Alle Farben alias Frans Zimmer Oktober 2017 in Hamburg (Quelle: dpa/Jazz Archiv)
Audio: Fritz | 01.03.2018 | Interview mit Reporter Timm Lindenau | Bild: dpa/Jazz Archiv

Konzertkritik | Alle Farben im Berliner Watergate - Alle Hände fliegen hooooch in die Luft

Wenn es einer schafft, mitten in der Woche ein Samstagabend-Party-Gefühl zu verbreiten, dann ist es wohl der Kreuzberger DJ Alle Farben. Mit tiefen Bässen und überraschenden Trompeten-Einlagen lässt er seine Fans abtanzen - bis zur Erschöpfung. Von Nicole Staerke

"Legst du überhaupt noch mit Platten auf? Oder kommt das alles vom Band?": Das ist die vermutlich meist gestellte Frage an DJs unserer Zeit. Frans Zimmer aka. Alle Farben kann die erste mit einem klaren Ja beantworten, wie sich am Mittwochabend im Berliner Watergate wieder zeigte.

Er steht hinter seinem DJ-Pult, das unspektakulär aussieht. Sein ganzer Körper wippt, er nimmt die Kopfhörer hektisch auf und ab, hat ein Dauergrinsen im Gesicht und mixt einen fetten Track nach dem nächsten für die partywütige Meute. Die grinst mit ihm um die Wette.

Großer Künstler, kleiner Club

Normalerweise sieht man Alle Farben sonst nur aus der gefühlt hundertsten Reihe auf der Mainstage von großen Elektro-Festivals. Nicht so am Mittwochabend. Zur 25. Geburtstagsfeier von Radio Fritz können die knapp 300 Fans ihm quasi aufs DJ-Pult spucken, so nah stehen sie an ihm dran.

Die Atmosphäre im Watergate ist magisch. Der unter den Füßen vibrierende Bass-Sound aus den riesigen Boxen, die verglaste Fensterfront mit Blick auf die Oberbaumbrücke, auf der die U-Bahn im Fünfminuten-Takt fährt, die Eisschollen auf der Spree und die tiefe mit LED-Himmel ausgestattete Decke verzaubern so ziemlich jeden im Raum.

Der DJ Alle Farben guckt seitlich in die Kamera und zeigt mit seinem Zeigefinger nach vorn (Foto: Joseph Strauch)
Bild: Joseph Strauch

Tanzen bis zur Ekstase

Während es draußen minus zehn Grad sind, kocht die Luft im Inneren des Clubs schon nach den ersten paar Liedern. So sehr, dass die Scheiben beschlagen und die einzigartige Aussicht verschwimmt.

Als Alle Farben nach einer knappen halben Stunde seinen Überhit "Bad Ideas" auflegt und eine Trompete live neben ihm erklingt, werden die Wohoooo-Schreie im Publikum immer lauter. Und bei jedem Drop fliegen Hände von der ersten bis zur letzten Reihe in die Luft. Bei "Rosie" singen die Röhrenjeans tragenden Hipsterboys und die Frauen mit ihren High-Waist-Hosen und bauchfreien Tops dann lauthals und ekstatisch mit.

Aber nicht nur Tracks von Alle Farben selbst feiert das Publikum, sondern auch die Remixe seiner Produzenten- und Musiker-Kollegen. Und da lässt der DJ wirklich nichts aus. Er wagt sich an Frank Sinatras "New York, New York", mixt Songs von Robin Schulz, MGMT und Martin Solveig. Auch dem Reamonn-Klassiker schlechthin, "Supergirl", gibt er ein neues Gewand.

Da stört es auch niemanden weiter, dass im Watergate eine strenge No Photo-Policy herrscht und die Smartphones in den Taschen bleiben müssen. Die Menge macht einfach Fotos mit ihren Augen und genießt den Abend. Und der scheint eindeutig unter dem von Alle Farben schon längst besungenen Motto "Keep on Dancing" zu stehen. Immerhin haben die Fans nach knappen zwei Stunden Feierei noch lange nicht genug und entscheiden sich mehrheitlich dafür, direkt im Watergate zu bleiben und die angebrochene Nacht durchzufeiern.

Sendung: Radio Fritz, 01.03.2018, 06:20 Uhr  

Beitrag von Nicole Staerke

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