus ihm.

Wenn aber etwa die Lehrkräfte an den Schulen mehr Gehalt einfordern, ist ja auch fast immer von Lehrern die Rede, obwohl gut zwei Drittel Lehrerinnen sind. Es gibt auch mehr Berlinerinnen als Berliner, trotzdem lässt man den Männern in Texten den Vortritt. Beispiele für so etwas lassen sich endlos viele finden. Deshalb nun also andersrum.

Aber was soll das? Wenn die männerdominante Sprache nicht korrekt ist, warum drehen wir den Fehler dann einfach nur herum? Und gibt es nicht Wichtigeres?

Denkanstoß genügt

Natürlich gibt es das, aber das gibt es eh immer - sich parallel um große Probleme zu kümmern, heißt nicht die vermeintlich kleineren ignorieren zu müssen. Sprache bedeutet Macht und im besten Falle machen wir an diesem Donnerstag etwas sichtbar – für uns und für andere. Es geht uns nicht darum, zu belehren, sondern darum, zum Nachdenken anzuregen.

Auch uns selbst - denn wir diskutieren immer wieder über die jeweiligen Bezeichnungen. Jeder Artikel ist anders, fertig werden wir nie. Auch das zeigt, dass es in dieser Frage kein richtig und kein falsch gibt, sondern nur verschiedene Meinungen. Aber wie umständlich ist es, eine ausgewogenere Sprache im Redaktionsalltag hinzubekommen? Wir sammeln den ganzen Tag lang die Erfahrungen unser Kolleginnen und Kollegen - und werten sie danach in einem Beitrag aus.

Uns interessiert auch, was Sie darüber denken. Ist es einen Versuch wert - oder halten Sie die Idee für überflüssig? Schreiben Sie uns - mit der Kommentarfunktion unter diesem Text.

Kommentar

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71 Kommentare

  1. 71.

    Prima Idee! Ich mag es auch sehr wenn ich erleben darf, wie das Licht in Tüten ins dunkle Rathaus getragen wird. Aber unter Gleichberechigung verstehe ich auch, dass zu jedem guten Wort wie zB "Weltverbesserin" auch ein böses umgegendert wird wie zB "Steuerhinterzeieherin"

  2. 70.

    Frauen stellen die Mehrheit aller Bürger in diesem Land. Wenn Sie sich also durch die Sprache diskriminiert fühlen, und glauben, das kann durch weibliche Generalita geändert werden, warum setzen sie es denn nicht einfach durch? Warum gibt es keinen Volksentscheid in Berlin dazu, z.B. die Sprache der Berliner Verfassung und die amtlichen Vordrucke anzupassen?
    Sie ahnen es, weil es nicht mal unter Frauen einen Konsens dazu gibt. Und Sprache funktioniert eben nur dann, wenn es einen Konsens über Ihre Nutzung gibt.
    Wir brauchen auch keine Sprachakademie, die uns die Sprache vorschreibt, die Sprache gehört uns allen. Und wir brauchen uns auch nicht zu fürchten vor anderen Einflüssen, die deutsche Sprache hat noch vieles integriert und ist doch am Schluss immer noch sie selbst geblieben. Aber bitte daran denken: Hochdeutsch ist nicht die einzige Variätät unserer Sprache.

  3. 69.

    Hallo Skorpion,
    jaja, der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Da muss die deutsche Sprache sowieso schon genug an Anpassungen aushalten, Anglizismen, und die neue Rechtschreibung. Ist alles gerade noch so erträglich. Was aber an die Substanz geht, das ist, wenn die Grammatik angegriffen wird, das ist sowas wie ein Eingriff am offenen Herzen. Und es sind ja nicht nur die bekannten, hier schon dargestellten Formen der Genderei. Es geht um die "Kollateralschäden", die viele Vertreter von Medien und Politik in vorauseilendem Gehorsam anrichten, wenn sie von "Kinderinnen und Kindern" (sic!) schreiben oder davon berichten, dass eine "weibliche Pilotin" im Cockpit sitzt. Da wird mir schlecht. Das ist mehr als Dummdeutsch, das ist bewusste übelste Misshandlung der deutschen Sprache. "Das Kind" ist sächlich, da gibt es nichts zu unterscheiden in maskulin und feminin. Und eine Frau ist doch per se weiblich. So ein Nonsens kann nicht einmal von den härtesten Feministinnen gefordert werden.

  4. 68.

    immer wieder lustig,wie die vermeintlich Vorurteilsfreien die gleichen Vorurteile haben wie alle anderen. Nur soviel,es gibt genug Frauen,die diese Unart genauso unsinnig finden. Ich wette sogar,dass diese in der Überzahl sind.

