Sänger Jesper Munk während eines Konzertes. (Quelle: imago/STAR-MEDIA)
Audio: Inforadio | 13.03.2018 | Susanne Bruha | Bild: imago/STAR-MEDIA

Konzertkritik | Jesper Munk in Berlin - Junger Künstler mit alter Seele

Jesper Munk wurde 2013 für sein Debüt "For In My Way It Lies" als Blues-Shootingstar gefeiert. Zwei Alben später geht das Blues-Wunderkind neue musikalische Wege. Das kam am Montag beim Konzert im Berliner Privatclub nicht bei allen an. Von Susanne Bruha

Mit weit geöffnetem weißen Hemd, Hipsterbrille und kurzem, nerdigen Pony betritt Jesper Munk (25) die Bühne. Seine neue Band hat da schon mal mit "Clean" vom zweiten Album "Claim" angefangen. Bei den ersten beiden Alben hatte noch Munks Vater den Bass in der Band des Sohnes gespielt. Der ist jetzt nicht mehr dabei, aber alle vier Mitmusiker könnten altersmäßig Jespers Väter oder Großväter sein.

Der Sound ist größer als der Club

Jesper Munk hat eine beeindruckende Stimme: Soulig knarzt sie mit viel Hall, während beim ersten Lied die Gitarren schleppend scheppern. Lässig, bluesig, schwer tragend und bedeutungsschwanger. Eins ist klar: Dieser Sound ist größer als der Club und dabei doch so entspannt wie der sonnigste Sonntagmorgen. Gut hörbar ist das im nächsten Song "Happy when I'm Blue" vom im April erscheinenden Album "Favourite Stranger".

Poppiger, weltläufiger, frischer und offener für alle möglichen Einflüsse sind die neuen Songs. Das Gesamtrepertoire des 25-jährigen Münchners Munk hat sich damit extrem verbreitert. Blues, Rock, Soul, Pop und Folk - Jesper greift überall zu.

Ein bisschen mehr Rockstar?

Bei einer Country-lastigen Westernnummer wird es heiß im ausverkauften Privatclub, das Publikum tanzt. Jesper singt abwechselnd in zwei Mikrofone, das eine mit verzerrendem Effekt, das andere ohne. Wie ein Zwiegespräch zwischen dem jungen Künstler und (s)einer alten Seele hört sich das an.

Irgendwann setzt Jesper seine Nerdbrille ab und gibt den Blick frei auf silbernen Lidschatten, passend zu silbernem Nagellack. Später sagt er, dass er es hasse, Songs anzusagen, und verzichtet auch fast komplett drauf.

Noch später werden die Songs immer ruhiger und der Laden immer leerer, bei den Verbliebenen bedankt sich Jesper fürs Ausgehalten haben. Bei Jesper Munk gibt es wenig Attitüde und viel Musik. Das ist sehr löblich und dennoch: Ein klitzekleines bisschen mehr Rockstar hätte dem Abend nicht geschadet.

Beitrag von Susanne Bruha

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Jürgen Jürgens (Quelle: rbb)
rbb

Im Alter von 65 Jahren - Radiolegende Jürgen Jürgens ist tot

"Hey Music" war jahrzehntelang seine Sendung - damit verbanden die Hörer den Namen Jürgen Jürgens. Auch als Musikchef von radioBerlin 88,8 blieb Jürgens seiner Sendung treu. Am Pfingstmontag ist die Radiolegende mit 65 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Ein Nachruf von Heiner Knapp