N"NULL" von Herbert Fritsch, Regie und Bühne: Herbert Fritsch an der Schaubühne in Berlin (Quelle: dpa/Thomas Aurin)
Audio: Inforadio | 26.03.2018 | Susanne Bruha | Bild: dpa/Thomas Aurin

Theaterkritik | Herbert Fritsch an der Schaubühne - Nichts Neues in "Null"

Nach "Zeppelin" hatte jetzt die zweite Inszenierung des Ex-Volksbühnen-Regisseurs Herbert Fritsch an der Schaubühne Premiere. Das Stück heißt "Null, denn der Regisseur sagt, es sei ihm nichts mehr eingefallen. Kritikerin Susanne Bruha war dieses Nichts etwas zu wenig.

Auf der großen Bühne steht nicht viel. Die kahlen Sichtbetonwände lassen den Raum riesig wirken, eine Artistik-Stange reicht von der Decke auf den Boden, dort ist neben ein paar Plexiglasplatten eine Pendelbahn aufgezeichnet. Durch die Tür in der hinteren Bühnenmitte treten wild diskutierend neun Schauspieler. Sie sind fett geschminkt, tragen pastellfarbene Kostüme und teilweise Perücken (Kostüme: Bettina Helmi). Sie sprechen nur in Wortfetzen, der Text der ersten halben Stunde des Abends passt auf wenige Textseiten. In Teil zwei des Abends wird gar nicht mehr gesprochen, dann bestimmen Sound und Musik das Geschehen. An Anfang wollen die Spieler eine Tanzchoreografie einstudieren, allerdings kommt die nicht zustande, da jeder in seinen Anfangsimpulsen stecken bleibt. Bei der Premiere von "Null" (Regie und Bühne: Herbert Fritsch) am Samstagabend in der Schaubühne am Lehniner Platz kommt das Ensemble zwar über "Null" hinaus, aber ein großes Ganzes will nicht entstehen.

Schauspieler als Kugelstoßpendel

Herbert Fritschs Inszenierungen leben vom Slapstick und von der Körperlichkeit der Schauspieler. In "Null" hat er mit seinen Darstellern bei Null angefangen, das Nichts zu erforschen. Auf die Bühne gebracht hat er gesammelte Assoziationen aus dem Probenprozess.
Über die gesamte Bühnenbreite hängen die Spieler jetzt an langen Drahtseilen nebeneinander und werden aus dem Schnürboden wie Marionetten bewegt. Danach stoßen sie sich wie bei einem Kugelstoßpendel der Reihe nach an. Das sieht witzig aus und entlockt dem Publikum viele Lacher.

Ästhetisch der Knaller!

Auch ein Gabelstapler, der den Schauspieler Florian Anderer vorn auf dem Zinken transportiert, löst Gelächter aus. Anderer sieht mit seiner blonden Perücke aus wie eine Schaufensterpuppe. Der Stapler transportiert ihn zu der Artistik-Stange und setzt ihn weit oben ab. Ästhetisch ein Knaller! Die großartige, sehr clowneske Fritschianerin Carol Schuler beeindruckt mit echter Artistik an der Stange, die restlichen Nummern allerdings kommen über ein erstes Improvisationsstadium nicht hinaus. Aus vielen einzelnen Ideen entsteht an diesem Abend kein Stück.

Es gibt viel zu sehen, aber wenig Neues

Dabei gibt es in bewährter Frisch-Tradition durchaus viel zu sehen. In der zweiten Hälfte des Abends schwebt eine roboterbetriebene Hand als Bühnengott über dem Ensemble und senkt sich manchmal so bedrohlich weit herab, dass sie die Spieler zu erdrücken droht. Dann wieder verfrachtet der Gabelstapler das Ensemble in die Unterbühne und als er sie wieder hochholt halten alle Darsteller Blechblasinstrumente in Händen. Die bespielen sie dann natürlich nicht wirklich, sondern beklopfen sie und erzeugen immer mehr "Nichts" und "Null".

Ja, die "Null" wird sicht- und auch hörbar an diesem Abend, indem Fritsch auch ansonsten wenig hörbare Geräusche wie das Quietschen von Haut an der Artistik-Stange - sehr verstärkt. Dennoch, Herbert Fritsch will laut Programmheft solange provozieren, bis etwas ganz Neues entsteht. Die Provokation an diesem Abend besteht leider nur darin, dass wenig Neues passiert.

Beitrag von Susanne Bruha

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