Chorprobe in Berlin (Quelle: Imago/David Heerde)
Audio: Kulturradio | 07.03.2018 | Silke Mehring | Bild: Imago/David Heerde

Bau soll bis 2019 fertig sein - Deutscher Chorverband erhält Zentrum in Neukölln

Ein Haus für den Gesang - und das mitten im tiefsten Neukölln. Schon im April sollen die Bauarbeiten am neuen Deutschen Chorzentrum beginnen. Doch von dem neuem Zentrum sind nicht alle begeistert.  

Christian Wulff, seit 2018 Präsident des Deutschen Chorverbands, spricht von einem "Jahrhundertprojekt": In einem sanierungsbedürftigen Altbau in Berlin-Neukölln soll das neue Zentrum für den Deutschen Chorverband entstehen. Am Mittwoch hat Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) die Baugenehmigung an den Alt-Bundespräsident überreicht.

In der Karl-Marx-Straße 45, in unmittelbarer Nähe zum Theater Heimathafen Neukölln, soll das Zentrum ab 2019 ein Ort kultureller Bildung, gesellschaftlicher Teilhabe, Forum für Austausch, Weiterbildung und gemeinsames Musizieren sein. Nicht nur der bundesweite Deutsche Chorverband (DCV), sondern auch der Chorverband Berlin, die "neue musikzeitung" und eine Kindertagesstätte sollen dort einmal Platz finden.

Nationales Aushängeschild

Das Zentrum sei ein neues "nationales Aushängeschild" und ein "klares Zeichen für Amateuermusik" erklärte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Mittwoch. Gerade die Musik könne dazu beitragen, Vorbehalte und Ängste abzubauen und Verständnis und Toleranz zu wecken. Der 2005 gegründete DCV ist mit mehr als einer Millionen Mitgliedern in rund 15.500 Chören nach eigenen Angaben die weltweit stärkste Organisation der Amateurmusik.

Ist das neue Zentrum eine Bruchbude?

Doch so begeistert man sich auch am Mittwoch gab: Im Vorfeld war es zu einigen Turbulenzen rund um das Bauprojekt gekommen. Der Chorverband Bayerisch-Schwaben hatte das marode Gebäude in Neukölln gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" bereits im März 2017 als "Bruchbude" bezeichnet. Das Projekt sei kaum finanzierbar und werde den Verband auf Jahre verschulden. Zum Jahresende verließen Bayerisch-Schwaben und acht weitere Mitglieder den Dachverband. Schon länger hatten sie dem DCV ausufernde Personalkosten und eine defizitären Haushaltsführung vorgeworfen.

Wulff wies die Anschuldigung zurück. Sanierung und Bau würden über eine Gesellschaft finanziert, ohne die Mitgliedsverbände zu belasten. Vizepräsidentin Petra Merkel betonte zudem, dass das Haus sanierbar sei: "Drei Gutachter haben uns bestätigt, dass dies keine Schrottimmobilie ist."

Bau mit Vorgeschichte

Von April bis Herbst 2019 wird nun also aller Voraussicht nach gebaut. Rund 7,4 Millionen Euro soll das Projekt kosten: Aus dem Etat der Kulturstaatsministerin kommen Fördermittel von 2,7 Millionen Euro, der Chorverband gibt eine Million Euro. Weitere rund 3,7 Millionen Euro werden planmäßig über eine Stiftung und ein Darlehen finanziert.  

Neben einem neuen Dach wird das Gebäude um einen Holzbau, und somit eine ganze Etage, erweitert. Über Mieteinnahmen, so die Hoffnung des DCV, wolle man das Gebäude in 25 Jahren schuldenfrei bekommen.

Drei Jahre hatte der Altbau in Neukölln-Rixdorf leer gestanden und war in Besitz einer arabischen Großfamilie, bevor er zwangsversteigert wurde. Dabei sei es zu Einschüchterungsversuchen gekommen, sagte Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD). Der anonyme Käufer, von dem man das Gebäude später erwarb, sei unter Polizeischutz gestellt worden. "Das ist ein ganz besonderes Haus und ein Symbol dafür, dass wir gewonnen haben", so Giffey.

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