Archivbild - Joe Bonamassa bei einem Konzert am 9. März in Cardiff. (Quelle: imago/Simon Chapman)
Audio: Inforadio | 31.03.2018 | Susanne Bruha | Bild: imago/Simon Chapman

Konzertkritik | Joe Bonamassa im Tempodrom - Nichts Neues, aber das virtuos!

Joe Bonamassa hat als 12-Jähriger die Konzerte der Blues-Legende B.B. King eröffnet. Heute gilt er mit 40 Jahren als eines der größten Gitarrengenies weltweit. Auf zwei Konzerten zeigt er im Tempodrom seine Kunst. Der erste Abend war ein Erfolg. Von Susanne Bruha

Es sieht aus wie in einem Comic, wie der Star des Abends da unter einem Lichtkegel in der Bühnenmitte steht. In einem bordeauxroten Maßanzug, mit schmaler Sonnenbrille auf der Nase und rock'n'rolligem Ausfallschritt haut Joe Bonamassa in die Saiten seiner Les Paul-Gitarre. Das erste Stück heißt King Bee Shakedown und Joe und Band zeigen den Berliner Bluesrockfans ab dem ersten Akkord, wo hier die Gitarre hängt.

Es scheppert von Beginn an gehörig, die komplette Band ist direkt und massiv am Start, mit zwei Bläsern, Keyboard und Schlagzeug. So klassisch allerdings wie der Sound ist auch die Rollenverteilung auf der Bühne. So sind die Backgroundsängerinnen in ihren knappen Kellnerinnenkostümchen erstmal nur zum lasziven Rumtänzeln verdonnert. Das erste Gitarrensolo lässt derweil nicht lange auf sich warten - und dafür sind die Rockfans gekommen.

Man will Bourbon bestellen

Der New Yorker Joe Bonamassa, dessen Vater einen Gitarrenladen hatte, gilt mit seinen 40 Jahren als einer der Gitarrenvirtuosen schlechthin. In seiner Band spielen lauter Ausnahmemusiker, wie der Trompeter Lee Thornburg, der schon für Ray Charles gespielt hat, oder der Ex-Johnny-Cash-Bassist Michael Rhodes. Zusammen hauen sie einen dermaßen konservativen und präzisen Sound raus, dass es einen unweigerlich irgendwo nach Tennessee beamt. Man will Bourbon oder Southern Comfort bestellen - oder das nächste Gitarrensolo hören.

Soli, Soli, Soli

Viel, viele, sehr viele Soli lang holt Joe Bonamassa alles raus, was er aus seinen teuren Vintage-Gitarren eben rauszuholen vermag. Seine Finger zittern, rutschen, zupfen, tupfen und fliegen über die Saiten. Dann wieder schraubt er so am Lautstärkeregler, dass die Gitarre wie ein ganzer Geigenchor klingt. Oder er wechselt in ein rockiges Lick, in das die ganze Band einsteigt und zusammen jammen sie sich in den Gitarrenrockhimmel. Dort wähnen sich die versonnen lächelnden Fans sowieso schon. Bluesrock, Hardrock, Balladen: Bonamassa deckt alles ab. Dass es streckenweise ein bisschen anbiedernd schmalzrockig wird: geschenkt.

Alle sind noch mal eingeladen

Nach zwei Stunden Konzert hat Joe Bonamassa sein Hemd und die Anzugjacke klitschnass durchgeschwitzt. Er wirft sein Plektrum ins Publikum, verschenkt die Setlist und lädt alle ein, am zweiten Abend nochmal ins Tempodrom zu kommen. Zitat: gleiche Stelle, gleiche Welle, gleiche Sonnenbrille.

So freundlich angesprochen, überlegt man es sich fast.

Wobei: Neues hört man hier nicht, wenn das auch sehr virtuos.

 

Beitrag von Susanne Bruha

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Schade das ein so genialer Gitarrist, durch Übersteuerung und unfähigen Toningenieuren kaputt gemacht wird!!
    Der Einspielungssong vom Band lief doch einwandfrei....
    Habe das Konzert verlassen und war stink sauer, Bonamassa hat mit sehr leid getan.
    Ein weiterer Besuch im Tempodrom hat sich somit erübrigt.

  2. 4.

    Wenn in der Überschrift bereits Rechtschreibfehler auffallen, habe ich zum Weiterlesen eigentlich gar keine Lust mehr. Habe es trotzdem getan: Was heißt, nichts neues? Was wäre denn etwas neues? Die Schreiberin ist ganz gewiss keine Bluesrockerin, ansonsten wüsste sie: Wer Bonamassa will, bekommt Bonamassa. Und den gab für die Fans. Davon abgesehen, dass kein Bonamassa-Konzert dem anderen gleicht, bis auf unerreichte Präzision und Professionalität, gibt es auch immer einige neue Stücke. Selbst, wenn diese schon bekannt, aber in neuer, veränderter Form auftauchen, sind sie eben anders, als bekannt. Wenn ich ins Stones-Konzert gehe, bekomme ich...eben: Stones! So ist das nun mal. Eine lakonische Bemerkung, wie „nichts neues“, ist halt nur unsachliches Gesülze. Ich war am zweiten Abend im Tempodrom, und es war einfach nur geil. Ja, zeitweilig war die Aussteuerung und Abmischung grottig und die Ohren hatten echt Krieg mit dem Ton. Aber Bluesrockfans sind hart in nehmen!

  3. 3.

    Hallo, ich muss den Kommentaren zur Akustik leider voll unterstreichen. Ich habe Joe Banamasser zum ersten mal vor Jahren in der ' göttinger Lokhalle' live erlebt und war begeistert. Habe dann noch viele weitere Konzerte besucht. Das Konzert im Tempodrom war AKUSTISCH mit Abstand das SCHLECHTESTE und teuerste...
    Gleich die ersten Minuten (30.03.20118) waren ein Schock. Mikrofone waren total übersteuert, hat einfach nur den Ohren weh getan. Das hat man dann, nach einigen Minuten in den Griff bekommen. Aber leider zogen sich diee 'Fehleinstellungen' durch das ganze Konzert. Die Pegel waren nur auf max. Lautstärke und somit auch auf max. Klirrfaktor eingestellt.
    Super Auftritt von Joe aber leider durch die Technik total versaut. schade.
    Bei den Preisen werde ich mir den nächsten Besuch überlegen...

  4. 2.

    Das kann ich nur bestätigen, der Gesang einschließlich des Background-Gesanges waren zeitweise in der Übersteuerung.
    Die Bläser waren häufig übersteuert. Ich verstehe das nicht, das muss doch einem Toningenieur körperliche Schmerzen bereiten. Es hätte so schön sein können, schade.

  5. 1.

    Hi ich Frage mich ob Sie tatsächlich
    vor Ort waren?
    Habe 145 Euro für eine Karte bezahlt und einen Soundbrei erlebt der an die Schmerzgrenze ging! Bei dieser Super Band
    war das massive Übersteuern doch völlig unnötig.Bin nach 90min gegangen.
    Warum stand davon nichts im Kommentar?

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