"Open House" - Bauhaus-Archiv Berlin
Audio: Inforadio | 26.03.2018 | Anna Pataczek | Bild: rbb/Anna Pataczek

"Open House" in Berlin - Das Bauhaus-Archiv ist leer - und trotzdem ganz schön voll

Bald schließt das Bauhaus-Archiv in Berlin wegen Sanierung. Vorher lädt das Archiv zur Umzugsparty: Das Haus ist schon leergeräumt und zeigt sich so, wie sich das der Architekt Walter Gropius immer gedacht hatte. Anna Pataczek hat sich im "Open House" umgesehen.

Der erste Eindruck ist überwältigend: Das Bauhaus-Archiv ist fast nicht wiederzuerkennen. Man steht in einer großen, lichtdurchfluteten Halle mit einer riesigen Fensterfront zum Landwehrkanal, die Sonne fällt schräg hinein. Überall gibt es Sichtachsen nach draußen, egal wo man sich im Raum befindet.

Zwei Mal täglich finden Führungen durch das entrümpelte Gebäude statt. Jetzt lässt sich endlich die Architektur von Walter Gropius richtig erleben. Vorher waren die Fenster zugeklebt, alles war abgedunkelt und mit Raumtrennern verkleinert - damit hier lichtempfindliche Museumsstücke gezeigt werden konnten.

Markantes Dach für Berlin

"Das ist nicht als klassische Museumshalle gebaut worden, sondern als ein offener Raum", erklärt Kunsthistorikerin Bettina Güldner. Genauer gesagt für Veranstaltungen, für Zusammenkünfte, um Fragen rund um Design und Gesellschaft zu diskutieren - ganz im Sinne des Bauhaus-Gedankens.

Überhaupt hatte Walter Gropius eigentlich das Haus für die Darmstädter Rosenhöhe geplant. Da hätte das charakteristische Dach mit seinen weißen, gerundeten Spitzen wie eine Krone hoch über der Stadt gethront. Das Dach ist aber auch in Berlin markant.

"Alltag ist Arbeit. Fabrik ist nichts Minderwertiges"

"Dieses ist eine Typologie, die aus dem Fabrikbau des 19. Jahrhunderts kommt. Das ist natürlich ein zentrales Motiv, an dem sich Gropius immer orientiert hat", so Güldner, "und mit dem er versucht hat, Kunst und Technik nicht nur in der Lehre verständlich zu einer Einheit zu bringen, sondern auch ästhetisch zu sagen: Der Alltag ist Arbeit. Fabrik ist nichts Minderwertiges."

"Open House" - Bauhaus-Archiv Berlin
Vorher waren die Fenster zugeklebt, jetzt ist der Saal lichtdurchflutet.Bild: rbb/Anna Pataczek

Einfach "beeindruckend"

Die Führung mit der Kunsthistorikerin durch und rund um das Archiv dauert knapp anderthalb Stunden. An diesem ersten Wochenende sind vor allem viele Familien, Architekturstudentengruppen, Touristen und Berliner gekommen.

"Beeindruckend", sagt ein Besucher, "wenn man überlegt, dass das früher alles dunkel war, weil die Fenster zu waren und alles vollgestellt war. Einfach irre."

"Open House" bis 29. April

Der jetzige, beeindruckende Zustand soll auch nach der Sanierung des Gebäudes so bleiben - die Halle wird Veranstaltungsort. Die Ausstellungsflächen kommen in einen Neubau des Berliner Architekten Volker Staab: 2.300 Quadratmeter statt bisher 700, unterirdisch.

Vorne zur Klingelhöferstraße hin entsteht ein fünfstöckiger gläserner Kubus, mit Eingangsbereich, Workshopräumen und Café. Fertig werden soll das Ganze bis 2022. Aber jetzt erst mal "Open House" bis Ende April, mit Führungen, einem Film zur Geschichte des Bauhaus-Archivs, und mindestens einmal stündlich Workshops, unter anderem geleitet von Sven Schütz. "Wir laden unsere Besucher ein, sich anhand von sechs Stationen mit der Architektur des Bauhaus-Archivs zu befassen und andererseits, die Tondokumente, die sich im Archiv befinden, klanglich zu gestalten, also vorzulesen", sagt er. "Und dann werden die Stimmen Teil einer Soundinstallation."

Die ist jetzt schon zu hören, wenn man draußen die lange Rampe zum Archiv entlang geht - hinein in ein Haus, das, obwohl es leer ist, in diesen Tagen ganz schön voll und lebendig ist.

"Open House" - Bauhaus-Archiv Berlin
Walter Gropius hatte das Haus eigentlich für die Darmstädter Rosenhöhe geplant.Bild: rbb/Anna Pataczek

Beitrag von Anna Pataczek

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