  5. 67.

    Ich bin der Meinung, dass frau die deutsche Sprache gendern kann, wie sie will. Solange die Gleichstellung nicht durchgesetzt wird, bringt das überhaupt nichts und die teilweise Ungleichbehandlung der Frau setzt sich fort. Nicht der Weg ist alles, sondern das Ziel. Allerdings finde ich nicht, dass man den Duden zu den Hütern der deutschen Sprache zählen kann, denn dort wird zunehmend der Usus aufgenommen und nicht die Norm. Wenn ich "wegen dem" oder "öfters" höre oder lese, wird mir übel. Ist aber laut Duden zulässig, weil die Mehrheit der Anwender so schreibt bzw. spricht. Für mich ist der Duden also raus. Ich hoffe, dass das Goethe-Institut da konsequenter ist.

  6. 66.

    Sicher, wir sind es gewohnt, die männliche Form zu wählen, wenn wir beide Geschlechter meinen. Aber so ist es bisher in der deutschen Sprache vorgeschrieben. Natürlich hat das historische Gründe, das ist bekannt. Wenn wir das ändern wollten, müssten wir die Regeln der Rechtschreibung ändern. Das wäre sicher möglich, wäre aber streng genommen genauso einseitig wie die andere, männliche Form. Stets beide Formen zu schreiben finde ich sehr anstrengend und unnötig aufwendig. Kann man sich nicht einigen auf eine bestimmte Form? Wenn diese alte Sprachregelung jedem von ums bekannt wäre, in der Schule gelehrt würde, gäbe es dann noch ein Problem? Es gibt viele, viele Formen in der deutschen Sprache, die nur männlich sind. Das finde ich überhaupt nicht schlimm. Ist das ganze ein Auswuchs der sogenannten Emanzipation? Ich meine, dass diejenigen, die Deutsch unterrichten, Sprache wirklich bewusst machen müssten. Das bezieht sich übrigens auch auf alle Lehrkräfte in jeder Situation. U. St.

  7. 65.

    Hallo Lothar. Die Diskussion dreht sich um den Erhalt der deutschen Sprache und inwiefern die Genderisierung derselbigen einen Sinn hat, erwünscht ist oder eben nicht. Die Einführung der englischen Sprache steht nicht zur Debatte. Solange SIE sie deutsche Sprache (wünschenswert korrekt) in Wort und Schrift beherrschen, können Sie sich ja englisch Filme ansehen. Ansonsten natürlich auch. Außerdem ist es - behaupte ich - müßig, einer Sprachmittlerin, die jeden Tag mit der deutschen und anderen Sprachen lebt und arbeitet, den Sinn der Benutzung von Sprache zu erklären.

  8. 64.

    Englisch ist überwiegend die Sprache im Internet und international Nr.1.Ich plädiere sogar für Originalfilme im TV mit deutschem Untertitel, wenn angezeigt. Das Synchronisieren Ausländischer Filme ist oftmals grottenschlecht gemacht. Die Holländer haben auch keine Probleme damit.

  9. 63.

    Verlegung des Weltfrauentages auf Rosenmontag wäre auch nicht schlecht. Das ergäbe eine mehr als nur interessante Synthese.

  10. 62.

    Leider habe ich erst jetzt von diesem grandiosen Versuch gelesen!Wegen Krankheit! Ich finde Ihre Idee und Durchführung genial!Schade,daß diese Frauen bevorzugende Sprache nur am 8.März Thema ist! In der üblichen Sprache werden Frauen schon jahrhundertelang benachteiligt bzw. sind nicht "sichtbar". Und bei nur 1 Tag mal anders,regen sich so viele Männer auf!!Das finde ich lächerlich!!! Ich bin dafür,ab und zu mal für eine Weile z.B. fpr 1 Monat lang,den Männern "die Augen zu öffnen"!!?

  11. 61.

    Gilt das auch für Mörder, Verbrecher und Diebe?
    Wäre doch konsequent.

  12. 60.

    @Orangelife

    "Erfahrungen mit Feministinnen"

    Feministen bitte. Das generische Maskulinum ist bei dem Thema wirklich wichtig, es gibt ja auch männliche Feministen.

    "Frauen/Feministinnen"

    Es geht nicht um Personen, sondern um eine Ideologie. Mit dem Geschlecht hat das nichts zu tun. Zustimmung zu einer Ideologie ist keine biologische Eigenschaft, sondern eine bewusste Entscheidung.

