Casper-Konzert (Quelle: rbb/Stefan Wieland)
Audio: Fritz | 02.03.2018 | Interview mit Reporter Timm Lindenau | Bild: rbb/Stefan Wieland

Konzertkritik | Casper im Waschhaus Potsdam - Ekstatisches Soundgewitter - und alles ist erleuchtet

Tosen, Donnern, Pauken und Fanfaren sind zu hören, als Rapper Casper die Bühne vom Potsdamer Waschhaus erklimmt und vor ungewohnt kleinem Publikum eine Reise antritt - ins Hinterland, mit ganz viel Liebe im Herzen und steil hin zur Sonne. Von Nicole Staerke

Das Licht geht aus, die ganze Halle kreischt auf, das majestätische Intro wummert: Die fünfköpfige Band kommt nach und nach auf die Bühne - und dann schließlich Casper. Wie ein Blitz schießt er  raus, sprintet auf der Bühne wild von links nach rechts und rappt dazu mit viel Druck in der Stimme die ersten Zeilen: "Schmeiß das gottverdammte Flutlicht an. Lass es alle sehen durch die Bank. Und alles ist erleuchtet."

Casper klotzt von der ersten Sekunde richtig ran und das überträgt sich sofort auf die Menge. Die springt voller Energie auf und ab, als hätten sie jahrelang nur auf diesen Moment gewartet. Der Fußboden wackelt. Passend dazu: Immer wieder heftig aufflackerndes Strobo-Licht.

Ekstatisch, nass und knarzig

Zwischen Rap und Rock

Eine Casper-Show ist eben keine konventionelle Rapshow. Zugegeben: Bei Songs, die ganz klar Rap sind, steht das Publikum klassisch mit beiden Händen in der Luft da und geht zum Beat ab. Sobald aber ein schneller Part kommt, wird sofort ein Moshpit gebildet, und es fühlt sich ein bisschen wie auf einem Metal- oder Punkkonzert an. Dann kommt wieder ein ruhiger, deeper Song wie "Flackern und Flimmern" - ein Kampf gegen Böses, aber auch eine Ode an Caspers Frau und an die Liebe - ein Song, bei dem sich alle in den Armen liegen und dazu Taschentücher und Feuerzeuge rausholen. Casper bewegt sich also immer noch zwischen den Welten aus melancholischem Rock, gut gemachtem Pop und kritischem Hip Hop.

Als er das knarzig-umherschießende "Sirenen" anstimmt, jubelt die kleine Clubmenge so laut wie ein ganzes Festival und man versteht kaum eine Textzeile. Die Ekstase will nicht abflachen: Rapper-Kollege Ahzumjot springt zwar nicht aus einer Torte, seine Performance zu ihrem gemeinsamen Hit "Lass sie gehen" ist aber eine unerwartet-freudige Überraschung und sorgt für einige Herzen in den Augen bei dem größtenteils weiblichen Publikum.

Überraschend witzig inklusive Texthänger

Casper ist insgesamt ziemlich gut drauf. So gut, dass er sich nicht nur immer wieder beim Publikum bedankt, er witzelt auch mit den Fans rum. So gibt er zu, dass er ein paar Texthänger hatte. Natürlich nur, weil sein letzter Gig locker ein halbes Jahr her sei und ihm nun die Übung fehle. Und dann feiert er den coolen textsicheren Typen in der ersten Reihe ab, der ihm glücklicherweise mit seinem lauten Gegröle ausgeholfen habe.

Die Nähe zum Publikum in so einem - für Casper-Verhältnisse kleinen Club - scheint ihm zu gefallen. Irgendwann gibt er sein Mikrofon sogar in die Menge und quatscht mit einem Fan vor allen Leuten über die Vorband Minneapolis. Ja, Casper steht darauf, die Leute auch außerhalb seiner Songs aufzuheizen und herauszufordern. Und mit seiner charmanten, witzigen Art ist er mittlerweile ein richtiger Entertainer.

Wenn es nach den Fans geht, war das wohl eine ziemlich gute Geburtstagsparty im Rahmen des 25. Geburtstag von Jugendwelle Radio Fritz - mit knapp anderthalb Stunden zwar ziemlich kurz und knackig, dafür aber umso intensiver.

Beitrag von Nicole Staerke

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