    "Rassist"

    Der Feminismus ist eine Weltanschauung, ein politisches Programm, eine soziale Bewegung. In der Demokratie ist es normal, dass jede politische Forderung von anderen analysiert, kritisiert, und auch ganz abgelehnt werden darf. So wie die CDU kritisiert werden darf, so auch der Feminismus, ohne dafür mit Schimpfwörtern überzogen zu werden.

    "wird ein Mann genannt"

    Antifeminist. Auch das ist ein generisches Maskulinum, es gibt ja auch weibliche Antifeministen. Und die Ablehnung bezieht sich auf die Ideologie und die damit begründete Politik, nicht auf einzelne Personen.

  13. 59.

    Haben Sie den Text eigentlich gelesen? Um Singular geht es doch überhaupt nicht, nur um Beschreibungen von Gruppen. Wenn bei 10 ErzieherInnen z.b nur 2 Männer dabei sind schreibt man bisher trotzdem nur "Erzieher". Macht das Sinn? Ich kann Sie beruhigen: es heißt der Mensch.

  14. 58.

    Ziemlich krank, dieses „wir sind ja so korrekt“ Gehabe. (Und sich dabei stolz auf die eigene Schulter zu klopfen).

  15. 57.

    Es tut mir sehr leid, dass Sie schlechte Erfahrungen mit Feministinnen gemacht haben. Waren die im Studium und anschliessend beruflich wimöglich auch noch erfolgreich?

    Sie schließen offensichtlich von einer Begegnung mit Feministinnen auf alle Frauen/Feministinnen. Würden Sie von einer Begenung mit Flüchtlingen auf alle Flüchtlinge abwertend schreiben, würden Sie als Rassist bezeichnet werden und ihr Kommentar wahrscheinlich gelöscht werden. Wie wird ein Mann genannt, der pauschal alle Feministinnen über einen abwertenden Kamm schert?

    Ich wünsche Männern sehr, dass sie stark genug sind, gleichberechtigt neben starken und schwächeren Frauen zustehen - und sich dabei von der Sprache der Macht lösen können!

  16. 56.

    Sprache ist Macht,richtig.In den Händen des Journalismus liegen viel gesellschaftliche Macht und Einfluss. Ich wünsche mir, dass gegendert wird. Ich wünsche mir, dass sachlich, treffend formuliert berichtet wird. Ich wünsche mir, dass keine Vorurteile und Spaltungen in unserer Gesellschaft befeuert werden.

  17. 55.

    Hallo Skorpion,
    danke für die Antwort. Ja, solche Institutionen gibt es auch bei uns, die halten sich aber hierzu unverständlicherweise sehr bedeckt. Das ist zum einen der Duden-Verlag, der sich allerdings mehr mit der Orthographie befasst. Und zum anderen gibt es das Goethe-Institut. Die Genderei betrifft vornehmlich die Grammatik, strahlt jedoch - siehe "...Innen", "_innen" oder "...*innen" - auch in die Rechtschreibung hinein, somit wäre der Duden auch "betroffen".
    Sowohl Duden-Verlag als auch das Goethe-Institut müssten angesichts der Auswüchse der Genderei (manche Feministinnen fordern schon "Mitgliedinnen", dabei ist das sächlich) eigentlich Zeter und Mordio schreien. Dass sie das nicht tun und die Genderei offensichtlich hinnehmen, zeigt mir, dass diese Institutionen sich auch schon von den Feministinnen haben einlullen lassen und glauben, die Genderei wäre nur eine ganz normale Weiterentwicklung der Sprache. Dabei ist sie das eben nicht, sondern deren bewusste Verkrüppelung.

  18. 54.

    Ich gebe Ihnen in allen Punkten zu recht. Ich wünschte, wir hätten in Anlehnung an die Académie française eine Institution zur Überwachung und Bewahrung der deutschen Sprache.

  19. 53.

    Stimme Ihrem Kommentar 100% zu. An manchen Stellen allerdings könnte sprachlich dennoch kreativ nachgearbeitet werden. Beispielsweise finde ich die Berufsbezeichnung Reinigungskraft zeitgemäßer als Putzfrau oder Putzmann. Über Zimmermann könnte also gerne nachgedacht werden ... aber bitte nicht amerikanisieren.

  20. 52.

    Diese Diskussion über die männlich dominiert deutsche Sprache hat mein Vater schon vor 40 Jahren öffentlich geführt. Dass es bis heute nicht viel gebracht hat, zeigt, dass sich Vetänderungen nur schwer durchsetzen werden. Meine Meinung dazu habe ich bereits dargelegt.